Investitionsfinanzierung

Kreislaufwirtschaft: Gebrauchen statt verbrauchen

Drucken

Die Kreislaufwirtschaft hat Zukunft. Produkte werden nicht mehr für Einmalgebrauch und Entsorgung konzipiert, sondern sollen langlebig, wiederverwendbar und schliesslich rezyklierbar sein. Dabei entstehen auch für KMU erfolgsversprechende neue Geschäftsfelder.
 

Produkte auf Langlebigkeit und Modularisierbarkeit auslegen

Endliche Rohstoffe für den einmaligen Gebrauch zu nutzen, ist nicht nachhaltig. Doch genau nach diesem linearen Muster «Rohstoff – Produkt – Entsorgung» funktionieren weite Teile der produzierenden Industrie. Mit dem Konzept der Circular Economy soll sich das ändern. Die Idee hat zwei zentrale Komponenten: Erstens werden die Stoffkreisläufe geschlossen, indem Material wiederverwertet, aufbereitet und rezykliert wird. Zweitens werden diese Kreisläufe verlangsamt, indem Produkte auf Langlebigkeit und Modularisierbarkeit ausgelegt werden – bereits im Design, aber auch mit Service, Wartung und Reparatur.

Stefan Jeker, Leiter Digitale Transformation & Raiffeisen Zukunftslabor RAI Lab

Mit einem gesunden inneren Antrieb und Kreativität im Geschäftsmodell kann die Circular Economy aber in fast allen Branchen Einzug halten, die mit Rohstoffen arbeiten.

Stefan Jeker

Leiter Digitale Transformation & Raiffeisen Zukunftslabor RAI Lab

Zweitnutzung von Baumaterialien 

Dahinter steckt natürlich ein ökologischer Gedanke. Unser Rohstoffverbrauch ist zu hoch; würden alle pro Kopf so viel konsumieren wie wir Schweizer, bräuchten wir zweieinhalb Planeten. «Die Kreislaufwirtschaft ist aber auch ökonomisch interessant und eröffnet Unternehmen spannende neue Geschäftsfelder», sagt Stefan Jeker, Leiter des Raiffeisen Zukunftslabors RAI Lab. 

Neue Möglichkeiten liegen zum Beispiel in der Zweitnutzung von Baumaterialien oder Komponenten. So werden etwa für eine Gebäudeerweiterung in Winterthur hauptsächlich Bauteile aus Rückbauten verwendet: der Stahlträger eines ehemaligen Verteilzentrums, die Aussentreppe eines Bürokomplexes, Fassadenelemente und Alufensterrahmen.

Vom Produkt zum Service

Auch Sharing- und Service-Konzepte haben einen wichtigen Platz in der Kreislaufökonomie. Für KMU sind Letztere besonders vielversprechend. «Man verkauft nicht mehr ein Produkt, sondern ein ganzes Servicepaket», erklärt Stefan Jeker. Eine Fräsmaschine beispielsweise bleibt im Besitz des Herstellers. Wie bei einem Abonnement bezahlt der Kunde die Nutzung, den Service, regelmässige Updates und die Reparatur. Er erhält so ein flexibles Rundum-Sorglos-Paket. «Und für den Hersteller erhöht sich der Share-of-wallet – auf ihn entfällt also ein höherer Anteil des Gesamtbetrags, den der Kunde ausgibt », so Stefan Jeker. 

 

Kapital, Kreativität und innerer Antrieb 

Für Kunden fallen in einem Servicemodell grosse Erstinvestitionen weg. Für Hersteller wiederum heisst das, dass sie ihr Geld nicht mit dem Verkauf erhalten, sondern kontinuierlich über den ganzen Lebenszyklus eines Produkts hinweg bezahlt werden. Dies muss beim Wechsel des Modells nicht zuletzt in der Cash-Flow-Planung berücksichtigt werden. 

Grundsätzlich ist eine Umstellung auf kreislaufwirtschaftliche Ansätze für diejenigen Unternehmen am einfachsten, die einen grossen Teil ihrer jeweiligen Wertschöpfungskette abdecken. «Mit einem gesunden inneren Antrieb und Kreativität im Geschäftsmodell kann die Circular Economy aber in fast allen Branchen Einzug halten, die mit Rohstoffen arbeiten», ist Stefan Jeker überzeugt.

 

Beispiele von kreislauffähigen Geschäftsfeldern für KMU

vorheriges
  • Bau: Kreislauffähiges Inputmaterial entwickeln – zum Beispiel Gebäudemodule.
  • Dienstleistung: Sharing-Produkte bereitstellen und damit die Nutzungsrate erhöhen.
  • Industrie: Nutzung statt Eigentum anbieten und Service und Reparatur übernehmen.
  • Recyclingunternehmen: Ressourcen wiederaufbereiten und dem Kreislauf wieder zuführen
nächstes