Studien & Ratgeber zum Thema Liquiditätsmanagement

«Schweizer KMU sind durchaus in der Lage, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen»

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Der «Swiss Manufacturing Survey» (SMS) weist nach, dass das Gütesiegel «Made in Switzerland» international an Bedeutung verliert, was die Attraktivität von Produkten betrifft. Die Folge: Grössere Schweizer Unternehmen verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland, was sich hingegen KMU oft nicht leisten können. Dazu ein paar Fragen an Urs P. Gauch, Leiter Departement Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz.
 

Urs P. Gauch, Leiter Departement Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Urs P. Gauch, Leiter Departement Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz
Urs P. Gauch

Urs P. Gauch (58) ist seit fast 30 Jahren in diversen Positionen im Firmenkunden- und Kreditgeschäft tätig. Seine langjährige Erfahrung und sein fundiertes Fachwissen machen ihn zum Spezialisten im Firmenkundensegment. Er leitet seit dem 1. Oktober 2015 das Departement Firmenkunden und ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Raiffeisen Schweiz.

Herr Gauch, in der SMS-Studie wird ein Ostschweizer KMU-Unternehmer zitiert, der bemängelt, dass sich in der Schweiz niemand wirklich um die Probleme der kleinen Firmen kümmere. Einverstanden?

Natürlich kann man nachvollziehen, dass erschwerte ökonomische Bedingungen wie die Aufhebung des Euro-Franken Mindestkurses durch die SNB vereinzelt zu solchen Aussagen führen kann. Zum Erhebungszeitpunkt der Studie war das Währungsproblem noch um einiges akuter als heute. Die Raiffeisen Gruppe ist traditionell den KMU verpflichtet und hat gerade in letzter Zeit viel in neue Produkte und Dienstleistungen investiert.

 

Von der Kritik fühlt sich Raiffeisen demnach nicht angesprochen?

Raiffeisen steht zu ihren Werten, Unternehmertum, Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit und Nähe. Wir belegen dies u.a. mit über 250 eigenständigen Raiffeisenbanken, die in der ganzen Schweiz sehr nahe bei ihren Kunden sind. Zusätzlich bieten wir in den Raiffeisen Unternehmerzentren (RUZ) in Gossau, Aarau West und Baar mehrwertige Beratungen von Unternehmern für Unternehmer an. Von dieser Möglichkeit, sich unverbindlich und professionell beraten zu lassen, profitieren zahlreiche Unternehmer. In der Westschweiz (Yverdon) und im Kanton Bern werden 2018 und 2019 weitere RUZ eröffnet.

 

Dass die Marke «Made in Switzerland» heute international viel weniger Gewicht hat als Eigenschaften wie «Qualität» und «Lieferzuverlässigkeit», treibt viele Unternehmen in die Auslandproduktion. Für KMU, die sich das nicht leisten können, ist das schon ein Wettbewerbsnachteil, oder?

Die Standortwahl ist für Unternehmen ein entscheidender Faktor. Es gilt, Chancen und Risiken genau aufeinander abzustimmen. Dass die Produktionskosten in der Schweiz hoch sind, ist kein Geheimnis. Aus ökonomischer Sicht stellt dies einen Anreiz für eine Verlegung der Produktion im Ausland dar. Dennoch, die Schweiz gilt als Land mit einer enormen Innovationskraft und steht auch für politische Stabilität, was in der momentanen Situation ein wichtiger Standortvorteil ist. Als «Boomerang» bei der Verlegung der Produktionsstätten ins Ausland könnten sich nämlich Probleme bei der Qualität oder hohe zusätzliche Kosten für Koordination und Abstimmung negativ auswirken. Zudem sehe ich in der Digitalisierung, insbesondere auch in der Industrie 4.0, eine grosse Chance für Effizienzsteigerungen in der inländischen Produktion.

 

Trotzdem, kleine Firmen sind zur Umsetzung von internationalen Plänen stärker auf gute Finanzpartner und Kreditgeber angewiesen. Welche Unterstützung können diese leisten?

Hier gilt es für jedes einzelne Unternehmen, zuerst die eigenen individuellen Bedürfnisse abzuklären. Wo herrscht Bedarf, in welcher Form und in welchem Umfang? Unsere Firmenkundenberater sind bestrebt, ein für das jeweilige Geschäftsmodell massgeschneidertes Finanz- und Betreuungskonzept anzubieten. Dank der Nähe zu unseren Kunden und der persönlichen Betreuung vor Ort sind die Voraussetzungen für eine partnerschaftliche, langfristige Beziehung optimal.

 

Welche Optionen gibt es da, wenn ein Unternehmen nicht über riesige Liquiditätsreserven verfügt?

Nach dem Prinzip «Nutzen statt kaufen» werden zum Beispiel über ein Leasing Nutzungsrechte gekauft. Diese Variante verhindert die Bindung von meist hohen Investitionen. Somit ist Leasing liquiditätsschonend, da die Kosten auf mehrere Jahre verteilt werden können. Auch Factoring ist eine alternative Finanzierungsform, bei der Debitorenforderungen an die Bank verkauft werden. So wird einerseits die Bilanz entlastet. Gleichzeitig werden liquide Mittel rasch verfügbar gemacht. Schliesslich setzen auch einige KMU speziell bei Produktentwicklungen auf Crowdfunding. Die Kleininvestoren erhalten im Gegenzug meistens einen Anreiz in Form eines interessanten Zinssatzes oder auch des Rechts auf einen Vorkauf des Produkts.
 

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Das Geschäftsmodell «Nutzen statt kaufen» liegt im Trend. Friderici und Jungheinrich erzählen, von welchen Vorteilen Sie profitieren.

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Geht es mit solchen Finanzierungsformen in erster Linie auch darum, die internationale Wettbewerbsfähigkeit von innovativen Schweizer Kleinbetrieben zwingend zu stützen?

Raiffeisen ist sich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in der Schweiz bewusst. Die Unternehmen sind ein wichtiger Pfeiler im Geschäftsmodell von Raiffeisen und wir fühlen uns dem Unternehmertum stark verbunden und verpflichtet. Wir sind überzeugt, dass die Schweizer KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer durchaus in der Lage sind, sich dem Wettbewerb zu stellen. Wie gesagt, die Schweiz gilt als Pionierland, wenn es um Innovationen geht. Daher sehe ich die Zukunft auch für Schweizer KMU durchaus positiv.

 

Schweizer Produktion – Flexibel und krisenresistent

Trotz Wechselkursproblematik bleibt die Schweizer Produktionsindustrie im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig. Dies belegt der im Juli 2017 erschienene «Swiss Manufacturing Survey» (SMS-Studie). Die von der Universität St.Gallen (HSG) gemeinsam mit dem Verband Swissmem und Raiffeisen Schweiz durchgeführte Studie gewährt spannende Einblicke in das produzierende Gewerbe.