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27.09.2018

Finanzapéro "Goldener Herbst" der Toggenburger Raiffeisenbanken

Unternehmer und Ökonom Klaus W. Wellershoff zeichnete am Raiffeisen-Finanzapéro ein positives Bild der aktuellen Wirtschaftssituation. Er wies aber auch auf Risiken hin, wie zum Beispiel Chinas Verschuldung. 

 
Klaus W. Wellershof

Unternehmer Klaus W. Wellershof referierte am Finanzapéro der Toggenburger Raiffeisenbanken

Der Unternehmer Klaus W. Wellershoff war nicht zum ersten Mal Gast derToggenburger Raiffeisenbanken. Schon vor zwei Jahren referierte er über denZustand und den Ausblick der Wirtschaft und der Finanzmärkte. «Schon damalssprach ich vom goldenen Herbst. Und der dauert immer noch an», sagteWellershoff einleitend zu seinen Erläuterungen. «Es sind nur wenigeGewitterwolken im Anmarsch.»

In der Folgepräsentierte der Ökonom anhand von neun Thesen, wie er die Zukunft derWirtschaft sieht. Diese drehten sich um Themen wie Konjunktur, Währungen undGeldpolitik.

Gutes Bild beiden Konjukturtreibern

Die Konjunkturbleibe vorläufig gut, zeigte sich Wellershoff überzeugt. Aktuell sei nämlichbei allen grossen Konjunkturtreiber ein gutes Bild zu beobachten. Selbst dieEurozone wachse, auch wenn das in Europa jeweils nicht so geglaubt werdenkönne. «Wir sind wahnsinnig kritisch mit Europa», resümierte Wellershoff, deraber in der politische Ausprägung der EU ebenfalls viele Mängel feststellt. DerBrexit dürfte nach Ansichten des Ökonomen indes vor allem Grossbritannientreffen. In der Wirtschaft der Rest-EU werde das nur mässig zu spüren sein.

Auch für dieSchweizer Konjunktur zeichnet Wellershoff ein positives Bild. «DieArbeitnehmenden helfen hier in schwierigen Situationen mit und auch dieUnternehmen reagieren schnell auf geänderte Umstände.» Unter Zugzwang sieht eraber die Schweizerische Nationalbank (SNB) und ihre Geldpolitik. Gleichbleibendtiefe Zinsen führen bei einer steigenden Inflation zur Belastung von Sparernund Vorsorgern.

Der Realzins seiaktuell so tief wie noch nie. Trotzdem rechnet er in diesem Jahr nicht mehr miteiner Anpassung der Leitzinsen durch die SNB. «Auf der politischen Bühne sinddie nächsten Monate schwierig», begründete Wellershoff diese Prognose. «DieNationalbank hat die Chancen zum Handeln verpasst.»

China drohtsich stark zu verschulden

Sorgen jedochbereitet ihm China. Bisher hätten die Manager erreicht, was man von ihnenerwartet hätte. Seit einiger Zeit sei aber die Zielvorgabe von Präsident XiJinping zu hoch. Um die geforderten 6,5 Prozent Wirtschaftswachstum zuerreichen, habe China eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die zu einer massivgesteigerten Auslandsverschuldung geführt habe. «Das könnte in fünf, sechsJahren zu einem grossen Thema werden», zeigte sich Wellershof besorgt.

Bei dergemeinsamen Betrachtung der 25 wichtigsten Schwellenländer ist Wellershof indespositiver gestimmt. «Die wichtigsten Kennzahlen sind ganz ordentlich», fassteer zusammen. So verfügen diese Länder über eine positive Handelsbilanz. Dasheisst, sie sind nicht auf das Vertrauen der Finanzmärkte angewiesen, um sichzu finanzieren.

Es gibtAlternativen zu Aktien

Insgesamt wachsedie Weltwirtschaft aber langsamer als noch in der Vergangenheit. Dafür gebe esviele Gründe. Unter anderem sei es schwierig, gleich viel Prozent Wachstum zuerzielen, wenn der Ausgangsbetrag von Jahr zu Jahr höher ist.

Für die Einzelneund den Einzelnen warnte er abschliessend, dass Aktien zunehmend riskantwerden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sei derzeit so hoch, dass der Absturz beieiner Rezession entsprechend schmerzhaft werde. Aktien seien aber auch nichtalternativlos. Deshalb solle man sich als Anleger langsam darauf vorbereiten,von Aktien hin zu anderen Möglichkeiten zu wechseln.