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19.10.2018

Berichtssaison gewinnt an Fahrt

Finanzinformation

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Die«Earnings Season» hat in dieser Woche so richtig Fahrt aufgenommen. Nach denKursverlusten an den Aktienmärkten in den letzten Wochen erwarten sich Anlegervon den Unternehmenszahlen für das dritte Quartal nicht nur Ablenkung, sondernvor allem positive Impulse. Allerdings könnten sie diesmal enttäuscht werden,denn eine hohe Anzahl an positiven Gewinnüberraschungen ist inzwischen zurGewohnheit geworden.

 

In den USA konnten in denvergangenen Quartalen jeweils mehr als 75 Prozent der Unternehmen dieErwartungen übertreffen, in Europa immerhin noch die Hälfte. Für das dritteQuartal erscheinen die zu übertreffenden Analystenschätzungen nun jedochinsbesondere auf dem alten Kontinenten sehr ambitioniert. Hier liegen dieGewinnprojektionen mit einem Anstieg von 13 Prozent gar höher als die im erstenHalbjahr tatsächlich gelieferten Zahlen. Dies obwohl sich wesentlicheMakrodatenpunkte wie die Einkaufsmanager-Indizes, Industrieproduktion,Konsumentenstimmung und in der Konsequenz auch das Wirtschaftswachstumgegenüber Jahresbeginn spürbar abgeschwächt haben. Jenseits des Atlantiks wirdmit einem Plus von 19 Prozent gar ein noch höherer Gewinnzuwachs veranschlagt,was nichtsdestotrotz realistischer erscheint. Denn einerseits gibt dieUS-Steuerreform weiterhin Rückenwind, andererseits konnten sich die USA derKonjunkturabkühlung rund um den Globus bisher weitgehend entziehen.

 

ÜbermässigerPessimismus nicht angebracht

Vor allem zyklische Branchensind aufgrund ihrer grösseren Abhängigkeit von der Konjunkturdynamik in der laufendenBerichtssaison anfällig für Gewinnenttäuschungen. Doch auch wenn das neuesteZahlenmaterial diesmal nicht zu Kursfeuerwerken veranlasst, ist zu grosserPessimismus ebenfalls nicht angebracht. So spricht die relative Stärke beiwichtigen Industriemetallen sowie beim Ölpreis eher für eine Wachstumsdelle,denn für eine grössere globale Abschwächung. Zudem haben sich die Bewertungender Aktienmärkte im Allgemeinen und die der zyklischen Sektoren im Besondernseit Jahresbeginn merklich reduziert, womit die schwächere Gewinndynamikbereits weitgehend eingepreist wurde. Nach einem Realitätscheck in denkommenden Wochen, der auch die eine oder andere Gewinnwarnung mit sich bringenwird, dürfte sich der Fokus daher wieder auf die fundamentalen Rahmenbedingungenund den Ausblick für 2019 richten. Und dieser ist besser als das derzeitigeMarktsentiment vielleicht vermuten lässt.

 

Handelskriegals grösstes Risiko 2019

Denn solange es in punctoWeltkonjunktur nur bei einer Wachstumsdelle bleibt, sind die Analystenschätzungen,welche für kommendes Jahr einen Gewinnanstieg von 10 Prozent vorsehen, nichtübermässig hoch. Dabei könnte der Vorteil 2019 auf der Seite Europas liegen, wodie Gewinnmargen noch Luft nach oben haben. In den USA dürften die Margenaufgrund von steigenden Lohn- und Zinskosten derweil zumindest in einigenSektoren unter Druck kommen. Ohne einen deutlichen Einbruch beimWirtschaftswachstum sollte der Gesamtmarkt von dahinschmelzenden Gewinnmargenvorerst aber verschont bleiben. Das grösste Risiko für die Unternehmensgewinnestellt letztlich auch im nächsten Jahr ein Handelskrieg zwischen den USA undChina dar. Im Negativszenario – Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Ex- bzw.Importe – droht Corporate America eine Gewinnflaute, welche auf andere Industrieländernegativ ausstrahlen dürfte.