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25.11.2019

Geplauder und Debatten der Notenbanker

Donald Trump hatte diese Woche einenbesonderen Gast im Weissen Haus: Fed-Chef Jerome Powell. Ob dieser demPräsidenten beim Geplauder die Sicht- und Funktionsweise der US-Notenbankverständlich genug darlegen konnte, ist zweifelhaft.

 

LautFed-Aussagen betonte Jerome Powell, wie die Geldpolitik von hereinkommendenInformationen über die Entwicklung der Wirtschaft abhänge. Trump fordertejedenfalls, dass die US-Leitzinsen tiefer sein sollten als das Zinsniveau inkonkurrierenden Ländern, «schliesslich sind wir die USA».

 

Lockere Geldpolitik mit Nebenwirkungen

Dass tiefebeziehungsweise negative Leitzinsen nicht ausschliesslich positiv sind, müssendie Notenbanker in Europa währenddessen immer mehr anerkennen. DerVizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos, äussertesich in den letzten Tagen gleich mehrmals zu den Nebenwirkungen derEZB-Geldpolitik. Da wären einerseits die direkten (Zins-)Kosten für die Banken,die deren ohnehin angeschlagene Profitabilität zusätzlich belasten. Zudemerhöhe die lockere Geldpolitik den Risikoappetit von Investoren. Undschliesslich gebe es hier und dort durch das Tiefzinsumfeld induzierteÜbertreibungen am Immobilienmarkt.

 

Naht der Abschied von negativen Zinsen?

All daswaren nicht wirklich Neuigkeiten – schon gar nicht für die Kritiker derEZB-Geldschwemme. Dennoch verstärkt sich der Eindruck, dass wir in Europa nunlangsam auf eine neue Phase der geldpolitischen Debatte einschwenken könnten.Eventuell wird sich Christine Largarde als neue EZB-Präsidentin ja schnellerals erwartet vom Erbe Mario Draghis emanzipieren, so dass uns Wertpapierkäufeund Negativzinsen letztlich doch nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag erhaltenbleiben. Dass ein Abschied von negativen Zinsen trotz der aktuell bescheidenenKonjunkturlage möglich ist, zeigt der Blick nach Schweden. Dort beabsichtigtdie Riksbank ihr geldpolitisches Experiment nach fast fünf Jahren zu beenden.Die negativen Effekte des dauerhaften Negativzinsniveaus sind den schwedischenWährungshütern offenbar nicht mehr ganz geheuer. Ganz so schnell dürften dieMühlen in Frankfurt jedoch nicht mahlen. Im kommenden Jahr erwarten wir von derEZB bei den Leitzinsen ein Festhalten am Status Quo. Für die SchweizerischeNationalbank (SNB) bedeutet dies einmal mehr: wenig Spielraum.