Devisenstrategien

Wechselkursrisiken mit der richtigen Strategie absichern

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Keine Devisenstrategie zu haben, kann ein Unternehmen viel Geld kosten, sagt Raiffeisen-Experte Rosario Loria. Weshalb keine Devisenstrategie Unternehmen teuer zu stehen kommen kann und warum es Sinn macht, eine Strategie zu definieren, erklärt Rosario Loria, Devisen Spezialist Treasury & Markets bei Raiffeisen Schweiz, im Interview.
 

Interview mit Rosario Loria, Devisen Spezialist Treasury & Markets

Andrea Schmits: Warum braucht ein Schweizer KMU eine Devisenstrategie? 

Rosario Loria: Weil Wechselkursrisiken so gross sein können, dass sie das Grundgeschäft eines Unternehmens nachhaltig beinträchtigen und im Extremfall in Bedrängnis bringen können. 

 

A. S.: Gilt das für alle Betriebe, die mit Fremdwährungen zu tun haben?

R. L.: Grundsätzlich sollte jedes Schweizer KMU, das im Export oder Import tätig ist, sein Devisen-Exposure und die damit zusammenhängenden Risiken kennen. Fallen signifikante Anteile – ich sage mal, 20 Prozent und mehr – der Einnahmen oder Ausgaben in Fremdwährungen an, empfiehlt es sich, eine detaillierte Devisenstrategie zu erarbeiten. So lassen sich die Wechselkursrisiken auf das laufende Geschäft minimieren.

Rosario Loria, Devisen-Spezialist Treasury & Markets bei Raiffeisen Schweiz
Rosario Loria, Devisen-Spezialist Treasury & Markets bei Raiffeisen Schweiz

«KMU brauchen eine Devisenstrategie, da Wechselkursrisiken das Grundgeschäft eines Unternehmens nachhaltig beeinträchtigen können.»

A. S.: Trotzdem verzichten sehr viele KMU auf eine Devisenstrategie. Weshalb? 

R. L.: Oft ist das Bewusstsein über die bestehenden Wechselkursrisiken gar nicht vorhanden. Zudem fehlt in vielen Fällen das spezifische Know-how. Es gibt keine Spezialisten, vielmehr beschäftigt sich die Buchhaltung quasi nebenbei auch mit Devisen – dies dann aber zumeist jeweils nur dann, wenn Fremdwährungszahlungen eintreffen oder für die Begleichung einer Rechnung benötigt werden. Viele Unternehmer wollen sich auch einfach nicht vertieft mit Wechselkursen befassen oder haben Angst, es könnte zu viel Zeit kosten. Nichts machen ist zwar auch eine Strategie – allerdings eine sehr spekulative.

 

A. S.: Die Absicherung der Wechselkurse ist ein zentrales Element der Devisenstrategie. Welche Vorteile hat ein KMU dadurch? 

R. L.: Allem voran Planungssicherheit. Mit der Absicherung der Wechselkurse schafft das Unternehmen eine klare Kalkulationsbasis und vermeidet so unliebsame Budgetabweichungen im laufenden Geschäft. Wir raten unseren Kunden deshalb, im Rahmen der Erstellung des Budgets für das kommende Jahr auch die wichtigsten Eckpunkte der Devisenstrategie für die kommenden zwölf Monate festzulegen.


A. S.: Was kostet das?

R. L.: Die Kosten für die Absicherung sind sehr individuell. Sie sind stark abhängig von der gewählten Strategie, den genutzten Deviseninstrumenten und natürlich dem Volumen. Raiffeisen bietet den Kunden ein absolut transparentes und einfaches Pricing. Die Kosten lassen sich damit im Voraus kalkulieren. Doch die wichtigere Frage ist: Wie viel kann es mich kosten, wenn ich nichts tue? Man muss die Absicherungskosten dem Risiko des «Nichtstuns» gegenüberstellen und sich fragen: Ist es das wert?