Unternehmen richtig verkaufen

Unternehmensverkauf im Schnellgang

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Eigentlich wollte Erich Renggli seine Firma weiterentwickeln. Im Gespräch mit Raimund Staubli, Begleiter im Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ, sprach er aber plötzlich von der Möglichkeit eines Verkaufs. Staubli fand in seinem Netzwerk auf Anhieb einen passenden Käufer.

René Thoma, neuer CEO und Inhaber der REWaG Feinmechanik AG

René Thoma, neuer CEO und Inhaber der REWaG Feinmechanik AG

 

Standortbestimmung im Unternehmergespräch

Erich Renggli gründete das Ostschweizer Fertigungsunternehmen REWaG vor über 19 Jahren. Dann wollte er eine Standortbestimmung machen und kontaktierte Raimund Staubli vom Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ in Gossau. Mit dem RUZ Begleiter analysierte er die Prozesse und Abläufe. Sie einigten sich schon auf ersten Optimierungen, als Renggli unvermittelt meinte, er könne sich auch vorstellen, die Firma zu verkaufen und sich neu zu orientieren.

Staubli fuhr von da an zweigleisig: Er machte sich mit Hilfe der Business Broker AG auf die Suche nach einem geeigneten Käufer und trieb gleichzeitig die Neuausrichtung der REWaG voran. Einige Monate später sass plötzlich ein potenzieller Nachfolger vor ihm: René Thoma wollte sich ebenfalls neu orientieren. Ihm gefiel die REWaG auf Anhieb. Dann ging es schnell: In nur drei Monaten war der Verkauf über die Bühne.

 

Wie René Thoma die Herausforderung angepackt hat

Interview mit Raimund Staubli, Begleiter des REWaG-Verkaufs

Mit der Übergabe oder dem Verkauf der Firma ist die Nachfolge zwar geregelt, doch es gibt vieles neu zu definieren, sagt Raimund Staubli. Im Interview erklärt er, warum es heute so schwierig ist, einen Nachfolger zu finden und worauf man im Verkaufsprozess speziell achten muss.

 

War es früher einfacher, einen Nachfolger zu finden?

Raimund Staubli: Das lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein beantworten. Fakt ist, dass die Märkte heute hektischer geworden sind. Unternehmen müssen sich laufend verändern und permanent weiterentwickeln. Das verlangt heute sehr oft andere Kompetenzen und finanzielle Mittel. Zudem gestaltet sich die Übergabe an den Sohn oder die Tochter immer schwieriger. Sie haben nur noch selten grosses Interesse daran, in die zum Teil grossen Fussstapfen der Eltern zu treten und Verantwortung zu übernehmen.

 

Haben die Unternehmer heute mehr Mühe, loszulassen?

Das erlebe ich nicht so. Man hat früher schon nicht gerne losgelassen, was man jahrelang aufgebaut hat. Ich erlebe aber, dass KMU-Besitzer ihren Kindern den Entscheid überlassen, ob sie in die Firma einsteigen wollen oder nicht. Dies führt dazu, dass diese dann vielfach einen anderen Weg einschlagen und KMU-Besitzer ihre Firma extern verkaufen müssen.

 

Kommen wir auf die von Ihnen betreute Nachfolgelösung der REWaG zu sprechen. Ende gut, alles gut?

Mit dem Verkauf einer Firma ist die Nachfolge und Übergabe geregelt, mehr aber nicht. Der Käufer muss Marktentwicklungen berücksichtigen, er muss eventuell intern Prozesse und Verantwortlichkeiten neu regeln, personelle und organisatorische Veränderungen ins Auge fassen. Oft rufen solche Veränderungen bei den Mitarbeitenden den Wunsch nach Veränderung aus. Daher dürfen während dem Verkaufsprozess auch die menschlichen Faktoren nicht ausser Acht gelassen werden.

 

Der Verkauf der Firma ging in nicht einmal drei Monaten über die Bühne. Wie war dies möglich?

Der gesamte Nachfolgeprozess dauerte natürlich etwas länger, nämlich etwas mehr als sieben Monate. Aber auch dies ist noch sehr sportlich. Der Fall REWaG war atypisch. Diese extrem kurze Abwicklung war nur dank dem Beizug von kompetenten und erfahrenen Experten im RUZ möglich. Zudem verlangte es auf allen Seiten einen sehr grossen Einsatz und optimales Zusammenspiel. Geholfen hat uns auch, dass wir mit Käufer und Verkäufer auf Augenhöhe verhandeln konnten. Denn wir verstehen die Sorgen, Nöte, Ängste, Bedürfnisse und Wünsche auf beiden Seiten.

 

Wie meistert der neue Chef seine Aufgabe?

Mit Stolz stelle ich fest, wie René Thoma zusammen mit seinem Team eine sichtbare Entwicklung durchgemacht hat. Auf der anderen Seite sehe ich viele spannende Themen und Fragen, die mir für weitere Nachfolgefälle Inputs geben.

Zur Person Raimund Staubli

Raimund Staubli, Nachfolgebegleiter RUZ
Raimund Staubli, Nachfolgebegleiter RUZ

Raimund Schaubli ist RUZ Begleiter am Raiffeisen Unternehmerzentrum in Gossau. Er war lange Jahre als Geschäftsführer im Handel und der Bearbeitung von Stahl und Metallen tätig. Ausserdem hat er viel Erfahrung in der nationalen und internationalen Verkaufsleitung gesammelt.

 

Zur REWaG Feinmechanik AG

Die REWaG Feinmechanik AG
Die Firma hat sich auf die Fertigung von anspruchsvollen Präzisionsbauteilen mit komplexer Geometrie spezialisiert.

Die REWaG Feinmechanik AG wurde 1999 als Einzelfirma gegründet, 2002 in eine AG umgewandelt und am 1.1.2018 vom Gründer Erich Renggli an den jetzigen Besitzer René Thoma verkauft. Das Unternehmen arbeitet mit 15 Mitarbeitenden im 3-Schicht-Betrieb und verfügt über einen industriellen 3D-Metalldrucker für kleinste Bauteile mit dünnen Wandstärken. Die Firma hat sich auf die CNC-/CAM-Fertigung von hoch anspruchsvollen Präzisionsbauteilen mit komplexer Geometrie und Stückzahlen bis zu 500'000 (pro Jahr) spezialisiert und verarbeitet ganz spezielle Materialien wie Wolfram, Molybdän und Titan. Beliefert werden verschiedene Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizinaltechnik, Optik- und Uhrenindustrie. Rund 20 Prozent des Umsatzes erzielt die REWaG im Ausland, u.a. in Deutschland, Mexiko und China.