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Raiffeisen Vorsorgebarometer 2026: Lebensereignisse prägen die Vorsorge
- Der höchste Barometerwert seit Studienbeginn spiegelt die gute finanzielle Lage des Schweizer Vorsorgesystems
- 79 Prozent der 18- bis 65-Jährigen verfügen über eine Säule 3a – ein neuer Rekordwert
- Viele Ältere bereuen rückblickend verpasste Chancen beim Vorsorgesparen und Anlegen
- 51 Prozent der Frauen haben nach einer Geburt ihr Pensum reduziert, bei Männern sind es nur 7 Prozent
- Knapp ein Drittel der 51- bis 65‑Jährigen rechnet damit, später als gewünscht in Pension zu gehen
St.Gallen, 17. September 2026. Das Raiffeisen Vorsorgebarometer 2026 zeigt zum neunten Mal ein aktuelles Stimmungsbild der Schweizer Bevölkerung in Sachen Altersvorsorge. Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2018 hat sich der Barometerwert von 587 auf 725 von 1'000 möglichen Punkten erhöht und erreicht damit den höchsten Stand seit Beginn der Studie. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Barometerwert um 28 Punkte. Die Zunahme ist in erster Linie der guten finanziellen Lage in allen drei Vorsorge-Säulen zu verdanken: Das positive Umlageergebnis der AHV, die gestiegenen Deckungsgrade der Pensionskassen sowie die höhere Sparquote in der 3. Säule führten zu einem deutlichen Anstieg beim ökonomischen Ergebnis. Die weiteren Indikatoren Wissen und Vertrauen nahmen ebenfalls zu, das Engagement blieb konstant. Die grösste Sorge der Bevölkerung mit Blick auf die Altersvorsorge bleibt die langfristige Finanzierung der 1. Säule. 39 Prozent der Befragten befürchten, dass die AHV ihre Ausgaben künftig nicht mehr decken kann.
Nachzahlungsmöglichkeit sorgt für zusätzlichen Schub bei der Säule 3a
Die private Vorsorge geniesst erneut das höchste Vertrauen der Bevölkerung. Das zeigt sich unter anderem daran, dass der Anteil der 18- bis 65-Jährigen, die über eine Säule 3a verfügen, mit 79 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht hat. Zusätzlichen Schub erhält die private Vorsorge durch die Anfang 2026 eingeführte Möglichkeit, Beitragslücken in der Säule 3a nachträglich zu schliessen. 63 Prozent der Befragten kennen die neue Regelung, zum Befragungszeitpunkt hatten aber erst fünf Prozent der Erwerbstätigen eine Nachzahlung vorgenommen. Weitere fünf Prozent planen dies noch im laufenden Jahr. Das Potenzial ist beträchtlich, denn fast die Hälfte schöpft aktuell den jährlichen Maximalbetrag in der Säule 3a nicht vollständig aus.
Rückblickend würden viele besser vorsorgen
Viele bereuen, sich nicht früher in der privaten Vorsorge engagiert zu haben: Rund die Hälfte der über 50-Jährigen würde heute einzelne Vorsorgeentscheide anders treffen. Knapp ein Fünftel der Befragten bedauert beispielsweise, zu wenig oder zu spät in die Säule 3a eingezahlt zu haben. Auch nicht getätigte Investitionen in Wertschriften werden häufig bereut, wobei Männer diese dreimal so häufig wie Frauen als verpasste Chance für die Altersvorsorge ansehen. «Die Ergebnisse zeigen, dass die Tragweite von Vorsorgeentscheiden oft erst im Rückblick deutlich wird. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorgesituation auseinanderzusetzen und langfristig zu planen», erklärt Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzcenter Vermögens- und Vorsorgeberatung bei Raiffeisen Schweiz.
Heirat und Kinder als stärkste Treiber für vorsorgerelevante Handlungen
Die Umfrage zeigt, dass vielfach erst wichtige Veränderungen im Leben dazu führen, Weichenstellungen rund um die Altersvorsorge zu tätigen. Bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung lösten eine Heirat, eine Familiengründung, der Kauf von Wohneigentum, eine Erbschaft oder eine Scheidung mindestens eine vorsorgerelevante Massnahme aus. Prägendstes Lebensereignis ist die Heirat. So eröffneten aus diesem Anlass 37 Prozent der Befragten eine Säule 3a und rund zehn Prozent tätigten Einkäufe in die Pensionskasse. Weitreichend sind die Folgen der Familiengründung. 51 Prozent der Frauen reduzierten nach der Geburt eines Kindes ihr Arbeitspensum, bei den Männern sind es lediglich sieben Prozent. Im Fall einer Scheidung hingegen erhöhten 37 Prozent der Frauen ihr Pensum, was die Vermutung nahelegt, dass sich Frauen finanziell oft auf ihre Lebenspartner verlassen. «Das zeigt, wie wichtig Eigenverantwortung über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg ist. Denn wer die finanziellen Folgen wichtiger Lebensereignisse kennt, schafft bessere Voraussetzungen, um langfristige finanzielle Ziele zu erreichen», so Gumbatshang.
Frühpensionierung bleibt oft Wunsch statt Realität
Wie stark Lebensereignisse die Vorsorge prägen, zeigt sich auch beim Übergang in den Ruhestand. Mehr als die Hälfte der 51- bis 65-Jährigen möchte früher als zum regulären Pensionierungszeitpunkt in Pension gehen. Gleichzeitig rechnet knapp ein Drittel damit, diesen Wunsch nicht realisieren zu können. Als Gründe werden häufig Pensumsreduktion, Familiengründung, Scheidung oder der Kauf von Wohneigentum genannt. Diese Ereignisse prägen Erwerbsbiografie, Vermögensaufbau und Vorsorgekapital oft über Jahrzehnte hinweg. «Die Finanzierung einer Frühpensionierung dürfte für künftige Generationen aufgrund der sinkenden Umwandlungssätze, der höheren Lebenserwartung und zunehmend nicht-linearer Erwerbsbiografien noch anspruchsvoller werden», so Dr. Jürg Portmann, Co-Leiter Institut Risk & Insurance an der ZHAW School of Management and Law. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Frage nach einem längeren Verbleib im Erwerbsleben an Bedeutung. Die Umfrage zeigt, dass länger zu arbeiten für rund zwei Drittel der Befragten denkbar ist – allerdings für die meisten nur punktuell oder in Teilzeit. Eine Weiterbeschäftigung in Vollzeit können sich lediglich fünf Prozent der Bevölkerung vorstellen.
Über das Vorsorgebarometer
Das Vorsorgebarometer basiert auf einer vom 24. April bis 5. Mai 2026 über das Online Access Panel von YouGov Schweiz durchgeführten Online-Bevölkerungsbefragung mit 1'011 befragten Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren und auf der Analyse ökonomischer Daten. Zum fünften Mal umfasste die Umfrage auch Personen im Alter von 66 bis 79 Jahren. Die entsprechenden Daten flossen jedoch nicht in die Indikatoren des Vorsorgebarometers ein, sondern dienen als Ergänzung, um Zusatzerkenntnisse über die bereits pensionierten Generationen zu gewinnen. Die Umfrageergebnisse weisen eine hohe Repräsentativität für die internetnutzende Bevölkerung aller Schweizer Landesteile auf. Das Vorsorgebarometer wurde erstmals 2018 publiziert und wird jährlich erhoben, um laufend neue Erkenntnisse zum Thema Vorsorge zu gewinnen. Während Raiffeisen bei der Erstellung die Unternehmer- und Konsumentenperspektive einbringt, deckt die ZHAW den wissenschaftlichen Teil ab.