Interviews & Erfahrungsberichte zum Thema Unternehmensnachfolge

5 Fragen zur Unternehmensbewertung an Corporate-Finance Experten

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Eine fundierte Unternehmensbewertung gilt als Basis für die erfolgreiche Nachfolge. Unternehmensbewertung Alexander Cassani, Corporate Finance Experte von Raiffeisen sowie Paul Monn, CEO der Business Broker AG, beantworten wichtige und oft gestellte Fragen rund um das Thema Unternehmensbewertung.

 

Interview mit Alexander Cassani und Paul Monn

Welches sind die am häufigsten angewandten Methoden zur Unternehmensbewertung?

Alexander Cassani: Im Bereich der mittleren und grössen KMU ist es die DCF-Methode. Andere Methoden sind in diesem Segment bedeutungslos. Bei kleineren Unternehmen spielt auch die Praktikermethode eine wesentliche Rolle und wird recht häufig eingesetzt.

Paul Monn: Bei kleineren Unternehmen ist die DCF-Methode oft nicht anwendbar, die die Zukunftszahlen (Budget) fehlen respektive sehr unzuverlässig sind. Zudem wird meistens über eine hohe Substanz diskutiert, was letztlich die Praktikermethode zur sinnvollsten macht. In der Regel führt aber fast immer der Mix von verschiedenen Methoden zum Ziel. Keine der bekannten Methoden kann als «die einzig wahre» bezeichnet werden.

 

Welche Fehler werden bei Unternehmensbewertungen am häufigsten gemacht?

Alexander Cassani: Häufig werden unrealistische Mittelfristplanungen definiert, was zu optimistische Bewertungen nach sich zieht. Bei der DCF-Methode wird zudem oft mit zu tiefen Kapitalkosten kalkuliert, was ebenfalls zu einem überhöhten Unternehmenswert führt.

Paul Monn: Die Plausibilisierung beziehungsweise Interpretation der rudimentären Zahlen bei kleineren Unternehmen ist immer wieder fehlerhaft. Es ist deshalb enorm wichtig, dass man diese Zahlen vor einer Bewertung versteht.

 

Mit welchen Konsequenzen?

Alexander Cassani: Die Bewertung wird fehlerhaft und daher nicht brauchbar. Es werden falsche Erwartungen kreiert, was sich meistens als Bumerang erweist. Denn unrealistisch hohe Preiserwartungen schrecken potenzielle Käufer ab. Für den Verkäufer sind dies in der Regel verpasste Chancen.

Paul Monn: Zu hohe Wertvorstellungen enden oft in einem langen und unbefriedigenden Verkaufsprozess, egal ob innerhalb der Familie oder extern. Die Wahrscheinlichkeit, dass man letztlich scheitert, ist recht hoch.

 

Wie verlässlich sind Self- bzw. Quick-Checks?

Alexander Cassani: Die Plausibilisierung des kalkulierten Unternehmenswerts mittels des sogenannten Multiplikatorverfahrens ist recht zuverlässig. Dabei werden konkrete Unternehmenswerte wie Umsatz, EBITDA oder Reingewinn mit einem je nach Branche standardisierten Schlüssel multipliziert, was zu einem mehr oder weniger identischen Wert wie bei der gewählten Methode führen sollte. Wichtig ist natürlich, dass man mit den richtigen Multiplikatoren kalkuliert.

Paul Monn: Grundsätzlich bezieht sich die Frage immer auf die Ausgangslage. Bei kleineren Unternehmen liegen die Zahlen nach OR vor und sind somit wenig standardisiert. Quick-Checks können hier ein völlig falsches Bild zeigen. Das ergibt bei kleineren Unternehmen eher eine zu tiefe Bewertung. Deshalb sollten Zeit und Erfahrung für eine seriöse Bewertung eingesetzt werden.

 

Welches ist das wichtigste Argument für eine externe Unternehmensbewertung bzw. eine Bewertung durch einen Experten?

Alexander Cassani: Externe Spezialisten stellen den Marktwert eines Unternehmens nach objektiven Kriterien fest, wohingegen der Eigentümer meistens mit einer subjektiv verzerrten Sichtweise an dieses Thema herangeht. Planung und Potenzial eines Unternehmens müssen für eine realistische Bewertung kritisch überprüft werden. Ausserdem können externe Spezialisten wertvolle Unterstützung bei der optimalen Positionierung des Unternehmens leisten, was die Kaufpreisdiskussionen automatisch erleichtert und objektiviert.

Paul Monn: Sie ist ein erster wichtiger Schritt im Findungsprozess für den Verkäufer, unabhängig davon, ob die Nachfolge intern oder extern erfolgt. Bei Familienlösungen bietet die Bewertung Sicherheit im Umgang mit potenziellen Erbteilungen respektive im Falle von Pflichtteilverletzungen. Bei Verkäufen hilft eine Bewertung, die Preisvorstellungen realistisch anzugehen beziehungsweise die Emotionen dahingehend zu steuern. Oft sind die Wertvorstellungen höher als die Bewertung respektive der finale Marktpreis.

Paul Monn, CEO Business Broker AG
Paul Monn, CEO Business Broker AG

Paul Monn verfügt über jahrelange Expertise im Bereich Nachfolgeregelungen und widmet sich dem Thema KMU mit viel Herzblut, Passion und Erfahrung. Während über 20 Jahren war er in verschiedenen Funktionen bei einer Schweizer Grossbank tätig. Paul Monn besitzt einen MBA der University of Rochester und je einen CAS in Insurance Broking sowie M&A and Corporate Law. Gemeinsam mit dem erfahrenen Team der Business Broker AG berät und begleitet er KMU-Inhaber im Bereich Unternehmensbewertung sowie beim strukturierten und professionellen Verkauf ihres Unternehmens. 

Alexander Cassani
Alexander Cassani, Leiter Corporate Finance Raiffeisen

Alexander Cassani ist Jurist / Rechtsanwalt und arbeitete nach seinem Studium zunächst als Investmenbanker bei einer Schweizer Grossbank, davon sieben Jahre in London. In dieser Funktion leitete er internationale M&A-Transaktionen sowie Börsengänge und Kapitalmarktfinanzierungen von Schweizer Firmenkunden. Auf seinem Werdegang eignete er sich unter anderem auch Kompetenzen in Bereichen wie Unternehmensbewertungen, Kapitalmarktberatung oder Restrukturierungen an. Als Co-Head des Raiffeisen Corporate Finance Teams und Mitglied des Verwaltungsrats der Business Broker AG setzt Alexander Cassani sein breites Knowhow heute zugunsten der Raiffeisen-Firmenkunden ein.