Interviews & Erfahrungsberichte zum Thema Unternehmensnachfolge

Erfolgreiche Nachfolge in Familienunternehmen

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Ein Familienunternehmen erfolgreich führen ist die eine, die Zukunft zu sichern und es an die nächste Generation zu übergeben die andere grosse Herausforderung, die Unternehmerinnen und Unternehmer zu meistern haben. Vier Familien gewähren Einblick und zeigen uns, wie sie diese Herausforderung angepackt haben.

 

Familie Baumgartner, Kaffeerösterei, St.Gallen

Die 1799 in St.Gallen gegründete Kaffeerösterei Baumgartner erhält erstmals eine Chefin: Kathrin Baumgartner, 42, tritt die Nachfolge ihres Vaters Christoph an, der das Unternehmen 42 Jahre lang geführt hat. Dafür hat sie ihren geliebten Teamleiterjob in einem Fünfsternehotel aufgegeben. 

Christoph Baumgartner
Christoph Baumgartner

Sie tat es beherzt, im wahrsten Sinne des Wortes: Als der Vater, 70, von Kaufinteressenten erzählte, wurde ihr schlagartig klar: «Das Unternehmen soll in der Familie bleiben.» Sie ist seit September verantwortlich für die neun Mitarbeiter und einen Lernenden. «Gemeinsam werden wir das Geschäft führen und weiterentwickeln», sagt sie und fügt an, «damit die Tradition weiter besteht.»

Meinrad Perler, Agriloro, Genesterio TI

Meinrad Perler, 80, Ex-Banker, hat 1981 das Tessiner Weingut «Tenimento dell'Or» gekauft und widmet sich seither dem Weinbau. Erst hat er nur seine Trauben verkauft, 1994 dann den ersten eigenen Wein gekeltert. Ein Volltreffer, der Tropfen wurde ausgezeichnet und Perler in der Szene schlagartig bekannt. 

Meinrad Perler vor den Weinfässern
Meinrad Perler

Heute besitzt Perler zwei Weingüter, aus den vormals sechs Hektaren sind 21 geworden, aus den 12'000 Flaschen des ersten Jahrgangs 200'000 pro Jahr. Perler beschäftigt 17 Mitarbeiter, darunter zwei Önologen. Agriloro ist sein Lebenswerk. Um dessen Zukunft zu sichern, steigt sein Sohn, 48, selbstständiger Treuhänder, demnächst ein und erhält das Sagen, «sobald er mir bewiesen hat, dass er das Geschäft verstanden hat».

Jean-Claude Bazzan, AB Technique, Neuenburg

1994 hat Jean-Claude Bazzan mit einem Geschäftspartner AB Technique gegründet, Spezialistin für die Fabrikation und den Verkauf höchstpräziser mechanischer Komponenten. Letztes Jahr wollte sich sein Compagnon altershalber aus dem Unternehmen zurückziehen. 

Maschine zur Herstellung von höchstpräzisen mechanischen Komponenten
Jean-Claude Bazzan

Bazzan, 51, hatte die Wahl, ebenfalls auszusteigen und das Unternehmen zu verkaufen oder sich auf einen neuen Partner einzulassen oder aber allein weiterzumachen. Er hat sich für Letzteres entschieden. Das Unternehmen mit sechs Mitarbeitern, darunter Ehefrau und Sohn, gehört nun ganz ihm – kreditfinanziert. «Ich bin jetzt zwar verschuldet, kann aber nun auch alles selber bestimmen», sagt Bazzan.

Claudio Luzi, Bauer in Juf

In Juf, mit 2'126 Metern über Meer das höchstgelegene Dorf Europas, pflegt Claudio Luzi (rechts) seit 40 Jahren das Erbe seiner Vorväter: 24 Hektaren Wiesen, eine Alp. Ihm gehören 26 Kühe und 30 Schafe. Er lebt vom Verkauf von Butter, Milch, Rahm, Fleisch – und Direktzahlungen, «ohne ginge es nicht». 

Familie Luzi vor dem Bauernhof
Familie Luzi

Nächstes Jahr wird er den Hof an seine Nichte Janine Hasler und deren Ehemann überschreiben. Nicht weil er, 60, müde ist, sondern weil der Bund Newcomern im Alter bis maximal 35 Jahren ein Startkapital bezahlt und die Jungen das Geld brauchen, um das eine oder andere nach ihrem Gutdünken umzugestalten. Traurig? «Oh, nein, ich bin froh, dass alles in der Familie bleibt», sagt Claudio Luzi, «sonst hätte ich ja ein Leben lang gearbeitet für nichts.»