Unternehmen richtig verkaufen

Erfolgreiche Nachfolge bei Stewi AG

Drucken

Niemand sagt in der Schweiz «Wäscheschirm» – Stewi nennt man hierzulande die Haushalthilfe. Das Produkt der Stewi AG hat den Namen geprägt, der Brand ist Swissness vom Feinsten. Doch der Geist des einst so innovativen Produktes ging über die Jahrzehnte verloren.

Seit Februar 2017 hat die Stewi AG in Winterthur neue Besitzer. Das Ziel der beiden Unternehmer: dem etwas verstaubten Betrieb eine Verjüngungskur verpassen.

Draussen anonyme Industriegebäude, da der Aldi, dort die Autowaschanlage. Drinnen – im Firmensitz der Stewi AG – wähnt man sich in den tiefsten 70ern. An der Wand hängt die Stempeluhr, eine mechanische Anzeigetafel gibt das Datum an, auf dem Boden ein brauner Spannteppich, gläserne Wändchen trennen die Pulte und in der Halle daneben spuckt eine Maschine von 1968 weisse Plastikteile aus. 

Die Nachfolger Lorenz M. Fäh und Co-Besitzer Stefan R. Ebnöther
Die Nachfolger: Lorenz M. Fäh (rechts) und Co-Besitzer Stefan R. Ebnöther

Die Stewi AG ist herrlich verstaubt. Und genau dies hat die neuen Besitzer gereizt: «Wir haben etwas gesucht, wo wir uns austoben können, wo wir etwas bewirken können», sagt Lorenz M. Fäh. Und Co-Besitzer Stefan R. Ebnöther findet: «Es ist eine Zeitreise. Aber eine unglaublich spannende!»

Schweizer Qualität – praktisch unzerstörbar

Wir sitzen im einstigen Chefbüro von Walter Steiner. Dieser hatte die Stewi – der Name steht für STEiner WInterthur – 1947 als junger Mann gegründet. Sein erster Wäscheschirm bestand aus Holz und Hanfseilen, erst die Version aus Alu mit Plastikseilen wurde zum Kassenschlager. 1962 erfand er den Indoor-Wäscheständer. Bald hatte jede Schweizer Hausfrau einen Stewi daheim. Das Problem: Das Produkt war Schweizer Qualität vom Besten – praktisch unzerstörbar. Wie kommt man an neue Kunden, wenn das Produkt für die Ewigkeit hält? Und so ging‘s mit der innovativen Stewi über die Jahrzehnte langsam bergab.

Vertreter der Erbengemeinschaft Rolf Steiner
Rolf Steiner

Von den einst 120 Mitarbeitern waren zuletzt nur noch 21 beschäftigt. Die Stewi schrieb zwar immer noch Gewinn, «aber immer weniger», wie Rolf Steiner sagt. Der 63-Jährige hat sich zu uns gesellt und vertritt die Erbengemeinschaft, die aus den fünf Kindern von Walter Steiner besteht. Darunter ist auch Walter A. Steiner, der den Betrieb seit dem Tod des Patrons im Jahr 2009 geführt hat. Für Rolf Steiner war klar: «Wenn wir der Stewi AG eine Zukunft ermöglichen wollen, müssen wir verkaufen.»

Der Übergabeprozess war langwierig und intensiv, denn die Erben hatten verschiedene Interessen. Martin Jeker, erfahrener Firmenkundenberater von Raiffeisen, hat die Transaktion begleitet: «Es war eine der anspruchsvollsten Transaktionen, die ich bis jetzt begleitet habe – aber schliesslich auch eine der erfolgreichsten.» Die beiden Übernehmer Ebnöther und Fäh geben zu: «Es gab Momente, in denen wir ans Aufhören dachten. Man braucht schon Durchhaltevermögen bei so einer Übernahme.» Heute sind sich alle am Tisch einig: Zum Glück hat es geklappt! Rolf Steiner ist begeistert von seinen Nachfolgern, während die Augen von Ebnöther und Fäh leuchten, wenn sie von ihren Plänen sprechen.

 

Jeden Tag ein besseres Gefühl

Wie sind sie gestartet? «Wie immer: um 7 Uhr morgens», sagt Fäh und lacht. Den Gewinn in der Schweiz konnten sie in den ersten Monaten ihrer Tätigkeit stabilisieren. Bereits sind sie dabei, im Ausland zu wachsen. Sie sprechen mit Fachhochschulen über moderne Technologien, investieren in neue Modelle, passen die älteren an. «Wir müssen wieder beweisen, dass Stewi innovativ ist», sagt Ebnöther. Er will das Sortiment den neuen Haushaltsformen – namentlich Single-Haushalte – anpassen.

Bereits hat er den Stewi «Combi Mini» kreiert, der in jede Badewanne passt. Am Produktionsstandort Winterthur halten die neuen Besitzer fest, «aber wir wollen mehr zur Manufaktur werden.» Der frische Wind zeigt Früchte: Die Stewi AG stellt wieder neue Mitarbeiter ein. «Wir bekommen jeden Tag ein besseres Gefühl», sagt Ebnöther.

 

vorheriges
  • Wäscheständer im Lager
    Das Traditionsunternehmen Stewi produziert seit 1947 Wäscheständer.
  • Ein Stewi-Mitarbeiter setzt die Einzelteile eines Wäscheschirms zusammen.
    Viel ist noch Handarbeit, produziert wird nach wie vor in Winterthur.
  • Einzelteile der Stewi-Wäscheständer
    Der Turnaround steht bevor: Lorenz Fäh und Stefan Ebnöther wollen das Unternehmen zu altem Glanz führen.
nächstes

    Die neuen Unternehmer führen uns durch den Betrieb, stellen Mitarbeiter vor, die seit 37 Jahren hier arbeiten, sie erklären die Kunststoffmischerei und dass ein Stewi-Wäscheschirm aus 193 Einzelteilen besteht. Im Untergeschoss befinden sich die Eisenwaren und das Lager. Hier, in grossen Holzschachteln, lagern die alten Spritzgussformen. «Eine wahre Goldgrube», schwärmt Ebnöther. Wer weiss, vielleicht kommt bald wieder der erfolgreiche Party-Jack – eine Mischung aus Dosenöffner und Korkenzieher – auf den Markt? «Alles ist möglich», sagt Ebnöther und lacht.