Interviews & Erfahrungsberichte zum Thema Unternehmensnachfolge

Gelungene Unternehmensnachfolge bei Yerly Mécanique SA

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Nach über 30 Jahren hat Unternehmer Michel Yerly seine Firma – Yerly Mécanique SA – an den Ingenieur Dominique Girardin und den Betriebswirt Stéphane Rüegg übergeben. Die Raiffeisenbank Ajoie hat den Prozess begleitet.

«Als Unternehmer wird einem immer wieder gesagt, man solle die Nachfolgeregelung früh angehen. Diesen Rat habe ich mir zu Herzen genommen», sagt Michel Yerly am Sitzungstisch im Chefbüro seiner Yerly Mécanique SA in Delémont. Die Firma ist in einem unscheinbaren weissen Bau untergebracht. Ein paar Strassenzüge weiter franst die Industriezone in die jurassische Weite aus. «Als ich mich entschloss zu verkaufen, stellte ich mir zwei Bedingungen», sagt Yerly. «Die Firma sollte in Delémont bleiben und die Mitarbeiter müssen übernommen werden.»

Unternehmer Michel Yerly
Michel Yerly

Sein zwölfköpfiges Team und er stellen ein ausgeklügeltes Spannsystem für Fertigungsmaschinen her. Zu den Kunden zählen Mikromechanik- und Medizinaltechnik-Firmen sowie die Uhrenindustrie. «Die Wirtschaftsförderung des Kantons Jura unterstützt die Nachfolgeregelung hiesiger Firmen. Die Beamten haben mich auf den 'Nachfolge-Check' der Raiffeisen aufmerksam gemacht», sagt Yerly und nippt an seinem Kaffee.

Die Männer mögen sich

Am Sitzungstisch sind neben Yerly auch Didier Nicoulin, der Bankleiter der Raiffeisenbank Ajoie, sowie Stéphane Rüegg und Dominique Girardin, die neuen Firmeninhaber. Die Stimmung ist ausgelassen, die Männer mögen sich – keine Selbstverständlichkeit nach einem Übernahmeprozess.

Die Nachfolger Dominique Girardin und Stéphane Rüegg
Dominique Girardin und Stéphane Rüegg

Nicoulin spricht aus Erfahrung: «Schwierigkeiten gibt es selbst dann, wenn alles vorhanden ist, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.» Im Falle der Firma Yerly habe von Anfang an vieles gestimmt: Der gute Zustand des Unternehmens, der sorgfältige Businessplan der Bewerber, die Ernsthaftigkeit aller Beteiligten. «Das Vorhaben war gut durchdacht, auch auf der emotionalen Ebene spürten wir: Das Projekt ist reif.»

Eine Berg- und Talfahrt

«Und dann ging's los», lacht Stéphane Rüegg. Die Monate zwischen der Kaufabsicht und dem Kaufabschluss seien eine Berg- und Talfahrt gewesen. Nebst den finanziellen Fragen hätten vor allem administrative und rechtliche Aspekte den Prozess erschwert. «Das Team von Didier Nicoulin konnte uns aber immer weiterhelfen. Manchmal ganz konkret, manchmal auch nur, indem sie uns einfach – dank ihrer Erfahrung – sagen konnten, dass das dazugehört.»

 

Sechs Monate Seite an Seite

Aus dieser Erfahrung heraus formulierte Didier Nicoulin auch seine Bedingung für die Finanzierung des Projekts: Der ehemalige Besitzer müsse die neuen Inhaber mindestens sechs Monate lang begleiten. «Ein wertvoller Ratschlag», sind sich alle einig. Die neuen Chefs profitieren nicht nur vom Wissen Yerlys: Mit seiner kooperativen Art legt er ihnen auch einen roten Teppich zu den Kunden und zeigt den Mitarbeitern, dass er den neuen Firmeninhabern vertraut.

 

«Je länger ich sie kenne, desto besser schlafe ich»

Die Einarbeitung ist in vollem Gang. Rüegg und Girardin werden vieles so machen wie Yerly. «Aber», sagt Girardin, «wir sind jetzt zu zweit in der Geschäftsleitung. Wir haben mehr Ressourcen und wollen neue Märkte erschliessen.» Yerly findet das gut. Sowieso findet er vieles gut, was die beiden machen: «Je länger ich sie kenne, desto besser schlafe ich», lacht er.

Team der Yerly Mécanique SA in der Produktionshalle

Team der Yerly Mécanique SA