Der SARON löst den CHF-Libor ab! Was bedeutet das für Unternehmen?

«SARON-Produkte haben positiven Anklang gefunden»

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Kredit- und Hypothekarprodukte, die auf dem Libor basieren, haben eine eingeschränkte Laufzeit bis Ende 2021. Ein Nachfolger ist schon erkoren. In der Schweiz wird der SARON (Swiss Average Rate Overnight) den Libor als Referenzzinssatz ablösen. Raiffeisen hat bereits zwei SARON-Produkte für Firmenkunden im Angebot. Im Interview beantwortet Daniel Hollenstein, Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz, Fragen zu den neuen Produkten und den ersten Erfahrungen damit.

 

Daniel Hollenstein, Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Daniel Hollenstein, Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Seit Mitte April bietet Raiffeisen bei Geldmarkthypotheken, die neu abgeschlossen oder verlängert werden, nur noch SARON Flex-Hypotheken statt der bisherigen Libor-Hypotheken an. Für Firmenkunden bleiben Libor-Kredite – mit Laufzeit bis Ende 2021 – weiterhin verfügbar. 

 

Raiffeisen bietet neu SARON-Produkte für Firmenkunden an. Welche Vorteile bieten diese?

Daniel Hollenstein: Der wesentliche Vorteil von SARON-Finanzierungen ist die Relevanz zum Geldmarkt. Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren in einem sinkenden Zinsumfeld entsprechend von tiefen Zinsen, dies entspricht der aktuellen Marktlage. Die Berechnung des SARON basiert auf tatsächlichen Transaktionen und verbindlichen Preisstellungen im Schweizer Repomarkt, der liquid, stark reguliert und von hoher Integrität ist. Der Libor dagegen beruht auf blossen Schätzungen des Referenzzinssatzes durch ein paar wenige Banken, weshalb er beeinflusst werden kann und den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt.

 

Die Vorteile bestehen somit in der Berechnungsmethodik, welche öffentlich einsehbar und transparent ist?

D.H.: Korrekt. Denn Transaktionen, die ein gewisses Handelsvolumen unterschreiten oder zu stark von den anderen Abschlüssen abweichen, werden nicht zur Berechnung herangezogen. Deshalb ist der SARON-Referenzzins, im Gegensatz zum Libor, in Zeiten erhöhter Marktunsicherheit widerstandsfähiger.  

 

Für welche Firmen eignet sich der SARON-Kredit? 

D.H.: Der SARON Flex-Kredit eignet sich für Unternehmerinnen und Unternehmer, welche die Referenz des Geldmarktes einzuschätzen wissen und bereit sind, grundsätzlich das Risiko einer täglichen Zinsanpassung zu tragen. Sie wollen in einem sinkenden Zinsumfeld von tiefen Zinsen profitieren. Sie wissen aber im Falle eines sich nach oben bewegenden Zinsumfeldes sich abzusichern. Oder sie haben dies im Vorfeld bereits in ihren Planungen mitberücksichtigt. 

 

Kann wie beim Libor einmalig in eine andere Finanzierungslösung gewechselt werden?

D.H.: Ja. Bei Abschluss eines überjährigen SARON-Kredites bieten wir Unternehmerinnen und Unternehmern die Möglichkeit, bei überjährigen Laufzeiten einmalig in eine andere von der Bank angebotene Finanzierungslösung zu wechseln. Dabei muss mindestens die Restlaufzeit des ursprünglichen Kredits eingehalten werden.

 

Wem empfehlen Sie einen SARON-Kredit eher nicht?

D.H.: Unternehmerinnen und Unternehmer, welche Zinszahlungsströme bereits im Voraus fix in ihren Planungen berücksichtigen und das Zinsänderungsrisiko nicht tragen wollen, sind mit einem Festzinskredit besser bedient. Noch wichtiger erscheint mir, im Beratungsgespräch herauszuschälen, welches Bedürfnis die Unternehmerin bzw. der Unternehmer mit der Finanzierungslösung befriedigen wollen. Ziel muss es sein, gemeinsam das geeignete Produkt zu definieren. 

 

Welche Vorhaben können Firmen mit einem SARON-Kredit finanzieren? 

D.H.: Beim SARON Flex-Kredit handelt es sich um einen kurz- bis mittelfristigen Kredit. Er eignet sich beispielsweise zur Finanzierung von Produktentwicklungsphasen, in welcher Unternehmen kurz- bis mittelfristig Liquidität benötigen oder mittelfristig Anschaffungen tätigen wollen. 

 

Wie unterscheidet sich der SARON- vom bisherigen Libor-Kredit? 

D.H.: Der Libor Flex-Kredit basiert auf dem Geldmarkt Referenzzinssatz Libor, der SARON Flex-Kredit (wie es der Name schon verrät) auf dem Referenzzinssatz SARON. Letzterer basiert auf tatsächlichen Repo-Transaktionen am Schweizer Geldmarkt. Er widerspiegelt den tatsächlichen Markt und basiert somit nicht wie der Libor auf Schätzungen. Ferner enthält der Libor im Gegensatz zum SARON eine Risikokomponente – wir sprechen von einem Credit Spread – in der Preisstellung.

 

Der SARON ist ein Tagesgeldsatz. Welche Folgen hat dies für den SARON Flex-Kredit?

D.H.: Beim SARON Flex-Kredit gibt es keine Zinsbindung mehr. Der von der SIX berechnete SARON-Zinssatz wird täglich fixiert, während der Zinsperiode aufgezinst und dem Kunden in Rechnung gestellt wird. Somit entfällt die Zinsbindung wie bisher beim Libor während einer Periode von 1, 3, oder 6 Monaten. Diese Aufzinsungsmethodik wurde nicht etwa von der Raiffeisen willkürlich gewählt, sondern sie entspricht den Empfehlungen der Nationalen Arbeitsgruppe (NAG) für Referenzzinssätze. 

 

Was bleibt sich gleich?

D.H.: Eine Gemeinsamkeit von Libor- wie SARON-Kredit bildet der in der Preisstellung berücksichtigte Zuschlag, welcher die Aufwendungen und die Marge seitens Bank beinhaltet. 

 

Was gilt es beim Wechsel vom Libor- auf SARON-Kredit zu beachten? 

D.H.: Es gibt keine Zinsperioden mehr, in welchen der Zins im Voraus bekannt gegeben werden kann. Das heisst, der zu leistende Zins kann erst am Ende der Zinsperiode errechnet und bekannt gegeben werden. Bei Zinsschwankungen während der Laufzeit trägt der Kunde somit das Zinsrisiko nicht mehr periodisch (während 1, 3, 6 oder 12 Monaten), sondern täglich.  

 

Sie bieten neu auch eine SARON-Hypothek an. Welche Vorteile hat diese? 

D.H.: Die Vorteile sind dieselben wie beim SARON Flex-Kredit eingangs erwähnt. Bei der SARON-Hypothek haben Unternehmerinnen und Unternehmer zudem die Möglichkeit, in eigenem Ermessen jederzeit – und nicht erst auf Ende einer Zinsperiode – unter Einhaltung der Restlaufzeit in ein anderes Hypothekarmodell zu wechseln. Dieses Produkt dürfte v.a. für KMU interessant sein.

 

Werden die SARON-Angebote der Schweizer Banken dieselben Strukturen und Konditionen haben? 

D.H.: Über unsere Mitbewerber kann ich keine Aussage machen. Was den SARON betrifft und die anzuwendende Methodik bei der Bestimmung des Zinses ist Raiffeisen den Empfehlungen der Nationalen Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze gefolgt. Auch unsere Mitbewerber werden ihre Produkte im Rahmen dieser Empfehlungen ausgestalten. 

 

Wie haben die Unternehmerinnen und Unternehmer auf das neue SARON-Angebot reagiert?

D.H.: Die beiden Produkte haben im Markt einen sehr positiven Anklang gefunden. Wir haben auf der Privat- wie auch auf der Firmenkundenseite ein Bedürfnis zu verzeichnen. So wurden in knapp drei Wochen bereits mehr als 1000 SARON Finanzierungen abgeschlossen. Unternehmerinnen und Unternehmer sind somit weiterhin bereit, Finanzierungen auf Basis des Geldmarktreferenzzinssatzes, abzuschliessen, jetzt neu auf Basis des SARON. 

 

Wie lange kann ich das bestehende Libor-Produkt noch nutzen? 

D.H.: Libor-Finanzierungen mit Laufzeiten über das Jahr 2021 hinaus müssen bis zum Wegfall des Libor-Zinssatzes bis spätestens Ende 2021 in ein alternatives Produkt, wie beispielsweise in eine SARON-Finanzierung, überführt werden.

 

Sind bei der Abwicklung der ersten SARON-Kredit-Verträge Fragen oder Unklarheiten aufgetaucht?

D.H.: Eine häufig gestellte Frage betraf die Methodik des SARON-Kredites, bei welcher die täglich anfallenden Zinsen aufgezinst und am Zinstermin in Rechnung gestellt werden. Dies hat aber vielmehr mit der Funktionalität des neuen Produktes zu tun und weniger mit Unklarheiten. Wichtig ist, unsere Kunden bei der Ablösung bestehender Libor-Produkte zu unterstützen. Viele Kunden sind daran interessiert, laufende Libor-Finanzierungen bereits heute in SARON-Finanzierungen umzuwandeln.

Daniel Hollenstein, Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

«Die beiden Produkte haben im Markt einen sehr positiven Anklang gefunden.» 

Daniel Hollenstein, Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz