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«ISO 20022 ist der erste Schritt zur digitalen Erschliessung des Zahlungsverkehrs für KMU»

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Die Automatisierung betrifft und beschäftigt Schweizer Unternehmen im hohen Masse, wie die Erhebung «KMU Spiegel 2017» nachweist.

Die bevorstehende Umstellung des Zahlungsverkehrs ist für das Gewerbe eines der gewichtigsten Digitalisierungsprojekte überhaupt, wie Michael Mäder, Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz, nachfolgend erklärt.

 

Im Rahmen des «KMU Spiegel 2017» wurden Schweizer KMU zu ihrem Verhältnis zur Digitalisierung befragt. 72 % der befragten Firmen gaben an, zurzeit an mindestens einem digitalen Projekt dran zu sein. Finden Sie diese Quote hoch?

Ich finde diese Quote sehr erfreulich. Es zeigt, wie wichtig die KMU dieses Thema einstufen. Die Frage stellt sich jedoch, was sie unter Digitalisierung verstehen. Nehmen wir zum Beispiel den Versand einer Rechnung via E-Mail. Dieser erfolgt zwar elektronisch. Damit ist jedoch der komplette Prozess, nämlich Rechnungsstellung, Bezahlung und Verbuchung, noch nicht digitalisiert.

 

Am 30. Juni 2018 ist der Stichtag zur Umstellung des Zahlungsverkehrs auf den internationalen Standard nach ISO 20022. Auch ein digitales Projekt?

ISO 20022 ermöglicht, viel mehr Informationen zu transportieren. In Kombination mit der neuen QR-Rechnung und dem neuen Verfahren für Lastschrift und E-Rechnung bilden diese drei Initiativen die Basis für einen Zahlungsverkehr ohne Medienbrüche. Die Einführung von ISO 20022 ist der erste wichtige Schritt zur digitalen Erschliessung des Zahlungsverkehrs für KMU.

 

In erster Linie assoziieren Firmen gemäss dem «KMU-Spiegel» die Digitalisierung mit Begriffen wie «papierloses Büro», «Effizienzsteigerung» oder «bessere Kundenbindung». Alles Vorteile, die auch die ZV-Umstellung mit sich bringt?

Definitiv. Die ZV-Umstellung adressiert alle drei genannten Aspekte. Die konsequente Nutzung der IBAN verhindert zum Beispiel Fehler. Und mit ISO 20022 wird auch die grosse Anzahl an unterschiedlichen Verfahren und Formaten reduziert. Beides wirkt sich klar effizienzsteigernd aus. Mit der neuen E-Rechnung wird es noch einfacher und damit auch bequemer, Rechnungen papierlos zu stellen beziehungsweise zu bezahlen.

 

Auch denken die befragten KMU im Zusammenhang mit der Digitalisierung vor allem an die Einführung mobiler Zahlungssysteme wie TWINT. Inwiefern hat Mobile Payment mit ISO 20022 zu tun?

ISO 20022 standardisiert den Datenaustausch und die entsprechenden Datenformate für Überweisungen. TWINT ist eine mobile Bezahlmöglichkeit, welche im Hintergrund kontobasierende Zahlungen auf Basis von ISO 20022 ausführt.

 

Die Umstellung des Zahlungsverkehrs wird als dreistufiges Projekt beschrieben. Wie stark hängen die einzelnen Stufen mit der Digitalisierung zusammen?

Jeder dieser Schritte, also ISO 20022, die QR-Rechnung und das kombinierte Verfahren von E-Rechnung und Lastschriften, baut auf den vorherigen auf und ist ein wichtiger Bestandteil für die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs in der Wertschöpfungskette eines KMU.

 

Würden Sie die ZV-Umstellung allenfalls sogar als das Projekt der Gegenwart bezeichnen, welches KMU den grössten digitalen Mehrwert bietet?

Der Zahlungsverkehr und die Liquidität sind die Lebensader jedes Unternehmens. Wenn mit den Neuerungen im Zusammenhang von «Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz» dem KMU die Arbeitsabläufe optimiert, sicher und nachhaltig gestaltet werden können, bin ich sicher, dass der digitale Mehrwert gross ist.

Michael Mäder, Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz
Michael Mäder, Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Als Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden leitet Michael Mäder ein Team von Spezialisten für die Beratung und Begleitung von Firmenkunden in der ganzen Schweiz rund um die Themen Liquidität und Zahlungsverkehr. Er ist seit über 10 Jahren im Umfeld der elektronischen Kanäle und Zahlungsverkehr von Raiffeisen tätig und bringt aus seiner Vergangenheit viel Wissen aus IT und Internet sowie Kundenbetreuung und -akquirierung mit.