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Warum Sie auf ISO 20022 umstellen sollten – Unser Experte klärt auf

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Die Schweiz stellt per 1. Juli 2018 ihren Zahlungsverkehr um. Nach wie vor haben viele Firmenkunden das Projekt noch nicht in Angriff genommen. Es wäre jedoch höchste Zeit, wie Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden, im Interview eindringlich erklärt.

Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Daniel Hollenstein im Interview 

Herr Hollenstein, am 30. Juni 2018 ist «Deadline» für die Umstellung des Zahlungsverkehrs. Was wird anders?

Der Zahlungsverkehr wird in erster Linie einfacher. Die heutige Vielfalt an verschiedenen Einzahlungsscheinen, Verfahren und Formaten wird reduziert. Zahlungsverkehrsprozesse können noch mehr automatisiert werden. Zudem wird der Bezahler bei Bedarf über den Status seiner Zahlung informiert.

 

Warum stellt die Schweiz überhaupt um?

Unser Zahlungsverkehr ist nicht mehr auf dem neuesten Stand und er erfüllt die zukünftigen technischen wie auch regulatorischen Vorgaben nicht mehr. Das gilt insbesondere im wichtigen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr.

 

Was bringt die Umstellung den KMU?

Der Geldfluss wird schneller und der Aufwand wird auf verschiedenen Ebenen reduziert. Neu braucht beispielsweise niemand mehr spezielle Rechnungsformulare mit perforiertem Einzahlungsschein. Die neuen QR-Rechnungen können auf ganz gewöhnliches Papier gedruckt werden.

 

Wie viele Firmenkunden betreut Raiffeisen Schweiz und wie viele davon sind von der Umstellung effektiv betroffen?

Raiffeisen darf über 160'000 Firmenkunden betreuen. Davon nutzt rund ein Drittel eine Software, um Zahlungen zu erstellen und zu übermitteln. All diese Unternehmen, also um die 50‘000, sind von der Umstellung betroffen und profitieren anschliessend von den Vorteilen, die ISO 20022 bringt.

 

Und wie viele dieser rund 50'000 Firmenkunden haben die Umstellung schon vollzogen?

Aktuell stellen wir fest, dass erst 10 Prozent der betroffenen Unternehmen ihre Zahlungen bereits mit dem neuen Zahlungsformat einreichen.

 

Viele sind dies noch nicht.

Ein Unternehmer plant und budgetiert in der Regel. Wir wissen, dass einige Unternehmen die Umstellung auf das erste Quartal 2018 eingeplant haben. Wir wissen aber auch, dass einige Unternehmen noch nicht aktiv geworden sind.

 

Was können Sie dagegen tun?

Weiterhin kommunizieren und die Unternehmen bei Bedarf begleiten und unterstützen.

 

Hand aufs Herz. Wie gross sind Ihre Sorgen in Anbetracht der noch sehr geringen Umstellungsquote?

Wie gesagt, wir rechnen damit, dass viele Unternehmen die Umstellung bereits geplant haben. Sorgen bereiten uns diejenigen Unternehmen, die noch nicht gestartet sind. Sie könnten in die Situation geraten, dass ihnen die Zeit für die Durchführung von ausreichenden Tests vor dem «Go-Live» fehlt. Die Erfahrung zeigt, dass die Behebung von Fehlern oft sehr zeitintensiv ist, was die Unternehmen über Tage blockieren könnte. Kurz: Diese Unternehmen riskieren, dass ihr Zahlungsverkehr nicht mehr funktioniert.

 

Kennen Sie die Gründe, weshalb Firmenkunden die ZV-Umstellung teilweise hinauszögern?

Die Umstellung bindet, je nach Umfang, Ressourcen in Form von Zeit und Geld. Zum Teil haben wir auch den Eindruck, dass einige Unternehmen die Umstellung schlicht unterschätzen.

 

Wie beurteilen Sie die auch schon gehörte Aussage «Die Umstellung erfolgt erst im Juni. Ich werde es dann machen, wenn mich mein Softwareunternehmen kontaktiert»?

Das ist ein Trugschluss. Wenn alle Kunden bis zum letzten Moment warten, kommen die Softwareunternehmen nicht mehr nach mit den Installationen, es kommt zu Engpässen und in der Folge zu Verspätungen.

 

Also müssten auch die Softwarepartner frühzeitig aktiv werden?

Absolut, sie können es sich genauso wenig leisten, die Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben. Unterstützung erhalten die Softwareanbieter beim Umstellungsprozess auch von Raiffeisen. Wir helfen aktiv um die Bereitschaft zur Umstellung in den Systemen der Softwareanbieter sicherzustellen.

 

Wie lange dauert denn der Umstellungsprozess vom ersten bis zum letzten Schritt?

Die Dauer ist je nach Konstellation und Komplexität der Infrastruktur einer Firma völlig unterschiedlich. Im Durchschnitt ist eine fehlerfreie Umstellung innerhalb von ein bis drei Monaten machbar sein. Dies setzt aber die notwendige Planung voraus.

 

Was droht denn einem Unternehmen, das die Umstellung zum Stichtag nicht vorgenommen hat?

Jedes Finanzinstitut in der Schweiz hat sich verpflichtet, ab dem 1. Juli 2018 nur noch die neuen Zahlungsformate zu verarbeiten. Hat ein Unternehmer also bis dahin sein System nicht angepasst, können keine DTA-Zahlungen (Datenträgeraustausch-Verfahren) mehr verarbeitet werden. Das Unternehmen wäre als Folge gezwungen, seine Zahlungen manuell im E-Banking zu erfassen. Obwohl das Raiffeisen E-Banking effizient zu benutzen ist, wollen wir unseren Firmenkunden diesen Mehraufwand gerne ersparen.

 

Kurzfristig dürfte verspäteten Firmenkunden ein Imageverlust bei Geschäftspartnern und Zulieferanten sicher sein. Gibt es auch negative Langzeitfolgen?

Neben dem Mehraufwand durch die manuelle Erfassung müsste natürlich auch die Buchhaltung im Unternehmen manuell nachgepflegt werden. Ab einem gewissen Volumen ist dies gar nicht mehr zeitgerecht möglich. Dementsprechend hätte dies dann negative Auswirkungen auf die Liquiditätsplanung respektive -steuerung.

 

Umstellen muss man wohl sowieso: Aufgeschoben ist also nicht aufgehoben?

Aufschieben ist keine Option. Zudem profitiert der Unternehmer nach der Umstellung auch gleich von den Vorteilen. Und ein ganz wichtiger Punkt geht vielfach vergessen: Ohne die erfolgreiche Umstellung auf ISO 20022 kann auch die ab 2019 einsetzbare QR-Rechnung  nicht genutzt werden.

 

Bietet denn Raiffeisen für «Spätzünder» spezielle Unterstützung an? Gibt es eine Art «Care-Team» für ZV-Problemfälle?

Raiffeisen hat viel unternommen, um ihre Kunden optimal bei der Umstellung zu unterstützen. Unternehmen, die dennoch vor Problemen stehen, wenden sich am besten an das Firmenkunden Service Center unter der Hotline 0848 847 222. Dieses hilft gerne weiter und bietet bei Bedarf weitere Zahlungsverkehrsspezialisten auf.

 

Wie lautet Ihr persönlicher Tipp an alle Firmenkunden, die die ZV-Umstellung noch nicht angegangen haben?

Gehen Sie das Vorhaben mit der entsprechenden Priorität an, die ein fehlerfreier Zahlungsverkehr verdient. Sprechen Sie so schnell wie möglich mit Ihrem Software-Partner und vereinbaren Sie einen Termin für die Umstellung. Verlangen Sie von Ihrem Softwarepartner den Testnachweis, dass Ihre Software auf der kostenlosen Raiffeisen Firmenkunden Testbank getestet wurde und fehlerfrei funktioniert. Planen Sie die effektive Umstellung auf einen Termin hin, an dem Sie keine kritischen Zahlungen wie z.B. Lohnzahlungen tätigen müssen.

 

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Daniel Hollenstein
Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden

Daniel Hollenstein, Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden

Als Leiter Produkte & Operations Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz ist Daniel Hollenstein (49) auch für den Vertrieb Zahlungsverkehr zuständig. Der studierte Betriebsökonom (HWV) absolvierte diverse Weiterbildungen, unter anderem einen «Master of Advanced Studies in Finance» an der Universität Bern.