Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Tessin vs. Kolumbien – Agroturismus in zwei Welten

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1994 haben Ivan Mattei und seine Familie mit ihrem Agriturismo in Piano di Peccia im Tessin den Schritt von der damals üblichen braunen Kuhrasse zum Schottischen Hochlandrind gewagt. 2008 hat Juan Pablo Echeverri die Kaffeefarm seiner Familie in Kolumbien für Gäste aus aller Welt geöffnet. Er hat es mit seinem Bed & Breakfast bereits in die wichtigen Reiseführer geschafft. Wir haben die beiden Betriebe besucht.

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  • Blick auf das kleine Dorf Piano di Peccia im Maggiatal
    In Piano di Peccia auf einer Hochebene im Maggiatal betreibt Ivan Mattei seinen Hof.
  • Mattei mit Touristen auf dem Bauernhof
    Auf dem Bio-Familienbetrieb können Touristen einen Bauernbetrieb hautnah erleben.
  • Mann füttert Tiere auf dem Hof
    Die ganze Familie muss anpacken, damit der Betrieb funktioniert. Mattei könnte keine marktüblichen Löhne zahlen.
  • Schottisches Hochlandrind
    Mattei hat bereits 1994 den Schritt von der damals üblichen braunen Kuhrasse zum Schottischen Hochlandrind gewagt.
  • Frau sitzt am Tisch und arbeitet
    Die Familie Mattei ist innovativ: sie arbeiten an einer Linie mit Fertigprodukten aus dem Maggiatal.
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    • Juan Pablo Echeverri in seiner Hacienda Venecia
      Juan Pablo Echeverri führt die Hacienda Venecia in vierter Generation.
    • Garten mit Swimmingpool
      Die Gäste können je nach Budget im Hostel, Gästehaus oder in der Familienvilla übernachten.
    • Seitenansicht des Bed & Breakfast
      Das Bed & Breakfast ist eine wichtige Einnahmequelle.
    • Maschine für die Kaffeeröstung
      Geröstet wird der Kaffee auf einer neuen Bühler-Maschine aus der Schweiz.
    • Tour durch die Plantage
      Bei einer Tour durch die Plantage lernt man, wie Kaffee angebaut und verarbeitet wird.
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      Was macht Ihr Agriturismo so speziell?

      Ivan Mattei: Unser Bio-Familienbetrieb befindet sich auf einer idyllischen Hochebene im oberen Maggiatal. Wir halten rund 50 schottische Hochlandrinder und bieten eine passende Unterkunft für jedes Budget, vom Campingplatz bis zur Ferienwohnung.

      Juan Pablo Echeverri: Unsere Gäste sind neugierig auf die Welt und wollen verstehen, wie Kaffee produziert wird. Wir vermieten Zimmer in drei Preisklassen: das Hostel für Backpacker, das Gästehaus für Samsonite-Packer und das Haupthaus für Louis-Vuitton-Packer. 

       

      Ihre grösste Herausforderung?

      I. M.: Wir sind sehr abhängig vom Wetter. Wenn es im Sommer schon warm ist, steigen viele Leute von Locarno zu uns hoch, um die Landschaft zu geniessen. Keine Sonne, keine Touristen. Und natürlich spüren wir die Frankenstärke: Derzeit läuft der Schlafsaal deutlich besser als die Appartements.

      J. P. E.: Als mein Bruder und ich den Betrieb 2002 in vierter Generation übernahmen, befand sich der Kaffeemarkt am Boden. Wir mussten unsere Erträge diversifizieren. Heute machen wir mit dem Kaffee-Business 60 Prozent des Umsatzes, mit der Rösterei und dem Tourismus je 20 Prozent.

       

      Wollen Sie wachsen?

      I. M.: Eigentlich nicht. Wir möchten keine Konkurrenz werden zu den Hotels im Tal. Die Unterkunft ist für uns zweitrangig – Priorität hat die Viehzucht.

      J. P. E.: Mit dem B&B mochte ich nur soweit wachsen, dass sich Profitabilität und Authentizität die Waage halten. In die Rösterei investieren wir: Seit Kurzem rösten wir auf einer neuen Bühler-Maschine aus der Schweiz.

       

      Wie finanzieren Sie Wachstum?

      I. M.: Indem die ganze Familie mitanpackt. Sonst würde ein Betrieb wie unserer nicht funktionieren. Wir können keine marktüblichen Löhne zahlen, die Arbeitstage sind lang, Ferien haben wir ganz selten. Trotzdem liebe ich meinen Job.

      J. P. E.: Für die Renovation der Hacienda haben wir einen Bankkredit aufgenommen. Und ich baue langfristige Partnerschaften mit Direktimporteuren in Japan und der Schweiz auf, um höhere Margen zu erzielen.

       

      Sind Sie innovativ?

      I. M.: Wir haben viele Ideen. Mir schwebt schon lange eine Linie mit Fertigprodukten aus dem Maggiatal vor. Ich meine, viele Leute können nicht mehr kochen oder haben keine Zeit dazu. Doch die Fertigprodukte im Supermarkt stammen allesamt von internationalen Ketten. Warum nicht mal etwas mit Zutaten nur aus dem Maggiatal kreieren?

      J. P. E.: Ich lerne ständig von den Travellers, die mir sagen, welche Erfahrungen sie auf ihrer Reise machen wollen.