Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Doris Martinali: «Im Stall entscheide ich jetzt mit»

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Bergbäuerin Doris Martinali (19 Jahre) teilt sich seit über einem Jahr mit ihrer Mutter die Verantwortung für den Hof und die 21 Original-Braunviehkühe im Tessiner Bleniotal. Sie erzählt uns, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, welche Aspekte ihres Berufs sie am meisten mag und wo sie sich in Zukunft sieht.
 

Warum sich Doris Martinali für den Beruf als Bäuerin entschieden hat

«Ich war schon als Kind immer im Stall. Als Dreijährige verkündete ich meinen Eltern: Ich will Bäuerin werden! Und bin Bäuerin geworden. Ich liebe Kühe, und unsere 21 wunderschönen Original-Braunviehkühe liebe ich ganz besonders. Im Sommer sind sie auf der Alp, im Winter auf unseren Hof in Largario.

Doris Martinali beim Misten
Doris Martinali bei der Arbeit

Meine Lehre zur Landwirtin habe ich im Kanton Zürich gemacht. Ich habe viel gelernt – über die Landwirtschaft, die Tiere, aber auch, wie man einen Betrieb führt. Für mich war klar, dass ich nach meiner Rückkehr ins Tessin mehr Verantwortung auf unserem Hof übernehmen würde. Meine Eltern haben das freudig unterstützt.

Ein typischer Tagesablauf

Ich stehe um 4.45 Uhr auf. Um 5 Uhr bin ich im Stall, melke und füttere die Kühe, mache sauber, gebe den Kälbern Milch und füttere unsere Schafe. Danach liefere ich die Milch ab und bringe die Kühe zum Auslauf. Ich mag diese Arbeiten sehr, aber auch die Arbeit mit den Maschinen. Schwierige Traktor-Manöver sind mir die liebsten! Gegen 7.30 Uhr gibt‘s Frühstück. Danach teilen meine Mutter, mein Vater und ich die anstehenden Arbeiten untereinander auf. Am Wochenende hilft auch noch meine Schwester mit.

Mein Vater ist bereits pensioniert, hilft aber natürlich immer noch mit, worüber ich gerade bei den schweren Arbeiten natürlich sehr froh bin. Den Hof führen seit 2017 meine Mutter und ich miteinander. Ich habe viel dazu gelernt: Etwa, dass der bürokratische Aufwand für eine so kleine Firma enorm ist.

Ich mag die Verantwortung. Gerade im Stall entscheide ich jetzt mit. Welche Kälber verkaufen wir? Auf welcher Weide sollen die Kühe grasen? Gemeinsam haben wir auch entschieden, zwei neue Traktoren zu kaufen, um unsere Arbeit zu erleichtern. Und ich habe dafür gesorgt, dass wir unsere Herde verjüngen.

vorheriges
  • Doris Martinali beim Melken
    Um 5 Uhr ist Doris bereits im Stall
  • Doris und ihr Vater bei der Arbeit
    Der Vater von Doris arbeitet noch immer mit
  • Doris am Traktorfahren
    Schwierige Traktor-Manöver mag Doris am liebsten
  • Landschaft im Tessin
    Den Sommer verbringen die 21 Original-Braunviehkühe auf der Alp
  • Frische Käselaibe
    Der Betrieb produziert auch Käse
  • Käselagerung
    Die Käselaibe werden im Keller gelagert
  • Familie Martinali beim Frühstück
    Frühstück gibt es nach den ersten Arbeitsstunden um 7.30 Uhr
  • Ein Kalb im Stall
    Welche Kälber verkauft werden, entscheidet Doris mit
  • Doris in einem Gespräch im Stall
    Ihren Tagesablauf kann Doris auf sich abstimmen
nächstes

    Meinen Tagesablauf habe ich auf mich abgestimmt: Ich gehe morgens etwas früher in den Stall als mein Vater. Dafür kann ich um 19 Uhr Feierabend machen. Oft bin ich dann so müde, dass ich einschlafe, kaum sitze ich auf dem Sofa. Unser Alltag ist anstrengend, aber sehr befriedigend.
     

    Wo sehe ich mich in fünf Jahren?

    Immer noch hier. Hoffe ich! Die Existenzsicherung ist nicht einfach, bei dem tiefen Milchpreis. Ich wünsche mir, dass die Bergmilch wieder mehr wert bekommt. Den Betrieb erweitern will ich nicht unbedingt: Denn je grösser der Betrieb wird, umso kleiner wird der Bezug zu Natur, Tieren und Land. Ich werde eher versuchen, den Direktverkauf zu fördern. An Ideen mangelt es mir jedenfalls nicht!»


    Autorin: Stephanie Rigutto
    Illustrator: Stephan Bösch