Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Schweizer lieben Kartoffeln – Mexikaner Pico de Gallo

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Sepp Egger und Rafael Vergara arbeiten beide als Gemüsehändler – allerdings in zwei unterschiedlichen Welten mit rund 9'700 Kilometer Entfernung: Während der eine sein Gemüse zwischen dem Bodensee und dem Zürichsee vertreibt, verkauft es der andere auf dem Central de Abosto in Mexico City.

Sepp Egger in seinem Gemüsevertrieb

55 Tonnen Gemüse vertreibt Sepp Egger jeden Tag zwischen dem Bodensee und dem Zürichsee, Tendenz steigend.

Rafael Vergara in seinem Gemüsevertrieb

52 Tonnen Gemüse verkauft Rafael Vergara täglich auf dem Central de Abasto in Mexico City, dem grössten Frischmarkt des Landes.

Wer ist Ihre Kundschaft?

Sepp Egger: Über drei Viertel unserer Kunden sind Gastronomen und Detaillisten. Daneben verkaufen wir auch auf dem Engrosmarkt in Zürich und an Grosskunden.

Rafael Vergara: Supermärkte, Restaurants und Strassenhändler machen 80 Prozent aus, die anderen 20 Prozent exportiere ich in die USA und nach Kanada.

 

Welches Gemüse lieben die Schweizer bzw. die Mexikaner?

S. E.: Die Schweiz ist eine Nation von Kartoffelessern. Mit jährlich 4500 Tonnen sind Kartoffeln unser Verkaufsschlager.

R. V.: Pico de Gallo (lacht)! Oder eigentlich die Zutaten dazu: grüne und rote Tomaten, Zwiebeln und Chili. Diese Sauce ist so beliebt, dass man sogar vom «Pico de Gallo Index» spricht: die Inflation lässt sich an den Tomatenpreisen messen.

 

Was ist Ihre Marge?

S. E.: Am höchsten ist die Marge natürlich, wenn wir das Gemüse aus dem eigenen Anbau direkt in unserem Hofladen verkaufen. Aber auch sonst lässt sich mit Gemüse Geld verdienen.

R.V.: Ich kalkuliere im Grosshandel mit 10 Prozent. Den Gewinn machen aber die Supermärkte, die bis zu 1000 Prozent Marge draufschlagen.

 

Vom Pflücken bis auf den Teller: Wie lange dauert das?

S. E.: Ernten wir einen Kopfsalat, kommt dieser am nächsten Tag schon auf den Tisch. Wir haben aber auch viele Lagergemüse wie Sellerie, Kartoffeln und Kohl. Diese dürfen je nach Bedarf auch mal einen kleinen Winterschlaf machen.

R.V.: Wir ernten jeden Nachmittag und transportieren unser Gemüse in zwei Camions über Nacht auf den Central de Abasto. Um vier Uhr früh verlassen bereits die ersten Kunden den Markt und verkaufen die Ware gleichentags weiter.

 

Was macht Ihnen Bauchschmerzen?

S. E.: Wir wachsen jährlich etwa um 15 Prozent, das Geschäft läuft gut und hält uns auf Trab. Mir fehlt daneben die Zeit und Musse für die Beschäftigung mit Innovationen. Meine Söhne sind vor kurzem in den Betrieb eingestiegen. Sie haben hohe Erwartungen und werden sicher frischen Wind bringen.

R.V.: Bis zur Reife einer Tomate dauert es drei bis vier Monate. Da kann vieles schieflaufen, denn Naturprodukte sind delikate Waren. Wir setzen auf computergesteuerte Systeme wie Bewässerungsanlagen, um Risiken zu minimieren. Was ist der Trend in Sachen Gemüsebau? Immer unterschiedlichere Sorten sind gefragt und diese, wenn möglich, biologisch produziert.

 

Was ist der Trend in Sachen Gemüsebau?

S. E.: Ich bin kein Techniknarr, aber Maschinen sind die Zukunft. Heute kann man beispielsweise mit einem kameragesteuerten Roboter beim Kopfsalat Unkraut so abschneiden, dass man auf Pestizide verzichten kann.

R.V.: Immer unterschiedlichere Sorten sind gefragt und diese, wenn möglich, biologisch produziert.