Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

«Wir lassen unsere Kinder frei entscheiden»

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SAVOIR FAIRE hat bei Anne Rose und Thomas C. Walther den Praxischeck gemacht. Das Unternehmerpaar führt die Hotels Walther (im Bild) und Steinbock in Pontresina in dritter Generation mit 85 Mitarbeitenden.

Anne Rose und Thomas C. Walther

Anne Rose und Thomas C. Walther

Sie führen einen klassischen Familienbetrieb. Welche der formulierten Handlungsempfehlungen empfinden Sie in der Praxis als besonders wichtig?

Jede Familie in sich ist ja bereits eine kleine «Unternehmung». All diese Tipps sind sehr hilfreich für die Qualität der Beziehung und deren Fortbestand auch für kommende Generationen. Für uns sind die «vorgelebten Werte» besonders wichtig, denn ganz zuoberst in unserem Leitbild steht: «Wir stehen für familiäre Werte, Sicherheit und Verlässlichkeit in einer schnellen, globalisierten Welt ‒ im Umgang mit Gasten, Mitarbeitenden und Partnern.»

 

Die Empfehlungen klingen auf den ersten Blick banal. Wie viel Arbeit steckt hinter der Umsetzung?

Nun, banal wurden wir nicht sagen. Eher sind es herausfordernde «Soft Skills», die von allen Familienmitgliedern viel Überzeugung und Liebe zum Unternehmen fördern. In unserem Fall sind es die Eltern und Schwiegereltern, die Kinder und wir selbst. Wir empfinden es als gefährlich, das Wohl des Unternehmens an erste Stelle und vor die Bedürfnisse der Familienmitglieder zu stellen. Wir glauben viel mehr, dass man den Menschen als Individuum nicht vergessen darf. Nur so ist ein erfolgreiches und gesundes Weiterbestehen des Familienbetriebs gewährleistet.

 

Fehlt Ihnen dieser Punkt bei den Empfehlungen der Forscher?

Ja, und das erstaunt uns auch. Gerade Punkt 9 mit der «Bringschuld» ist in der Praxis bekanntlich nicht immer ohne persönliche Einbussen möglich, da teils nicht beeinflussbare Faktoren mitspielen können. Konkret vermissen wir in den Empfehlungen das Eingehen auf die Personen. Es vermittelt den Eindruck, dass persönliche Bedürfnisse und Voraussetzungen, Gesundheit usw. in einem Familienunternehmen zwingend eine zweite Rolle zu spielen haben, damit es funktioniert.

 

Wie sehr beschäftigen Sie sich bereits mit Ihrer Nachfolge?

Unsere Kinder sind Teenager und wir im besten Alter. Intensiv beschäftigen wir uns also noch nicht mit der Nachfolgefrage. Natürlich wäre es schön, wenn es dannzumal eine vierte Generation Walther geben wurde, sollte eines der Kinder die Berufung zum Hotelier oder zur Hoteliere haben. Aber jedes Kind ist frei. Uns ist viel wichtiger, dass es seinen Neigungen und Traumen nachgehen kann. Sie sollen ihre eigenen Spuren hinterlassen. Wer eine Leidenschaft für eine bestimmte Tätigkeit hat, übt diese auch erfolgreich aus, was wiederum Befriedigung und Zufriedenheit schenkt. Das ist die Hauptsache. Nichtsdestotrotz wollen wir ‒ wie zuvor unsere Eltern und Grosseltern ‒ unsere Hotels auch für die nächste Generation von Gasten wie Betreibern gesund und attraktiv erhalten.