Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Ben und seine Kamele

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Ben Salems Unternehmen besteht aus einem Stall, einer Weide, 23 Kamelen und einem Mitarbeiter. Geld verdient er mit touristischen Angeboten – und mit Kamelmilch.

Jeden Morgen kurz vor sechs Uhr steht Ben Salem auf. Ohne Wecker. Ihn holt die Freude auf das, was ihn erwartet, aus dem Schlaf: Seine Kamelherde mit 22 Dromedaren und einem Trampeltier. Die Tiere haben die Nacht im Stall verbracht, wollen raus auf die Weide. Hören sie ihn kommen, begrüssen sie ihn lauthals. Allein vom Erzählen bekommt Ben Salem Hühnerhaut.

Ben Salem beim Kamele füttern.

Ben Salem füttert seine Kamelherde mit 22 Dromedaren und einem Trampeltier.

Geboren in der Sahara in Südtunesien als eines von sieben Kindern ist der Beduine mit Kamelen aufgewachsen. Sein Grossvater hat welche gezüchtet, sein Vater auch. Dass er selbst Kamele hält und von Kamelen lebt, ist von daher die natürlichste Sache der Welt. Dass er die Familientradition in Oberglatt ZH fortführt dagegen eine Laune seines Schicksals: Ben Salem war im Jahr 2000 wegen der Liebe in die Schweiz übersiedelt. «Ich habe verschiedene Jobs ausprobiert», erzählt der tunesisch-schweizerische Doppelbürger, «aber nichts hat mir gefallen.» Dann beflügelte ihn die Idee, mit Kamelen hier eine eigene Existenz aufzubauen. Es folgten Paragraphendschungel, Ämterlauf, Bewilligungshürden – «ich wusste nicht, dass es so schwierig werden würde», sagt er im Rückblick, «aber jetzt ist alles gut.»

Kamel für Kamel zur eigenen Farm

Ben Salem hat seit 2004 alle Zulassungen, alle Diplome und auch grünes Licht vom Veterinäramt des Kantons, das Kamele als Wildtiere taxiert mit einer entsprechend langen to-do-Liste. In «Bens Kamelfarm» hat er Kamel um Kamel aufgebaut, «ohne Subventionen, ohne Kredite». Seine Tiere hat er in Spanien gekauft, in Deutschland, vom Zürcher Zoo. Ob es denen wohl ist im Oberglattner Klima? «Oh ja, für sie ist das hier ein Paradies», sagt Ben Salem und blickt hinüber zu seiner Schar Wiederkäuer, die faul herumliegen auf der grossen Weide, die er für sie gepachtet hat, «ihnen geht es sehr gut hier.»

Ben Salem beim Melken eines Kamels.

Seit 2013 ist es Ben Salem erlaubt, Kamelmilch zu verkaufen.

Bens Kamelfarm» ist ein Siebentage-Betrieb und während acht Monaten im Jahr fürs Publikum geöffnet. Geld verdient Ben Salem zum Grossteil mit seinem Erlebnisangebot wie geführte Ausritte auf Kamelen, ein Beduinenzelt mit authentischem Essen für Geburtstage oder Firmenevents und ein gross angelegtes Kamelfest, das er jeden Sommer veranstaltet. Seit 2013 ist es ihm zudem erlaubt, Kamelmilch zu verkaufen. Sie kostet 14 Franken pro Liter. Gekauft wird sie von Konsumenten, die um den gesundheitsfördernden Gehalt dieser Milch wissen, aber auch von kreativen Geschäftsleuten wie Vittoria Hengartner, Inhaberin von Praliné Scherrer in St.Gallen. Sie hat mit Bens Kamelmilch Luxus-Truffes für den arabischen Raum kreiert in der festen Absicht, dort Fuss zu fassen.
 

Keine Milch ohne Baby-Kamel

Melken kann Ben Salem jeweils nur die Muttertiere – und nur im Beisein des Jungen.
Melken kann Ben Salem jeweils nur die Muttertiere – und nur im Beisein des Jungen.

Obwohl richtig teuer, übersteigt die Nachfrage nach Kamelmilch regelmässig Ben Salems Angebot: Melken kann er jeweils nur rund die Hälfte seiner Herde, die Muttertiere. Und nur im Beisein des Jungen – «ist das Kleine nicht dabei, gibt es keine Milch». Ben Salem teilt redlich: «Zwei Zitzen sind für das Kind, zwei zum Melken.» Pro Tier gewinnt er auf die Art rund drei Liter Milch am Tag – wenig, verglichen mit den 15 bis 20 Litern Milch, die jedes Kamel seines Vaters täglich hergibt. «Das liegt an der Rasse», sagt Ben Salem. Gerne hätte er Tiere aus der Heimat bei sich. Diesen Wunsch hat aber die Bürokratie aufgefressen. Andererseits: In der Sahara sind Kamele reine Nutztiere, liefern nicht nur Milch, sondern werden für Fleisch und Leder auch geschlachtet. «Das könnte ich sowieso nicht», sagt Ben Salem, «ich habe jedes Tier hier von Herzen gern, sie sind Familie für mich.» Er kennt Macken und Vorlieben, Wesen und Vorzüge jedes einzelnen. Sein Lieblingskamel, Subaia, hat er sogar selber aufgezogen, da dessen Mutter es nicht wollte. Subaia wie alle anderen Jungtiere hat er persönlich dressiert. Mehr verlangt er den Tieren nicht ab. Seine Vision für «Bens Kamelfarm» mit zwischenzeitlich einem Mitarbeiter sowie vielen helfenden Kollegen und Familienmitgliedern? «Ideen habe ich viele», sagt er, «aber zuerst muss ich das Geld verdienen, dann werde ich umsetzen.»

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  • Milchflaschen
    Pro Tier gewinnt Ben Salem rund drei Liter Milch am Tag.
  • Kamelherde auf der Weide
    Ben Salem führt in Oberglatt ZH die Familientradition fort und hat mit Kamelen eine eigene Existenz aufgebaut.
  • Ben Salem mit seinem Lieblingskamel Subaia
    Sein Lieblingskamel, Subaia, hat Ben Salem selber aufgezogen, da dessen Mutter es nicht wollte.
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