Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Wie ist es eigentlich … für andere Innovation zu machen?

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Wie ist es eigentlich, Innovation für andere zu machen wie zum Beispiel für Yello-Frontmann Dieter Meier? Wir haben Roland Laux in seinem Innovationslabor in Wädenswil besucht. Der Tüftler entwickelt Lebensmittel, vom Bier über den Riegel bis zum Fertiggericht. In letzter Zeit kamen zu den Kundenprojekten zunehmend eigene Entwicklungen dazu.

Roland Laux
Roland Laux

Roland Laux, Sie machen Innovation für andere. Wer engagiert Sie?

Multinationale Konzerne, Detailhändler, aber auch KMU aus der Lebensmittelbranche. Wir werden engagiert, um als Externe neue Blickwinkel auf die Zukunft ihrer Produktkategorien zu werfen und innovative Ideen zu entwickeln. 

Und wen involvieren Sie?

Mein Team wird ergänzt durch externe Fachleute, Technologen, Konsumenten und Mitarbeiter des Auftraggebers, aber auch Querdenker.

 

Können Sie das ausführen?

Wenn wir beispielsweise Produkte für Jugendliche entwickeln, nehmen wir Leute ins Team, die sich mit Jugendlichen auskennen, die viel wissen über deren Lifestyle, aber kaum Ahnung haben von dem eigentlichen Thema. Dieses Querdenken zwischen Produktkategorien führt eher zu Innovationen.

 

Welches sind die häufigsten Stolpersteine auf dem Weg zu Innovationen?

Erfahrungsgemäss wird entwickelt, dann ein Test gemacht und dann ein Produkt auf den Markt gebracht. Aber Innovation läuft nicht linear. Man muss iterativ arbeiten, innovieren als rollenden Prozess verstehen. Dabei lernt das Unternehmen, gewinnt Sicherheit und erlebt dann weniger böse Überraschungen auf dem Markt. Ein anderer Punkt: Oft werden Innovationen zu früh abgeschossen.

 

Warum?

In vielen Fällen aus politischen Gründen, weil sich jemand in der Organisation querstellt und das Ganze blockiert. Zum Beispiel, weil eine Idee so innovativ ist, dass sie Grundsätzliches im Unternehmen verändern sprich Verlierer generieren würde. Das kann recht frustrierend für uns sein.

 

Inwiefern?

Wir geben alles, denken alles neu – und am Ende landet unser Effort in der Schublade, weil geblockt wird.

 

Warum wird geblockt?

Das ist ganz natürlich. Ist jemand ein Crack auf einem Gebiet, fällt es schwer, den Knowhow-Rucksack mal abzustellen. Um wirklich Neues zu schaffen, muss man aber bereit sein, Best Practices über Bord zu werfen und mal durch andere Brillen zu blicken.

 

Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Innovationsvorhaben, die nicht ganz zuoberst in der Organisation angesiedelt sind, haben es schwer. Deshalb gilt es von Beginn an, alle ins Boot zu holen.

 

Das Committment der Geschäftsleitung ist entscheidend.

Genau. Die Geschäftsleitung muss Innovation wirklich wollen und daran glauben. Dieses Committment brauchen wir, denn es gibt zu jedem Zeitpunkt in diesem Prozess so viele Stolpersteine und Gründe, die Übung abzubrechen.

 

Was kostet Ihre Dienstleistung?

Das beginnt bei ca. 20'000 Franken und geht bis zum 2-jährigen Projekt für ein paar Hunderttausend Franken.

 

Und was bekommt ein Unternehmen dafür?

Impulse, neue Sichtweisen, neue Produkt- und Verfahrensideen und -konzepte.

 

Was halten Sie von Crowdsourcing?

Es ist kosteneffizient und schnell. Beim Crowdsourcing besteht aber auch die Gefahr, dass man in der Masse der Ideen fast ertrinkt. Man kann Innovation nicht komplett outsourcen.

 

Sie entwickeln nicht nur Ideen für andere, sondern eigene Produkte?

Das hat sich so ergeben. Ich arbeite eng zusammen mit Tilo Hühn, Professor für Prozessentwicklung und Aromaforschung an der ZHAW in Wädenswil. Er hat unter anderem ein eigenes Verfahren entwickelt für die Apfelsaftherstellung: Statt die Früchte zu pressen, zerkleinert er sie zu einem Brei, gibt sie dann in einen sogenannten Dekanter, wo feste und flüssige Bestandteile voneinander getrennt werden, und erhält so einen Apfelsaft, der schmeckt wie ein frisch aufgeschnittener Apfel. Das hat mich fasziniert, so haben wir uns kennengelernt. 2008 haben wir Venezuela bereist und einen Schokoladenfabrikanten besucht. Da entstand die Idee, das Verfahren mit dem Dekanter auch für die Schokoladenproduktion einzusetzen. Nach langem Tüfteln ist eine dunkle Schoggi entstanden, die fruchtig-blumig schmeckt und nicht bitter ist wie herkömmliche, da wir grüne, ungeröstete Kakaobohnen verwenden. Dank der Zugabe von Wasser arbeiten wir mit nur 45 Grad Celsius und können so die ursprünglichen Aromen ins Endprodukt retten. Bei der herkömmlichen Produktionsweise werden diese bei sehr hohen Temperaturen zerstört. Wir haben unsere Idee patentieren lassen und wollten sie an die Industrie verkaufen.

Kakaobohne und Schokolade

Wollten?

Der neue Prozess war für die Schokoladenproduzenten fast ein Affront, alle sagten, das geht nicht mit Wasser. Die Skepsis, die uns entgegenschlug, überrascht nicht wirklich: Da kommen zwei Nonames und schlagen ein von Grund auf neues Herstellungsverfahren vor – das auch noch funktioniert …

Produktionsmaschine

Ihre Schoggi produziert jetzt Yello-Frontmann Dieter Meier. Wie kam's?

Nachdem wir die Schokoladenindustrie erfolglos abgeklappert haben, waren wir ernüchtert. Aber weil wir die Rechte am Patent und eine Pilotanlage hatten, in die wir viel investiert haben, beschlossen wir, unsere Idee nicht einfach zu begraben, sondern sie selbst zu produzieren. Wir erstellten einen Businessplan. Eines Tages stiess meine Frau auf ein Interview mit Dieter Meier und dort auf die Frage, was er noch machen wolle in seinem Leben. Die Antwort war: eine spezielle Schoggi. Als ich ihn endlich erreichte, lud ich ihn ein und wir liessen ihn verschiedene Schokoladensorten blind degustieren. Unsere hat ihn spontan begeistert. So kamen wir ins Geschäft. Am Ende verkauften wir ihm unser Patent. Dieter Meier, der bis dato null Ahnung hatte von der Schokoladeproduktion, stellt nun Schoggi nach unserem Verfahren her – und rollt damit wohl bald den Markt auf. Das ist bezeichnend: Er sah einfach das tolle Produkt und wollte es haben, ohne Aber und Skepsis, wie dies bei der Schokoladenindustrie der Fall war.

 

Haben Sie weitere Produkte in petto, die Sie selber machen statt der Industrie verkaufen wollen?

Inzwischen arbeiten wir tatsächlich fast nur noch an Produktinnovationen, bei denen wir vom Scratch an alles selber machen, sprich, die wir nicht mehr aus der Hand geben. Das bedeutet, wir mutieren vom Innovationsberater zum Lebensmittelhersteller. Heisst, wir erfinden uns gerade auch neu.