Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Bern vs. Mendoza – Weinbau in zwei Welten

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Wie unterscheidet sich der Weinbau in der Schweiz mit dem in Argentinien? Wir haben zwei Winzerinnen in ihnen Betrieben besucht und mit ihnen über Unternehmerherausforderung wie Differenzierung, Kalkulation und Nachhaltigkeit gesprochen.

 

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Anne-Claire Schott hat den Weinbaubetrieb ihrer Eltern in Bern übernommen. In Mendoza hat Anna Burger mit ihrem Mann ein eigenes Weingut gegründet. Wie unterscheidet sich der Weinbau in den beiden Ländern? Bei einem Besuch der beiden Betriebe haben wir mehr erfahren.

 

Im Kanton Bern wächst auf rund 260 Hektaren Wein und in Mendoza gibt es über 800 Weinproduzenten. Wie schaffen Sie es, sich zu differenzieren?

Anne-Claire Schott: Wein ist für mich Kultur. Mit meiner Erstausbildung ist es naheliegend, dass ich eine Brücke vom Weinbau zur Kunst schlage. Für die Serie «Aroma der Landschaft» werden sechs Weinsorten zu einer Cuvéevinifiziert, die entlang der unter Schutz gestellten Rebmauern wachsen. Mit diesem konzeptionellen Wein hebe ich mich ab.

Anna Burger: Wir produzieren Weine für Liebhaber und bauen enge Kundenbeziehungen auf. Unsere Kunden sind Restaurants, Hotels und Weinhändler, die auf Boutique-Winzer setzen. Kunden wie Jan Martel aus St.Gallen kommen regelmässig zu uns und wir treffen diese an Weinveranstaltungen in Europa.
 

Wie kalkulieren Sie?

A. C. S.: Nach Gefühl! (lacht) Nein, im Ernst, unsere Preise sind zwar im oberen Drittel der Weine am Bielersee, aber im Vergleich zu mechanisierten Rebbergen immer noch viel zu günstig. Das geht nur, weil wir alles selber machen. Wir sind rentabel, aber es ist kein Riesengeschäft – was mich auch gar nicht interessiert.

A.B.: Wir automatisieren die Produktion, beispielsweise durch Bewässerungsanlagen, und organisieren uns schlank. Alle packen mit an, für die Ernte beschäftigen wir saisonale Arbeiter.

 

Was raubt Ihnen den Schlaf?

A. C. S.: Das Wetter, das Klima, Pilzkrankheiten. Und natürlich auch die Weine. Wenn sie im Fass sind, kurz vor dem Abfüllen, da frage ich mich manchmal im Bett: Habe ich etwas vergessen, gibt es noch etwas zu korrigieren oder sind sie perfekt, so wie sie sind?

A.B.: Spätfrost und Hagelstürme. Oftmals arbeiten wir Tag und Nacht, um möglichst viel von der Ernte zu retten. Dann mache ich kein Auge zu.
 

Wie wichtig ist Ihnen eine nachhaltige Produktion?

A. C. S.: Sehr wichtig. Wir stellen derzeit die Weichen, um auf die biodynamische Produktion umzustellen. Wir bauen den Wein traditionell an und bewirtschaften das bestehende Kulturgut in den steilen Rebbergen bewusst von Hand.

A.B.: In Argentinien gibt es bisher kaum zertifizierte Bio-Weine, aber die guten klimatischen Bedingungen machen es möglich, biologisch zu produzieren. Mir und José ist es wichtig, möglichst wenige Pestizide einzusetzen, es wird meistens nur einmal präventiv behandelt.
 

Wie wachsen Sie?

A. C. S.: Ich bin Winzerin, nicht Managerin – ich will die Reben spüren und den Wein selber machen. Klar, auch ich möchte den Umsatz steigern, aber nicht mit Quantität, sondern mit Qualität. Wenn ich mehr Reben habe, schaut nicht mehr raus. Da ich alles von Hand mache, ist es am rentabelsten, wenn ich klein bleibe.

A.B.: Es ist wichtig, sich verschiedene Standbeine aufzubauen, sowohl in Argentinien als auch im Ausland. Letztes Jahr haben wir Huarpe für den Weintourismus geöffnet. Die Gäste können unsere Weine, die nach den indianischen Ureinwohnern benannt sind, verkosten und die Weinkultur Argentiniens kennenlernen.
 

Autorinnen: Stefanie Rigutto, Anina Torrado Lara
Illustrator: Simon Schwyzer (Schweiz) 

 

Anne-Claire Schott, diplomierte Önologin, Biel

Anne-Claire Schott
Anne-Claire Schott, Biel

Die 31-jährige Anne-Claire Schott ist diplomierte Önologin. Sie hat 2016 den Weinbaubetrieb ihrer Eltern am Bielersee von ihren Eltern übernommen. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen als Winzerin in der Schweiz. 

schottweine.ch

 

Anna Burger, angehende Winzerin, Mendoza

Anna Burger und José Hernández Toso
Anna Burger und José Hernández Toso, Mendoza

Es ist eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch: José Hernández Toso trifft seine Frau Anna Burger in Deutschland. Er ist Winzer, sie macht eine Winzerlehre. Zusammen gründen sie 2002 das Weingut Huarpe im argentinischen Weinbaugebiet Mendoza. 

huarpewines.com (Bezug über martel.ch)

Zahlen und Fakten zum Weinbau

  Schweiz Argentinien
Weinproduktion 2016
1.1 Millionen Hektoliter
8.8 Millionen Hektoliter
Weinkonsum 2016
2.5 Millionen Hektoliter
9.4 Millionen Hektoliter
Bevölkerung
8.4 Millionen
43.6 Millionen
Weinkonsum
30 Liter pro Kopf und Jahr
22 Liter pro Kopf und Jahr
Weinproduktion
13 Liter pro Kopf und Jahr
20 Liter pro Kopf und Jahr
Prominentester WinzerProminentester Winzer
Der Dalai Lama besitzt den kleinsten Weinberg der Schweiz in Saillon (1.618 Quadratmeter)
Der Schweizer Musiker Dieter Meier (Yello) produziert auf mehreren Farmen Wein und Rindfleisch.

Quellen: indec.gov.ar, oiv.int, Bundesamt für Landwirtschaft. 1 Hektoliter entspricht 100 Litern.

 

tbd

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