Der attraktive Wirtschaftsplatz Schweiz

Der starke Franken bleibt eine grosse Herausforderung

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Die Schweizer Exporte stiegen im Jahr 2019 auf einen neuen Rekordwert. Die Ausfuhren beliefen sich auf 242 Milliarden Franken, was einer Steigerung von 3,7 % gegenüber 2018 entspricht. Das Plus ist aber einmal mehr hauptsächlich auf die stark wachsenden Pharmaexporte zurückzuführen. Für die meisten anderen Branchen bleiben die Herausforderungen auch 2020 gross. Denn das globale Wirtschaftswachstum lässt nach und der Schweizer Franken bleibt nach wie vor hoch bewertet. 

 

Rückblick - Zähe Jahre für die Exportwirtschaft nach dem Frankenschock

Nach dem Währungsschock vom 15. Januar 2015, als die SNB völlig unerwartet die Wechselkursobergrenze fallen liess, lebte der Schweizer Export etwa zwei Jahre lang fast ausschliesslich von den krisenresistenten Pharmaausfuhren. Die anderen Exportbranchen rutschten tief ins Minus und vor allem KMU drohten nachhaltig in Schieflage zu geraten. Kein Wunder: Durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses verteuerte sich der Franken um 20 Prozent. Ein stückweit sind sich Schweizer Unternehmen zwar an eine immer stärker werdende Währung gewöhnt, denn der Frankenkurs wertet schon seit eh und je stetig auf. Seit 1973 und dem Übergang zu flexiblen Wechselkursen hat sich der nominale Aussenwert des Frankens beispielsweise um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr erhöht. Die Belastung durch den Frankenschock vom Januar 2015 war jedoch historisch einmalig.

 

 

Ausblick  - Grosse Unterschiede innerhalb der Exportbranche

Die Schweizer Warenexporte haben 2019 deutlich zugelegt. Das Wachstum war aber einmal mehr vor allem auf die stark wachsenden Ausfuhren der Pharmabranche zurückzuführen. Die Auslandsnachfrage nach Pharmaprodukten nimmt aufgrund des demografischen Wandels unentwegt zu. Gleichzeitig ist der starke Franken aufgrund der geringen Preissensitivität der Medikamentennachfrage keine grosse Belastung. In den meisten anderen Branchen waren die Exporte 2019 hingegen rückläufig. Insbesondere der konjunktursensitive Maschinenbau spürte wieder harten Gegenwind. Das Schweizer Verarbeitende Gewerbe kann sich von der globalen Konjunkturschwäche nicht abkoppeln und damit wird auch das laufende Jahr für die meisten Branche eine Herausforderung. Gleichzeitig dürfte der Schweizer Franken aufgrund der zahlreichen globalen Unsicherheiten weiter zur Stärke tendieren.

 

Industrielle Basis erhalten

Im Vergleich zu vor der Finanzkrise von 2008 hat die Schweizer Industrie an Boden verloren – und einmal verlorene Weltmarktanteile wiederzugewinnen, ist ein schwieriges Unterfangen. Der Franken bleibt hoch bewertet und somit eine anhaltende Herausforderung für die Unternehmen. Auf der anderen Seite bieten sich allerdings auch Chancen. Die Schweiz ist aufgrund der Innovationsfähigkeit und der Spezialisierung auf komplexe und technisch anspruchsvolle Nischenprodukte weniger stark von Produktionsauslagerungen betroffen als andere Industrienationen.

Weil die Innovationsfähigkeit hierzulande hoch ist, bestehen zudem gute Chancen, dass die Schweiz bei der Digitalisierung (Industrie 4.0) weiterhin führend bleibt. Damit die industrielle Basis auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt, sind jedoch kontinuierliche Investitionen in die Zukunft unabdingbar; nicht zuletzt, weil das konjunkturelle Umfeld 2020 wieder anspruchsvoller wird. Daneben sorgen auch der globalen Handelskonflikt und andere politische Unwägbarkeiten für Wolken am Horizont. 

 

Autor: Domagoj Arapovic, Economic Research, Raiffeisen Schweiz

Zur Person Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Economic Research, Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Economic Research, Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

Der Raiffeisen-Ökonom analysiert regelmässig die Märkte und misst mit dem monatlich erscheinenden KMU PMI (Purchasing Managers' Index) die Geschäftslage der Schweizer KMU.