Zum Weltfondstag – Aussergewöhnliche Fonds im Fokus

Am 19. April ist Weltfondstag. Zu diesem Anlass stellen Ihnen unsere Anlageexperten drei aussergewöhnliche Fonds vor. Erfahren Sie, was das Ave Maria, Tierfutter und Zigaretten mit Anlagefonds zu tun haben, aber auch welche Vorteile sich Anlegerinnen und Anlegern beim Fondssparen generell bieten.

Der Fondsgedanke geht auf den am 19. April 1744 geborenen Adriaan van Ketwich zurück. 1774 brachte der niederländische Kaufmann erstmals zahlreiche Anleger zusammen, die Anteile an einer Art Fonds erwarben. In den nachfolgenden rund 250 Jahren hat sich dieser Gedanke weiterentwickelt und eine Vielzahl an Fonds und Fondsarten ist entstanden: Aktienfonds, Obligationenfonds, Immobilienfonds und Mischfonds gehören zu den gängigsten. Die breite Palette an verschiedenen Fonds deckt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Vorstellungen der Anlegerinnen und Anleger ab. Denn jeder Anleger schätzt die Attraktivität eines Fonds respektive setzt Fonds innerhalb seines Portfolios anders ein. Seit einiger Zeit schiessen auch sogenannte Themenfonds wie Pilze aus dem Boden – immer mit dem Hintergedanken, speziell renditestarke Nischen abdecken zu können. Und dies mit erstaunlichen Umsetzungen. Lesen Sie im Interview mit unseren Fondsexperten, welche aussergewöhnlichen Fonds ihnen im Laufe Ihrer Karrieren begegnet sind.

Interview mit Gabriela Ziltener, Leiterin Produkt Management Anlegen

Frau Ziltener, welches ist der aussergewöhnlichste Fonds, der Ihnen im Laufe Ihrer Karriere begegnet ist?

Gabriela Ziltener: Der Ave Maria Value Funds gehört zu den aussergewöhnlichsten Fonds, welchen ich begegnet bin.

Was macht diesen Fonds so speziell?

Der Fonds setzt auf «moralisch verantwortungsbewusstes Investieren» und berücksichtigt bei der Titelauswahl nur Unternehmen, welche die Kernwerte und Lehren der römisch-katholischen Kirche nicht verletzen. Ausschlusskriterien sind beispielsweise Abtreibung, Pornographie, embryonale Stammzellenforschung oder Prinzipien, welche das Sakrament der Ehe unterlaufen. Die Kriterien, welche bei der Titelauswahl zu berücksichtigen sind, werden durch ein katholisches Advisory Board, also einen Beratungs-Rat, bestimmt.

Eignet sich der Fonds für ein Portfolio?

Der Fonds investiert global und berücksichtigt nebst den finanziellen Kriterien auch die religiösen (katholischen) Anforderungen. Dadurch ist die Titelauswahl stark eingeschränkt und eignet sich deshalb nicht für eine breit diversifizierte Investition.

Was zeichnet Fonds Ihrer Meinung nach aus?

Fonds bieten den Vorteil, dass Anleger mit einem relativ kleinen Betrag – in der Regel reichen CHF 100 – und einer einzigen Transaktion in ein breit diversifiziertes Portfolio investieren können. Damit wird das Anlegen für Privatkunden stark vereinfacht. Es gibt jedoch eine Vielzahl an unterschiedlichen Fonds mit verschiedenen Zielen. Hier ist eine Beratung sicherlich empfehlenswert, um die Investition auf die Kundensituation abzustimmen.

Interview mit Matthias Geissbühler, CIO Raiffeisen Schweiz

Herr Geissbühler, welches ist der aussergewöhnlichste Fonds, der Ihnen im Laufe Ihrer Karriere begegnet ist?

Matthias Geissbühler: Da kommt mir spontan der Vitium Global Fund in den Sinn.

Was macht diesen Fonds so speziell?

Aktuell geht der Trend überall in Richtung nachhaltige Fonds, welche nach strengen Ausschlussregeln oder ESG-konform investieren (ESG = Environmental, Social and Governance). Der Vitium Global Fund ist das absolute Gegenstück. Vitium heisst aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie Laster, Verführung oder schlechte Eigenschaft. Dies ist auch das Motto des Aktienfonds, welcher ausschliesslich in Aktien aus den Sektoren Rüstung, Alkohol, Tabak und Casinos investiert. Die Idee hinter dem Produkt ist, dass die Menschen diesen «Sünden» immer nachgehen, egal ob es der Wirtschaft gerade gut geht oder nicht. Den Fonds gibt es bereits seit 2002. 

Eignet sich der Fonds für ein Portfolio?

Der Fonds ist natürlich politisch alles andere als korrekt. Dennoch handelt es sich um gesellschaftlich akzeptierte «Sünden» und es finden sich viele bekannte Aktien im Fonds, beispielsweise Boeing, Philip Morris, Heineken oder Las Vegas Sands. 

Was zeichnet Fonds Ihrer Meinung nach aus?

Fonds haben den grossen Vorteil, dass Anleger in einem Gefäss ein breit diversifiziertes Portfolio erhalten. Zudem sind Anlagefonds streng reguliert und werden laufend überwacht. Vor allem in weniger liquiden und schwerer zugänglichen Märkten weisen aktive Fonds grosse Vorteile auf. Bei sehr liquiden Märkten sind aber oft die deutlich günstigeren passiven Produkte, die so genannten Exchange Traded Fonds (ETF), eine valable Alternative.

Interview mit Roland Kläger, Leiter Investment Solutions

Herr Kläger, welches ist der aussergewöhnlichste Fonds, der Ihnen im Laufe Ihrer Karriere begegnet ist?

Roland Kläger: Das Wohl des «besten Freundes des Menschen» ist auch für Anleger interessant. Der Pet and Animal Wellbeing Fonds investiert mit Fokus im Bereich Tierwohl und Haustierbedarf.

Was macht diesen Fonds so speziell?

Der Fonds ist so speziell wie auch naheliegend. Denn der Markt für Tiernahrung, aber auch Tiermedikamente ist riesig. Speziell sind eher einige Unternehmen im Fonds: Eine Firma zum Beispiel stellt frische Nahrungsmittel für Tiere her, die im Kühlschrank gelagert werden müssen – wie Nahrungsmittel für Menschen. Daneben forschen und produzieren viele Unternehmen im Bereich der Tiermedizin.

Eignet sich der Fonds für ein Portfolio?

Themeninvestments können sich für ein Portfolio durchaus eignen. Das Thema Tierwohl scheint ein Zukunftsmarkt zu sein. Aber: Bei jedem Investment kommt es am Ende auf die richtige Mischung zwischen Kernanlagen und Themen an. 

Was zeichnet Fonds Ihrer Meinung nach aus?

Fonds zeichnet aus, dass sich die Anleger auf ein Ziel oder einen Schwerpunkt festlegen können und die Umsetzung den Experten überlässt. Der Fokus kann sehr unterschiedlich aussehen: Der eine möchte global an allen Regionen, Branchen und Anlageklassen teilhaben, der nächste fokussiert auf ein Land, zum Beispiel die Schweiz, und wieder andere Anleger setzen auf ein bestimmtes Anlagethema. Die Umsetzung ist komplex und wird einem durch einen Fonds abgenommen.