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11.08.2020

Schweizer entdecken die Börse für sich

Die Untätigkeit während Corona – und wohl auch, dass ungenutztes Geld zur Verfügung stand – lockt zehntausende von Schweizerinnen und Schweizern auf Plattformen, wo Aktien, Obligationen und andere Wertpapiere gehandelt werden. Wie Schweizer Onlinebanken mitteilen, wurden zahlreiche neue Kundenkonti eröffnet. Die neuen Investitionen sind mitverantwortlich für steigende Aktienkurse. Diese Handelslust kann allerdings schnell einen Dämpfer erhalten. Denn wer ohne Vorkenntnisse an der Börse einsteigen will, der zahlt zuerst einmal vor allem Lehrgeld. Wir fragten drei Anlageexperten von Raiffeisen Schweiz: welche drei Anfängerfehler sollte man unbedingt vermeiden?

 

Anfängerfehler vermeiden

 

Urs Dütschler

Produktmanager Anlageprodukte

Urs Dütschler
  1. Hin und her macht die Taschen leer! Lasst Euch nicht von kurzfristigen Gewinnen Eurer Freunde blenden. Es ist nämlich extrem schwierig, auf Einzelaktien zu setzen. Klingt vielleicht langweilig, aber mit langfristigen Anlagen in einem Fonds könnt Ihr eher profitieren. Als Amateur hat man auch gar nicht die Zeit, sich täglich mit Aktienkursen auseinanderzusetzen.

  2. Dass Ihr immer wieder auf den Namen einer Unternehmung stösst, braucht noch nicht zu heissen, dass der Aktienkauf günstig wäre. Es kann sein, dass die Firma schon zu hoch bewertet ist. Findet heraus, welche Produkte sie in der Pipeline hat. Lasst Euch nicht vom optischen Reiz eines Produkts anziehen, sondern seht Euch die Bewertungen und Kennzahlen an.

  3. Lasst Euch nicht von der Börsenstimmung anstecken, sondern agiert antizyklisch. Wer kauft, wenn alle kaufen, zahlt zu viel. Wer verkauft, wenn alle raus wollen, verliert. Das Timing muss stimmen.

Paul Hirschi

Leiter Investment Advisory

Paul Hirschi
  1. Kauft nie eine Aktie einer Firma, die Ihr nur dem Namen nach kennt. Macht Eure Hausaufgaben, recherchiert. Würdet Ihr das Produkt als Kunde wirklich auch selbst kaufen? Und legt nicht alle Eier in denselben Korb. Kauft verschiedene Aktien aus unterschiedlichen Branchen. Clever ist, wer breit diversifiziert mit einem Anlagefonds investiert.

  2. Hört nicht nur auf Freunde und Medien, wenn es um vermeintliche Anlageschnäppchen geht. Macht Euch selber ein Bild und benutzt verschiedene Quellen, um Informationen zu bestätigen.

  3. Kleine Schritte führen auch zum Erfolg. Investiert zu Beginn kleinere Beträge, um ein Gefühl für die Anlagen zu bekommen. Langsam ist schneller. Lasst die Finger von Optionen und Hebelprodukten, die hohe und schnelle Gewinne versprechen. Erfolgreiche Anleger bringen Zeit und Geduld mit.

Jeffrey Hochegger

Anlageexperte

Jeffrey Hochegger
  1. Fokussiert auf die Risiken: man darf sich nicht primär von den Chancen einer Anlage verleiten lassen. Seid Euch der Risiken bewusst. Enttäuschungen vermeidet Ihr, indem Ihr Risiken möglichst breit streut. Am einfachsten geht das über den Einsatz von Kollektivanlagen (Fonds, ETFs).

  2. Niemand weiss, wann der nächste Crash kommt. Wer bösen Überraschungen aus dem Weg gehen will, sollte sich überlegen, über einen bestimmten Zeithorizont einzusteigen. Legt von Anfang an die Einstiegszeitpunkte fest. Zum Beispiel jeweils am ersten Mittwoch im Monat über drei Monate. So lassen sich emotionale Aspekte ausblenden.

  3. Wer an der Börse Erfolg haben möchte, braucht Zeit. Der Erfolg eines Unternehmens und damit die Aktie schwanken mit der Wirtschaftsentwicklung. Durch einen langen Anlagehorizont können Schwankungen und Seitwärtsbewegungen durchgestanden werden. Merkt Euch das Zitat von Warren Buffett: «Wer nicht bereit ist, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, sollte nicht einmal daran denken, sie für zehn Minuten zu besitzen.»

 

Hier sind täglich die Gewinner und Verlierer der SMI-Aktien zu sehen.