Also ist Holz beim Bauen immer die bessere Wahl?
Ja natürlich! Beim Bauen geht es aber nicht nur um die Frage, ob Holz, Beton, Glas oder Stahl besser ist. Alle Materialien haben positive und negative Eigenschaften. Weil Bauen teuer geworden ist, müssen wir heute vor allem smart bauen, sprich: das richtige Material am richtigen Ort verwenden, egal, ob es Beton, Glas, Stahl oder Holz ist. Holz ist immer dann heikel, wenn Wasser im Spiel ist. Deshalb kommt es, wie erwähnt, vorwiegend ab einem halben Meter über Boden zum Einsatz. Aber auch andere Materialien müssen korrekt eingesetzt werden, sonst entstehen Baumängel. Die Zukunft liegt in Material-Verbünden. So bestehen Fundamente fast immer aus Beton, während auch Tragwerke aus Holz ab einer gewissen Belastung Stahlverbindungen benötigen. Bei mehrgeschossigen Bauten wird vermehrt auf den Rohstoff Holz gesetzt. Die Decken sind aber häufig Holz-Beton Verbundsysteme, Holz in der Zugzone, Beton in der Druckzone. Ein smarter, auf die Stärken des Materials abgestimmter Verbund. Dank solcher Verbünde lassen sich auch sehr komplexe Bauten in Holzbauweise realisieren. Ich bin überzeugt, solche Verbundsysteme bieten noch beträchtliches Potenzial für Weiterentwicklungen – sowohl in der Baupraxis als auch in der Forschung. Beispiele dafür sind die geplanten Bauten am Flughafen Zürich (neues Dock A mit Tower) und in Winterthur (Hochhaus «Rocket»).
Steht für den wachsenden Markt überhaupt genug (heimisches) Holz zur Verfügung?
Der Holzbau Markt wächst so schnell, dass der Schweizer Wald und die Sägereien nicht mehr mithalten. Deshalb müssen wir heute rund 70 Prozent des Holzes aus dem Ausland importieren, vor allem aus dem europäischen Wirtschaftsraum. In der Regel handelt es sich um FSC-zertifiziertes Holz. Daher sehe ich ein enormes Potenzial. Doch: Die Leute wollen zwar mehr heimisches Holz und mehr Arbeitsplätze, aber niemand will Lastwägen und Industrie. Hinzu kommt, dass der Schweizer Wald kleinstrukturiert ist: Es gibt rund 250'000 private und öffentliche Waldeigentümer – und daher auch fast so viele Interessen. Der Wald dient als Nutzwald, Schutzwald, er ist Naturschutzgebiet und Erholungsraum. Dazu kommt die Herausforderung, dass der Wald, den sich veränderten Klimaverhältnisse angepasst werden muss. Wir bauen vor allem mit der Tanne, der Fichte und mit etwas Laubholz wie Buche, Eiche oder Esche. Einige dieser Holzarten werden weniger oder werden sogar in einigen Regionen der Schweiz nicht mehr in der gewünschten Menge wachsen. Selbst wenn man eine zusätzliche Million Kubikmeter Holz unseren Wäldern entnehmen würde, wäre die hiesige Holzindustrie zu klein, um diese Menge zu verarbeiten und der Bedarf des Holzbaus bei Weitem nicht gedeckt.
Warum vergrössert sich die Holzindustrie denn nicht, wenn die Nachfrage so hoch ist?
Die Holzindustrie ist etwas gewachsen. Das Wachstum kann aber nicht mit dem des Holzbaus mithalten. Zudem kämpft die Holzindustrie mit langen Bewilligungszeiten. Wer heute eine hohe Nachfrage hat und dafür mehr Kapazitäten benötigt, kann nicht zehn Jahre auf die Baubewilligung für ein neues Werk warten. Überall haben wir es mit Einsprachen und Prozessen zu tun, da bräuchte es beschleunigte Verfahren.