Holzbau Schweiz

Raiffeisen Schweiz ist neu Partner von Holzbau Schweiz. Warum ist Holz als Baustoff so beliebt – und mit welchen Herausforderungen hat die Branche zu kämpfen? Hansjörg Steiner, Präsident von Holzbau Schweiz, gibt einen Einblick in seine stark wachsende Branche.

05.03.2026

Herr Steiner, die Holzbaubranche boomt – warum? 

Der Baustoff Holz erlebt seit einigen Jahren ein Revival. Kein Wunder, der älteste Baustoff der Menschheit wächst quasi vor unserer Haustür. Alle kennen das Material Holz und verbinden es mit Freizeit, Erholung, Natur, gesunder Luft. Holz beruhigt, gibt Wärme und Sicherheit – es ist kein kaltes Material, sondern ein lebendiges. Hinzu kommt seine Nachhaltigkeit. Da es ein nachwachsender Rohstoff ist, gilt Holz als klimaneutral – zumindest jenes aus nachhaltiger Forstwirtschaft: Bäume nehmen das Kohlendioxid auf, das beim Verbrennen wieder freigesetzt wird – ein natürlicher Kreislauf, durch den der CO2-Gehalt in der Atmosphäre nicht zunimmt, sondern gleichbleibt. Ein weiterer Grund für die hohe Nachfrage nach Holzbau ist, dass die Branche schon seit vielen Jahren beharrlich in die Bildung investiert. Das zahlt sich aus. So arbeiten unsere Fachleute heute zum Beispiel in der Städteplanung, wo sie ihr Wissen einbringen können. Dies führte unter anderem dazu, dass veraltete Brandschutznormen überarbeitet wurden – was den Holzbauboom erst ermöglichte. 

 

Welches sind die Vorteile von Holz gegenüber anderen Baumaterialien?

Der Holzbau bietet bei der Nachverdichtung grosse Vorteile, weil Holz leicht ist. Beim Aufstocken kommt viel Gewicht auf ein bestehendes Gebäude, wegen der zusätzlichen Last muss das Fundament nachbearbeitet werden. Diesen Zusatzaufwand vergisst man gerne, wenn es um das Thema verdichtetes Bauen geht – mit Holz fällt er geringer aus. Auch bei Neubauten punktet Holz dank seiner Verbindung aus Ästhetik und Tragfähigkeit: Alles ab 50 Zentimetern über dem Boden lässt sich heute aus Holz bauen. Unsere Branche ist sehr innovativ, so nutzen wir BIM (Building Information Modeling) schon seit über 20 Jahren. Bei dieser Methode werden alle relevanten Daten zu einem Bauwerk in einem 3D-Modell kombiniert. Die Arbeit mit solchen «digitalen Zwillingen» vereinfacht den Bauprozess markant. Dank Vorfertigung verringert sich zudem die Zeit auf dem Bau, wir können in warmen, vor der Witterung geschützten Hallen in hoher Qualität produzieren. Durch die vorgängige genaue Planung entstehen nur ganz wenige Abfälle. Temporäre Bauten wie zum Beispiel Turnhallen oder Schulzimmermodule lassen sich innert weniger Monate erstellen und ressourcenschonend wieder abbauen

Nachhaltigkeit von Holz

Um zu wachsen, entnehmen Bäume der Atmosphäre Kohlendioxid: In 1 Kubikmeter Holz ist rund 1 Tonne CO2 gespeichert. Solange das geerntete Holz verbaut ist (und nicht verbrannt wird), sorgt es daher sogar für eine CO2-Reduktion – das CO2 bleibt der Atmosphäre entzogen. Gut schneidet Holz auch punkto grauer Energie ab: Das ist jene Energie, die für die Herstellung, den Transport, das Verbauen und das anschliessende Entsorgen bzw. Rezyklieren erforderlich ist. Entscheidend ist allerdings, dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, energieschonend verarbeitet wurde und möglichst kurze Transportwege zurückgelegt hat.

Also ist Holz beim Bauen immer die bessere Wahl?

Ja natürlich! Beim Bauen geht es aber nicht nur um die Frage, ob Holz, Beton, Glas oder Stahl besser ist. Alle Materialien haben positive und negative Eigenschaften. Weil Bauen teuer geworden ist, müssen wir heute vor allem smart bauen, sprich: das richtige Material am richtigen Ort verwenden, egal, ob es Beton, Glas, Stahl oder Holz ist. Holz ist immer dann heikel, wenn Wasser im Spiel ist. Deshalb kommt es, wie erwähnt, vorwiegend ab einem halben Meter über Boden zum Einsatz. Aber auch andere Materialien müssen korrekt eingesetzt werden, sonst entstehen Baumängel. Die Zukunft liegt in Material-Verbünden. So bestehen Fundamente fast immer aus Beton, während auch Tragwerke aus Holz ab einer gewissen Belastung Stahlverbindungen benötigen. Bei mehrgeschossigen Bauten wird vermehrt auf den Rohstoff Holz gesetzt. Die Decken sind aber häufig Holz-Beton Verbundsysteme, Holz in der Zugzone, Beton in der Druckzone. Ein smarter, auf die Stärken des Materials abgestimmter Verbund. Dank solcher Verbünde lassen sich auch sehr komplexe Bauten in Holzbauweise realisieren. Ich bin überzeugt, solche Verbundsysteme bieten noch beträchtliches Potenzial für Weiterentwicklungen – sowohl in der Baupraxis als auch in der Forschung. Beispiele dafür sind die geplanten Bauten am Flughafen Zürich (neues Dock A mit Tower) und in Winterthur (Hochhaus «Rocket»).

 

Steht für den wachsenden Markt überhaupt genug (heimisches) Holz zur Verfügung?

Der Holzbau Markt wächst so schnell, dass der Schweizer Wald und die Sägereien nicht mehr mithalten. Deshalb müssen wir heute rund 70 Prozent des Holzes aus dem Ausland importieren, vor allem aus dem europäischen Wirtschaftsraum. In der Regel handelt es sich um FSC-zertifiziertes Holz. Daher sehe ich ein enormes Potenzial. Doch: Die Leute wollen zwar mehr heimisches Holz und mehr Arbeitsplätze, aber niemand will Lastwägen und Industrie. Hinzu kommt, dass der Schweizer Wald kleinstrukturiert ist: Es gibt rund 250'000 private und öffentliche Waldeigentümer – und daher auch fast so viele Interessen. Der Wald dient als Nutzwald, Schutzwald, er ist Naturschutzgebiet und Erholungsraum. Dazu kommt die Herausforderung, dass der Wald, den sich veränderten Klimaverhältnisse angepasst werden muss. Wir bauen vor allem mit der Tanne, der Fichte und mit etwas Laubholz wie Buche, Eiche oder Esche. Einige dieser Holzarten werden weniger oder werden sogar in einigen Regionen der Schweiz nicht mehr in der gewünschten Menge wachsen. Selbst wenn man eine zusätzliche Million Kubikmeter Holz unseren Wäldern entnehmen würde, wäre die hiesige Holzindustrie zu klein, um diese Menge zu verarbeiten und der Bedarf des Holzbaus bei Weitem nicht gedeckt.

 

Warum vergrössert sich die Holzindustrie denn nicht, wenn die Nachfrage so hoch ist?

Die Holzindustrie ist etwas gewachsen. Das Wachstum kann aber nicht mit dem des Holzbaus mithalten. Zudem kämpft die Holzindustrie mit langen Bewilligungszeiten. Wer heute eine hohe Nachfrage hat und dafür mehr Kapazitäten benötigt, kann nicht zehn Jahre auf die Baubewilligung für ein neues Werk warten. Überall haben wir es mit Einsprachen und Prozessen zu tun, da bräuchte es beschleunigte Verfahren.

Holzbau Schweiz und Raiffeisen

Die Holzbaubranche ist stark von KMU geprägt. So hat eine Schweizer Zimmerei im Schnitt 12 Mitarbeitende. Holzbau Schweiz hilft den Betrieben, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und nachhaltig zu wachsen, indem sie Themen wie Finanzierung, Berufsbildung und Marketing übernehmen. Dazu sind Kooperationen mit kompetenten Dienstleistern nötig, die ihr Wissen und ihre Dienstleistungen einbringen. Als Bankengruppe mit starker regionaler Präsenz geniesst Raiffeisen bei Schweizer KMU grosses Vertrauen. Mit der Partnerschaft mit Holzbau Schweiz unterstützt Raiffeisen eine innovative Branche und den nachhaltigen Baustoff Holz.

Hat der Holzbau denn generell mit Nachwuchs- oder Fachkräftemangel zu kämpfen, so wie andere Branchen?

Wir sind erfreulicherweise eine der wenigen Branchen, die jedes Jahr mehr Lernende - sprich Zimmerinnen, Zimmermänner oder Holzbearbeiterinnen und Holzbearbeiter - verzeichnet. Auch auf Vorarbeiter-, Polier- und Meisterstufe sind wir gut unterwegs. Die Weiterbildungen im lebenslangen Lernen werden sehr gut besucht. Der Holzbau ist hier sehr stabil. Mehr Sorge bereitet uns das starke Wachstum und die gleichzeitig hohe Fluktuation in der Branche. Jedes Jahr braucht es 200 bis 300 Stellen mehr. Und wenn der Holzbau wächst, braucht es auch mehr Leute bei den Holzbauingenieuren, in der Holzindustrie und im Holzhandel. In diesen Branchen muss vermehrt in die Ausbildung investiert werden. Im Moment bilden vor allem die Schreiner, die Holzbauer und der Forst Nachwuchs für die gesamte Wertschöpfungskette Holz aus. Mit Digitalisierung und Automatisierung – etwa dem Einsatz von Drohnen auf Baustellen und CNC-Technologie – lässt sich nur ein Teil des Fachkräftemangels kompensieren. 

 

Was erwartet uns in Sachen Automatisierung denn noch?

Die gesamte Baubranche wird sich stark entwickeln – von Exoskeletten über digitale Brillen bis hin zu Baurobotern werden wir in den nächsten Jahren viele neue Systeme sehen. Sie werden Fleissarbeiten übernehmen, die Arbeit mit schweren Lasten reduzieren und Vermessungen vereinfachen. Manchen macht diese Entwicklung Angst, doch wir sollten sie als Chance sehen. Sie machen Bauberufe für Junge sicher spannender und zukunftsfähiger. Eine der wichtigsten Aufgaben für Holzbau Schweiz und den Dachverband Lignum (Holzwirtschaft Schweiz) ist es, vielversprechenden Nachwuchs zu fördern. Denn nur mit neuen Ideen und frischem Engagement kann unser gemeinsames Wachstum gedeihen. Wie ein Wald, der auf gesunde Jungbäume angewiesen ist, um sich weiterzuentwickeln.

Holzbau Schweiz

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Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum

Der Branchenverband Holzbau Schweiz versteht sich als Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für die ganze Holzbaubranche. Er vertritt die Branche in der Politik, arbeitet mit Bildungs- und Forschungsinstitutionen zusammen und übernimmt übergeordnete Aufgaben wie Marketing oder die Ausarbeitung von Gesamtarbeitsverträgen. Eine zentrale Aufgabe ist die Aus- und Weiterbildung: Als Trägerverband des Dachverbandes der Schweizer Holzwirtschaft Lignum engagiert sich Holzbau Schweiz in der Organisation und Weiterentwicklung der Grundbildung und höheren Berufsbildung der Branche.

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