Wissenswertes zur Unternehmensfinanzierung

«Finanzierung ist keine Hexerei»

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Wer investieren will, sollte nicht alles aus der eigenen Tasche finanzieren. Denn das kann teurer sein. Raiffeisen-Experte Daniel Hollenstein sagt im Interview, weshalb ein hoher Eigenfinanzierungsgrad selten optimal ist.

Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden Raiffeisen Schweiz

Daniel Hollenstein erklärt: «Wir zeigen unseren Kunden, dass eine Finanzierung keine Hexerei ist.»

Nur gut 30 Prozent der Schweizer KMU haben einen Bankkredit. Wieso nur so wenige?

Viele KMU haben keine Bankkredite, weil sie sich selbst finanzieren. Das heisst, der Unternehmer ist in der Lage, die Ersatz- und Neuinvestitionen aus dem laufenden Geschäft zu erarbeiten, was eine hervorragende unternehmerische Leistung darstellt. Und anders als in unseren Nachbarländern holen sich Schweizer KMU das nötige Kapital vielfach auch bei Familie und Freunden. Zudem werden Bankprozesse wohl als kompliziert und aufwendig angesehen. Und oft dürften auch eine gewisse Angst vor Abhängigkeit oder Kontrollverlust vorhanden sein oder bereits das ungute Gefühl bestehen, sowieso keine Finanzierung zu erhalten.
 

Was macht die Bank, um diese Hemmschwellen zu senken?

Als Dienstleisterin müssen wir vor allem gut zuhören. Zentral sind die geografische Nähe zum Kunden sowie der persönliche Kontakt. Beides fördert das gegenseitige Verständnis und hilft, Vorbehalte abzubauen. Wir zeigen unseren Kunden, dass eine Finanzierung keine Hexerei ist.
 

Gibt es so etwas wie die ideale Finanzierung?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, sondern muss individuell für jedes Unternehmen beziehungsweise die jeweilige spezifische Finanzierungssituation betrachtet werden. Im Gespräch mit dem Unternehmer erörtern wir die Bedürfnisse und versuchen, ein optimales Finanzierungspaket zu schnüren.
 

Ist die billigste Lösung auch die beste?

Nein. Der Preis des Kredits hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa Risiko, Laufzeit oder spezielle Eigenheiten wie beispielsweise die monatliche Amortisation beim Leasing. Das optimale Instrument ist dabei nicht unbedingt das mit dem tiefsten Zinssatz.
 

Was braucht es für eine erfolgreiche Bankfinanzierung?

Anders, als viele vielleicht denken, stehen bei der Beurteilung eines Finanzierungsantrags nicht allein Zahlen im Zentrum. Sogenannt weiche Faktoren sind ebenfalls wichtig. Dazu zählen gegenseitiges Vertrauen, eine offene und transparente Kommunikation und nicht zuletzt die Persönlichkeit des Unternehmers.
 

Die Fakten muss er aber dennoch offenlegen?

Das ist so. Es braucht sicherlich einen stimmigen Businessplan, klare und nachvollziehbare Vorstellungen zum Finanzbedarf wie auch die aktuellen Geschäftszahlen. Beim Ausarbeiten von Businessplänen unterstützen die Berater des Raiffeisen Unternehmerzentrums (RUZ) gerne. Hat der Unternehmer die Hard Facts beieinander und stimmen die weichen Faktoren, kann die Bank die Finanzierung einfach und speditiv abwickeln.
 

Und warum nicht einfach möglichst viel mit eigenen Mitteln finanzieren?

Auch Eigenkapital hat einen Preis. Dieser ist – ökonomisch betrachtet – meist höher als die Kosten der Fremdfinanzierung. Schliesslich steht Eigenkapital im vollen unternehmerischen Risiko. Aus Kosten-Risiko-Überlegungen ist ein möglichst hoher Eigenfinanzierungsgrad deshalb selten optimal – umgekehrt ist natürlich genügend Eigenkapital Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften.
 

Interview: Elisabetta Antonelli, Christoph Gaberthüel

Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden Raiffeisen Schweiz
Daniel Hollenstein, Leiter Produkte & Operations Firmenkunden Raiffeisen Schweiz

Als Leiter Produkte & Operations Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz ist Daniel Hollenstein (49) auch für den Vertrieb Zahlungsverkehr zuständig. Der studierte Betriebsökonom (HWV) absolvierte diverse Weiterbildungen, unter anderem einen «Master of Advanced Studies in Finance» an der Universität Bern.