Vorbeugen ist besser als heilen

Seit Monaten schwanken die weltweiten Finanzmärkte ausgeprägt, beherrscht von geopolitischer Unsicherheit, Inflationssorgen, einer gestrafften Geldpolitik und künstlicher Intelligenz. Wie bewältigt ein Aktienfonds-Manager seinen Job unter solch anspruchsvollen Bedingungen? Marc Hänni, der den Raiffeisen Futura – Swiss Stock verwaltet, stand uns Rede und Antwort.

Herr Hänni, die aktuelle Weltlage bereitet vielen Menschen Sorgen. Ihnen auch?

Wem tut sie das nicht? Ich wünschte, wir könnten die unnötig Menschenleben fordernden Kriege in der Welt ungeschehen machen, und manche Regierungsverantwortliche würden bei ihren Entscheidungen mehr Vernunft und Weitsicht walten lassen. Das Umpflügen der Weltordnung bringt sowohl das Sozial- als auch das Wirtschaftsgefüge aus dem Lot. Weil in vielerlei Hinsicht grosse Unsicherheit herrscht, schwankten in den letzten Monaten auch die Finanzmärkte stärker, da viele Anleger im Wechselbad schlechter und guter Nachrichten nervös ver- und gekauft haben.

 

Was beeinflusste die Achterbahn-Fahrt der Aktienmärkte im laufenden Jahr am stärksten?

In der diesjährigen Kursentwicklung gab es mindestens sechs einschneidende Ereignisse: Anfang Januar die Militär-Operation der USA in Venezuela zur Festnahme des wegen unlauterer Machenschaften verklagten Machthabers Nicolás Maduro. Die im Februar mit den boomenden Investitionen in die künstliche Intelligenz (KI) wachsende Furcht vor einer Disruption gewisser Wirtschaftsbereiche. Ende Februar der Angriff seitens der USA und Israels auf den Iran, welcher mit Vergeltungsschlägen und einer Blockade der Strasse von Hormus – einer wichtigen Schiffsroute für die weltweite Öl-Versorgung – antwortete. Der Anfang April zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenstillstand zur Öffnung der blockierten Strasse von Hormus, welcher sich dann aber als brüchig erwies. Ebenfalls im April der aufgrund starker Firmen-Resultate aus dem Technologie-Sektor einsetzende weltweite Kurs-Anstieg bei Chip-Aktien. Und schliesslich die Berichterstattung der Unternehmen, die generell erfreuliche Zahlen für ihre vergangene Geschäftsperiode sowie zuversichtliche Prognosen für das Gesamtjahr 2026 präsentierten. All dies bewirkte auch am Schweizer Aktienmarkt ein unruhiges Zickzack-Muster, das seit Jahresbeginn unter dem Strich einen Wertgewinn von rund +7.6%  per Ende September ergab, gemessen am Swiss Performance Index (SPI).

 

Wie bewahren Sie als Aktien-Fondsmanager in derart turbulenten Zeiten die Ruhe?

Mich haben mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der Finanzbranche gelehrt, nicht zu verzweifeln, wenn es an den Aktienmärkten wild zu und her geht. Mein Rezept heisst: vorbeugen statt heilen. Deshalb stelle ich bei der Verwaltung meiner Aktien-Portfolios stets hohe Qualitätsanforderungen und investiere nur, wenn diese erfüllt sind. Bevor ich eine Aktie kaufe, untersuche ich das zugehörige Unternehmen gründlich. Ein Qualitätsunternehmen muss meiner Meinung nach über ein krisenerprobtes Geschäftsmodell, Innovationskraft, ein vertrauenswürdiges und kompetentes Management sowie eine gesunde Bilanz mit geringer Verschuldung verfügen, eine langfristige Strategie verfolgen, eine solide Umsatz-, Gewinn-, Margen- und Dividendenentwicklung aufweisen und eine vorbildliche Unternehmenskultur leben. Einmal investiert, setze ich diesen Prüf-Massstab immer wieder an, um die Qualität zu verifizieren. Überzeugt sie mich nicht mehr, trenne ich mich von der Anlage.

 

Wie kommen Sie diesen Qualitätskriterien auf den Grund?

Zusammen mit meinem auf Schweizer Aktien spezialisierten Team betreibe ich ausgiebigen Research-Aufwand für die gut 140 Schweizer Unternehmen auf unserem Radar. Denn für uns genügt es bei weitem nicht, die Vielzahl relevanter Finanzdaten zu durchforsten, welche die Unternehmen unter anderem in ihren Geschäftsberichten veröffentlichen. Deshalb zapfen wir auch Informationsquellen an, die nicht jedermann zugänglich sind. Dazu gehören für uns die engen Beziehungen, die wir zu den Firmen pflegen, indem wir uns regelmässig mit Vertretern ihrer Geschäftsleitungen unterhalten. Hierbei können wir dem CEO, dem Finanzchef oder den Spartenleitern gezielte Fragen stellen. Ihre Reaktionen sprechen oftmals Bände. Von Zeit zu Zeit besuchen wir die Betriebe vor Ort, um deren Zustand zu inspizieren und die Mitarbeiter-Stimmung zu spüren. Um die Firmen mit ihren Mitstreitern zu vergleichen, gehen wir auch auf branchenspezifische Fachmessen. Bei jenen Unternehmen, in die unsere Portfolios investiert sind, halten wir zudem regelmässige «Governance Calls» mit Vertretern von deren Verwaltungsräten ab, um ihren Puls zu nehmen. Anhand der gesammelten Erkenntnisse aus diesen diversen Quellen, versuchen wir, uns ein möglichst ganzheitliches Bild jedes untersuchten Unternehmens zu machen. Darauf basierend schätzen wir schliesslich ein, ob seine Aktie günstig, fair oder teuer bewertet ist.

 

Welche Rolle spielt KI dabei?

KI liefert einen Teil meiner Entscheidungsgrundlage, indem sie mir hilft, mit wenig Aufwand die relevanten Wirtschafts- und Unternehmensdaten aus der Vergangenheit zusammenzutragen. Sie unterstützt mich also auf der quantitativen Seite. Doch die qualitative Beurteilung überlasse ich ihr nicht. Dafür braucht es meiner Meinung nach weiterhin Menschen mit Erfahrung und einem Gespür für Warnsignale, die nicht nur aus Zahlen ersichtlich sind, sondern etwa aus einem Diskussionsverlauf oder der Körpersprache des Gegenübers.

 

Wie stark wird KI Ihrer Meinung nach die Aktienmärkte künftig beeinflussen?

KI dürfte für die Aktienmärkte vorderhand ein wichtiges Thema bleiben. Aufgrund der stark gestiegenen Aktienkurse sind allerdings immer mehr Anleger vorsichtiger geworden. Was für sie jetzt zählt, sind Unternehmen, deren KI-Investitionen sich schliesslich auszahlen in der Form höherer Umsätze oder niedrigerer Kosten.

 

Wie schätzen Sie das Anlageumfeld in absehbarer Zukunft ein?

Im Vorfeld der für November anstehenden US-Zwischenwahlen ist mit erhöhter Marktvolatilität zu rechnen. Je nach Ausgang der Wahlen könnte sich zumindest die politische Unsicherheit zum Teil legen. Die geopolitische Unsicherheit bleibt jedoch hoch, solange die Konflikte in Nahost und der Ukraine nicht gelöst werden. Da die Öl-Transporte durch die Strasse von Hormus und das Rote Meer weiterhin eingeschränkt sind, dürften die Energiepreise vorderhand auf erhöhtem Niveau bleiben. Kursstützend wirken dürfte, dass trotz kriegsbedingt ungünstiger Geopolitik und zollbedingt nachteiliger Handelspolitik viele Unternehmen für die vergangene Geschäftsperiode solide Ergebnisse publiziert und mehrheitlich ebensolche Prognosen für das Gesamtjahr 2026 vorgelegt haben. Zudem deuten wichtige Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft auf einen Aufschwung hin, auch dank der robusten US-Konjunktur.

 

Wie steht es um die Schweizer Wirtschaft?

Die Konjunktur der Schweiz hat sich im internationalen Vergleich bisher als widerstandsfähig erwiesen, nicht zuletzt dank ihrer zahlreichen finanziell soliden und defensiv ausgerichteten Unternehmen. Weil die Inflation in der Schweiz trotz gestiegener Energiepreise immer noch mild ist, sieht die Schweizerische Nationalbank (SNB) keinen Bedarf, ihren Null-Zins zu erhöhen. Wichtiger Faktor bleibt der Schweizer Franken, der in Zeiten erhöhter globaler Unsicherheit oftmals als sicherer Hafen gesucht ist. In der Vergangenheit kam es sogar schon vor, dass die SNB am Devisenmarkt eingriff, wenn sie die Wirtschaft durch einen zu starken Franken gefährdet sah. Doch die typischerweise exportlastigen Schweizer Unternehmen haben längst mit Frankenstärke umzugehen gelernt mittels ihrer Innovationskraft, der Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen sowie der daran geknüpften Preismacht.

 

Was bedeutet dies für den Schweizer Aktienmarkt?

Insgesamt bin ich für den Schweizer Aktienmarkt vorsichtig optimistisch gestimmt. Interessante Anlagechancen sehe ich nach wie vor bei kleinen und mittelgrossen Schweizer Qualitätsunternehmen. Ich halte viele von ihnen für attraktiv bewertet gegenüber dem langfristigen Durchschnitt und bin der Meinung, dass eine weitere Belebung der europäischen Wirtschaft oder eine Stabilisierung in China sie begünstigen würde. Die «Small & Mid Caps» nehmen im Portfolio auch deshalb eine wichtige Rolle ein, weil der Raiffeisen Futura – Swiss Stock aus Nachhaltigkeitsgründen in einige «Large Caps» nicht investiert.

 

Wie haben Sie den Raiffeisen Futura – Swiss Stock demzufolge positioniert?

Im gegenwärtigen globalen Umfeld, das von geopolitischen Risiken, höheren Zinsen und ambitiösen Erwartungen an KI beherrscht wird, investiere ich in Schweizer Qualitätsunternehmen, die ich auf die lange Frist als finanziell solid erachte. Das Portfolio dynamisch im Einklang mit den ändernden Marktbedingungen verwaltend, baute ich zuletzt die bestehenden Positionen in Novartis, Sandoz, Swisscom und Temenos weiter aus und verringerte die bestehenden Positionen in Lindt & Sprüngli, Richemont, Roche und Swatch Group. Die Position in Aryzta schloss ich gänzlich. Nach wie vor halte ich defensive und zyklische Namen verschiedener Grösse im gut diversifizierten Portfolio. Erstere sind besser gegen ungünstige Bedingungen gefeit, letztere können von günstigen Bedingungen stärker profitieren. Damit beabsichtige ich, den Raiffeisen Futura – Swiss Stock für beide Marktumfelder zu wappnen, damit er Schwankungen nach unten und oben gegeneinander abfedern kann.

 

Welchen Rat geben Sie Anlegern zum Schluss mit auf den Weg?

Ich rate davon ab, kurzfristigen Trends nachzujagen. Ich selbst nehme stattdessen unter einem langfristigen Blickwinkel finanzstarke Qualitätsunternehmen in das Portfolio, diversifiziere es breit, überwache es sorgfältig, passe es bei Bedarf flexibel an und bleibe geduldig.

Marc Hänni
«Bevor ich eine Aktie kaufe, untersuche ich das zugehörige Unternehmen gründlich.»

Marc Hänni

Senior Portfolio Manager, Head of Swiss Equities

Marc Hänni leitet das Team Aktien Schweiz innerhalb von Conviction Equities bei Vontobel seit Oktober 2011. Zum Team kam er 1998, bei Vontobel arbeitet er seit 1993. Nach der Banklehre studierte er berufsbegleitend an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und schloss als Betriebsökonom FH ab. Er ist ausserdem Certified International Wealth Manager (AZEK-CIWM). Er verwaltet diverse Anlagefonds und Mandate, die in Schweizer Aktien investieren. Dazu gehört auch der Raiffeisen Futura – Swiss Stock, welcher per Ende September 2026 Kundenvermögen von rund CHF 1.7 Milliarden vereint.

Was bedeutet eigentlich?

«Small Caps», «Mid Caps», «Large Caps»

Diese englischen Begriffe bezeichnen Aktien mit kleiner (small), mittlerer (mid) oder grosser (large) Marktkapitalisierung.

Chancen

  • Nachhaltigkeit
    Der Fonds investiert in Schweizer Qualitätsunternehmen, die nachhaltig wirtschaften. Diese Unternehmen zeichnen sich verstärkt durch nachhaltige Geschäftsmodelle aus, welche längerfristige Risiken erkannt haben und Chancen frühzeitig nutzen. Somit können durch die systematische Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien diese Risiken gemindert und Chancen wahrgenommen werden.
  • Wissensvorsprung
    Sie können auf Spezialisten zählen, die dank ihren regelmässigen direkten Firmenkontakten, Betriebsbesichtigungen, Fachmesse-Besuchen, Kontakten zu Konkurrenten und vielem mehr einen Wissensvorsprung gewinnen, um den Unternehmenswert
    einzuschätzen und abzuwägen, ob die aktuellen Aktienkurse ein
    Engagement rechtfertigen.
  • Aktives Management
    Der Fondsmanager wählt aus dem streng nachhaltigen Anlageuniversum die meistversprechenden Chancen basierend auf eingehenden Finanzanalysen und stimmt die Fonds-Anlagen unter strikter Risikokontrolle stets mit den neusten Marktentwicklungen ab.
  • Anlegerschutz
    Der Fonds ist dem Kollektivanlagegesetz unterstellt und das investierte Kapital gilt als Sondervermögen, was Sie als Anleger entsprechend schützt.
  • Stimmrechtsausübung
    Die Stimmrechtsausübung an den Generalversammlungen wird mit der Unterstützung von Ethos durchgeführt mit dem Ziel, positive Veränderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) zu bewirken.
  • Vermögensaufbau
    Durch regelmässige Einzahlungen via Fonds-Sparplan können Sie Ihr Vermögen systematisch aufbauen.

Risiken

  • Wertschwankungen
    Es sind markt-, branchen- und unternehmensbedingte Wertschwankungen möglich. Aktien kleiner bis mittelgrosser Unternehmen können weniger kursstabil sein als jene grösserer Unternehmen.
  • Handelbarkeit
    Aktien kleiner bis mittelgrosser Unternehmen können allenfalls weniger gut handelbar sein als jene grösserer Unternehmen.
  • Partizipation
    Die Teilhabe am Aufwärtspotenzial pro Einzeltitel ist aufgrund der Diversifikation im Fonds beschränkt.
  • Anlageentscheide
    Der Fonds berücksichtigt Nachhaltigkeitskriterien. Somit ist der Fondsmanager bei seinen Anlageentscheiden gebunden, was den Fondswert beeinträchtigen oder begünstigen kann. Weder die Analysen der einzelnen Unternehmen auf ihre Werte noch die aktiven Anlageentscheide des Fondsmanagers bieten eine Erfolgsgarantie.
  • Anteilswert
    Der Fonds-Anteilswert kann unter den Kaufpreis fallen, zu dem Sie Ihren Anteil erworben haben.