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16.08.2019

«Schwarzer Schwan» in Argentinien

Der August wird seinem Ruf als volatiler Börsenmonat in diesem Jahr mehr als gerecht. Am Montag fiel der argentinische Leitindex Merval um 38 Prozent und verbuchte da-mit den höchsten Tagesverlust in 70 Jahren.

Die kommenden Tage dürften an den Finanzmärkten volatil bleiben. Denn der aktuelle Kursaus-reisser an den Finanzmärkten Argentiniens entsprach 17 Standardabweichungen einer durchsch-nittlichen täglichen Kursveränderung und sollte statistisch betrachtet nicht einmal in tausend Jahren vorkommen. Dies zeigt einmal mehr: Die Kursentwicklungen an den Finanzmärkten sind langfristig betrachtet nicht «gleichverteilt» – immer mal wieder gibt es negative Ausreisser.

 

Erneute Zahlungsunfähigkeit?

Ursache für den «Schwarzen Schwan» war der klare Sieg des peronistischen Oppositionskand-idaten Fernández. Bei den Vorwahlen, die als eine Art offizieller Umfrage für die Oktober-wahlen gelten, lag er mehr als 15 Prozentpunkte vor dem derzeitigen Präsidenten Macri. Dutzende Wa-hlumfragen sahen in den letzten Wochen nur einen knappen Vorsprung für die Opposition. Die Anleger wurden daher auf dem falschen Fuss erwischt. Würde Fernández im Herbst das Ruder der Macht übernehmen, hätte er die ehemalige Präsidentin Kirchner im Schlepptau. Investoren befürchten, dass ihr politisches Comeback eine Rückkehr zu den Preis-, Devisen- und Kapital-kontrollen früherer Regierungen bedeuten würde. In seiner Geschichte musste Argentinien bereits zwölf Mal die Zahlungsunfähigkeit erklären. Dass dies auch ein dreizehntes Mal passiert, ist nun nicht mehr ausgeschlossen.
 

 

Finanzmärkte bleiben volatil

Mit etwas Abstand betrachtet sind die Entwicklungen in Argentinien derzeit nur einer von diversen geopolitischen «Hotspots». Auch die Unruhen in Hongkong, die Regierungskrise in Italien, das endlose «Brexit»-Chaos sowie das Hin und Her im Handelsstreit strapazieren die Nerven der Anleger. Bei Letztem scheint sich das Zeitfenster für einen Kompromiss fürs Erste endgültig geschlossen zu haben. Auch das «Geschenk» von US-Präsident Trump – das Aussetzen eines Teils der für September angedrohten zusätzlichen Zölle – stärkt nicht unbedingt das Vertrauen zwischen den Streitparteien oder das der Anleger. Die kommenden Tage dürften an den Finanzmärkten volatil bleiben. Dies kann demnächst zwar durchaus Chancen eröffnen. Vorerst gilt es aber eine gewisse Vorsicht an den Tag zu legen.