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Alles eine Frage der Bewertung
«The Dollar is too strong […] and it’s killing us» – Mit diesen drastischen Worten wurde Donald Trump als frisch gewählter US-Präsident Anfang 2017 im «Wall Street Journal» zitiert. Seine Meinung hat sich seitdem nicht geändert.
Die als «unfair» empfundenen, durch vermeintlich künstlich tief gehaltenen Währungen erwirt-schafteten Handelsüberschüsse anderer Länder sind nach wie vor im Visier der amerikanischen Regierung. Diese Woche holte Trump auf seinem «Haussender» Twitter wieder einmal zum Rundumschlag aus. Eine Mitteilung des Nachrichtendienstes Bloomberg erregte sein Gemüt. Demnach können sich europäische Touristenziele vor Besuchern kaum mehr retten. Grund dafür könne laut Donald Trump nur sein, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar unterbewertet sei.
Unterbewerteter Euro?
Ein Fünkchen Wahrheit scheint in den Worten des US-Präsidenten zu stecken. Gemäss verschie-denen Bewertungsmodelle ist der Euro tatsächlich unterbewertet. Die OECD beziffert die Unter-bewertung beispielsweise auf 22 Prozent. Auch laut dem «Big-Mac-Index», der den Preis des Burgers von McDonald’s zum aktuellen Kurs in US-Dollar umrechnet, ist die Einheitswährung um rund 15 Prozent zu billig. Doch so einfach ist es nicht. Ein anderes Modell, das auf die Kauf-kraftparität zwischen den zwei Währungsräumen anhand der Konsumentenpreise abstellt, kom-mt zum Ergebnis einer nahezu fairen Bewertung. Zudem muss beachtet werden, dass Währu-ngskurse den grössten Teil der Zeit vom angenommenen fairen Wert abweichen. Kurz- und mittelfristig überwiegen andere Faktoren wie Zinsen, Wachstum oder politische Entwicklungen.
Blick auf die Preischarts
Einer der Haupttreiber beim EUR/USD-Kurs war in den letzten Jahren die Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und den USA. Der Höhepunkt in der divergierenden Geldpolitik zwischen der Europäischen Zentralbank auf der einen und der Fed auf der anderen Seite dürfte nun aber überschritten sein. Das geldpolitische Pendel schwingt nun zu Gunsten des Euros aus. Auch beim Blick auf die Preischarts hellt sich das Bild auf. Im letzten Jahr hat die Abwärtsdynamik des EUR/USD-Kurses spürbar abgenommen. Jüngst ist nun auch der Sprung über den seit Herbst bestehenden Abwärtstrend gelungen. Das Mai-Tief könnte für dieses Jahr den Tiefpunkt beim EUR/USD-Kurs markiert haben.