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03.02.2020

Anlass zur Korrektur

Die positiven Prognosen von Anfang Jahr haben einen beachtlichen Rückschlag erlitten. Das insbes-ondere in China grassierende Coronavirus bedroht derzeit nicht nur die Gesundheit, es könnte auch die Konjunktur schwächen.

In den vergangenen Wochen haben wir in diesen Zeilen vermehrt auf die heissgelaufene Chart-technik der Aktien-märkte und die positive bis euphorische Stimmung unter den Anlegern hin-gewiesen. Eine Korrektur war unserer Meinung nach überfällig – es fehlte nur der Anlass. Diesen haben die Finanzmärkte nun serviert bekommen – in Form des sich seit Mitte des Monats immer schneller ausbreitenden Coronavirus in China. Dieses lässt bei den In-vestoren Erinnerungen an die SARS-Pandemie 2002/2003 wach werden. Damals sorgte die Lungenkrankheit nicht nur für eine Abkühlung der Konjunktur in Asien, sondern auch für einen deutlichen Rücksetzer an den Aktienmärkten.

 

 

China als globaler Player

Betrachtet man die heutige Bedeutung Chinas für die globale Konjunktur, dann erscheinen Konjunktursorgen auf den ersten Blick durchaus berechtigt. Denn während China damals nur 4 Prozent der Weltwirtschaft ausmachte, sind es heute 17 Prozent. 2003 kostete das SARS-Virus die chinesische Wirtschaft einen ganzen Prozentpunkt an Wachstum. Sollte die Gefährlichkeit der Krankheit diesmal ähnlich hoch wie vor 17 Jahren sein, dann wären die Auswirkungen wohl auch global spürbar. Gemäss den Informationen der letzten Tage ist dieses Negativszenario je-doch wenig wahrscheinlich. Zum einen handeln die chinesischen Behörden diesmal schneller und kommunizieren offener. Insbesondere ist aber die Mortalitätsrate diesmal mit 2-3 Prozent anstatt 10 Prozent deutlich tiefer. Im Hauptszenario wird die vom Coronavirus übertragene Lungenkrankheit ein lokales Phänomen bleiben – und somit für die Finanzmärkte nur eine Anekdote. Schon bald dürften sich die Anleger wieder gewichtigeren Themen widmen.

 

 

Zurückhaltung an den Aktienmärkten

Am Korrekturbedarf bei Aktien ändert dies freilich wenig. Betrachtet man beispielsweise den Abstand des amerikan-ischen S&P 500-Index von seiner 200-Tage-Durchschnittslinie, ist dieser ähnlich gross und überdehnt wie vor zwei Jahren. Damals folgte auf einen starken Börsenmonat Januar ein sehr schwacher Februar. Um die derzeit nach wie vor überkaufte Situation in den Aktienindizes einigermassen abzubauen, wären weitere Kursrückgänge von 2-4 Pro-zent nötig. Was Neuengagements bei Aktien angeht, macht eine gewisse Zurückhaltung momentan daher durchaus Sinn. Für taktisch versierte Anleger bieten sich selektiv auch Gewinnmitnahmen an.

 

Oliver Hackel, Leiter Makro & Investment Strategy