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Brüssel sitzt am längeren Hebel
Nun ist es also soweit: Die EU und die Schweiz sind sich nicht einig geworden und da-mit läuft die Bö-rsenäquivalenz aus. So dürfen Schweizer Aktien ab nächster Woche ausschliesslich noch an der Schweiz-er Börse gehandelt werden. Doch Hektik bricht de-shalb weder in der Schweizer Politik noch an der Sch-weizer Börse aus.
Die Europäische Kommission macht ernst – ohne Einigung in letzter Minute läuft die Börsen-äquivalenz für die Sch-weiz Ende Juni aus. Marktteilnehmer aus der EU dürfen dann Schweizer Aktien „nur“ noch an der Schweizer Börse handeln. In Brüssel ist man der Ansicht, dass mit Blick auf die Verhandlungen zum Rahmenabkommen ein Schuss vor den Bug nötig ist. Und in Bern ist man etwas zu optimistisch gewesen, als man diesem Abkommen am 7. Juni zwar im Prinzip zustimmte, aber dennoch diverse «Klärungen» verlangte.
Schweizer SIX dürfte kurzfristig als Gewinnerin hervorgehen
Hektik bricht deshalb aber weder in der Schweizer Politik noch an der Schweizer Börse aus. Denn hinter den Kuli-ssen wird schon seit einem halben Jahr der «Plan B» vorbereitet. Konkret wollen die Schweizer den Spiess einfach umdrehen und ihrerseits ausländische Handelsplätze, die Wertpapiere von Schweizer Unternehmen zum Handel anbieten wollen, nicht mehr aner-kennen. Schweizer Aktien würden dann nur noch «unregelmässig», «ad-hoc» und in «nicht systematischer Weise» in der EU gehandelt werden. Die Handelsverpflichtung der EU-Kom-mission würde damit hinfällig. Schweizer Aktien dürften dann ausschliesslich noch an der Sch-weizer Börse (SIX) gehandelt werden. Die SIX könnte somit aus dem Diskurs um die Börsen-äquivalenz kurzfristig als Gewinnerin hervorgehen. Vorbereitet ist man jedenfalls – in den vergangenen Monaten hat man sich direkt mit sämtlichen Kunden in Verbindung gesetzt, um eine reibungslose Fortsetzung des Handels zu ermöglichen.
Übermut ist fehl am Platz
Doch selbst wenn die Schweiz diesmal als vermeintlicher Sieger hervorgeht – Übermut ist fehl am Platz. So hat das Parlament bereits entschieden, die neuen Kohäsionsbeiträge an ausgewähl-te EU-Staaten nur dann auszuzahlen, wenn die Anerkennung der Börse fortbesteht. Sollte diese Linie beibehalten werden, dürfte dies in Brüssel weiteren Unmut auslösen. Dort diskutiert man hinter den Kulissen bereits weitere Strafaktionen. In den kommenden Mon-aten ist daher dip-lomatisches Geschick gefragt. Um das Rahmenabkommen mit der EU unter Dach und Fach zu bringen, sind Fortschritte in den Gesprächen mit den Gewerkschaften, unter anderem beim Thema Lohnschutz, zwingend notwendig. Sollte keine gemeinsame Linie gefunden werden, so kann man sich eine erneute Reise nach Brüssel nach den Sommerferien wohl sparen.