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Chinas Spagat zwischen Reform und Stimulus
DieReformagenda der chinesischen Regierung hat in den letzten zwölf Monatenspürbar an Fahrt aufge-nommen. Doch die unvermeidlichen Bremsspuren in derWirtschaft werden immer deutlicher sichtbar. Das letzte Woche bekanntgegebeneWachstumsplus von 6,5 Prozent war ein neuer Tiefpunkt auf dem Weg zu niedrigerenWachstumsraten.
Der Handelskrieg mit den USAkommt in dieser Situation mehr als ungelegen. Und die Baisse am Aktienmarktdr-ückt ebenfalls auf die Stimmung. Seit Jahresbeginn hat derShanghai-Composite-Index mehr als 20 Prozent an Wert eingebüsst, was dieKonsumlust in der aufstrebenden Mittelschicht zusätzlich dämpft. Für dieKommunistische Par-tei hat «Stabilität» daher momentan oberste Priorität.
Liquiditätsspritzensorgen für bessere Konditionen
Entsprechend schnell hat dieRegierung in den letzten Wochen reagiert: Die Notenbank hat dieMindestreservean-forderungen für Banken mehrfach gesenkt und Liquiditätsspritzenverabreicht, was für eine Senkung der Refinanzie-rungskonditionen gesorgt hat.Auch von fiskalischer Seite gibt es Unterstützung. So sind die Lokalregierungendazu angehalten mehr Schuldscheine auszugeben, deren Erlöse letztlich in neueInfrastrukturprojekte fliessen sollen. Zudem wurden vielfältigeSteuererleichterungen bekanntgegeben. Eine neue Stimuli-Welle ist alsounterwegs.
Im Vergleich mit demmassiven Investitionsprogramm 2008/09 oder den Stützungsmassnahmen 2015/16dürfte die aktuelle Episode aber weitaus weniger Schlagkraft haben. So wird dieharte Gangart gegenüber Schattenbanken fortgesetzt, auch «Problemkredite»werden weiterhin offensiv angegangen. Zudem bleibt der heissgelaufeneImmo-bilienmarkt unter Beobachtung. In der Summe dürfte die Kombination ausanhaltendem, aber gebremsten Refor-meifer und einer vergleichsweisekontrollierten Stimulierung zwar das Risiko eines Wachstumseinbruchs mindern,ein neuer Boom wird aber kaum entfacht werden.
VerbaleInterventionen sorgen für Verschnaufpause
Auch am Aktienmarkt dürftesich die Interventionslust in Grenzen halten. Beim letzten Crash chinesischerAktien Mitte 2015 war es am Ende der Staat, der Milliardenbeträge in den Marktpumpte und den Kursverfall stoppte. Doch eine Gewöhnung der spekulationswütigenBevölkerung an derlei Rettungsaktionen dürfte kaum im Interesse von Peking seinund würde dem Bemühen zuwiderlaufen, die extrem hohe Verschuldung derWirtschaft zu reduzie-ren. Einigen Unternehmen, die ihre eigenen Aktien fürKredite verpfändet haben, dürfte zwar unter die Arme gegrif-fen werden.Ansonsten blieb es in den letzten Tagen aber bei verbalen Interventionen. Auchdiese ermöglichten An-legern zumindest eine temporäre Verschnaufpause. Selbstwenn die Bewertung chinesischer Aktien inzwischen wie-der relativ günstig istund das eingetrübte Sentiment zu einem antizyklischen Einstieg lockt, sind die(politischen) Risiken nach wie vor hoch. Anleger sollten ihr Pulver vorerstweiterhin trocken halten.