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Erst Hoffnung, dann Resignation
Die Aktienmärkte sind mit Schwung in die neue Handelswoche gestartet. Der Swiss Market Index (SMI) kletterte zeitweise bis auf über 11’800 Punkte. Grund dafür war die Hoffnung der Anleger, dass die Lockdowns in China in Bälde aufgehoben werden und sich dadurch die Lieferengpässe in der Industrie entschärfen.
Stimmungsaufhellend wirkten zudem die neuesten Einzelhandels- und Industriedaten aus den USA. In der zweiten Wochenhälfte machte sich unter den Börsianern dann aber Resignation breit. Die Bremsspuren der Corona-Lockdowns in der chinesischen Wirtschaft sind unübersehbar – im Reich der Mitte ist die Industrieproduktion im April gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent gefallen. Die weltweiten Produktions- und Lieferengpässe werden nicht von heute auf morgen verschwinden. Zudem rückten die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell, dass die US-Noten-bank die geldpolitischen Zügel so lange anziehen werde, bis die Inflation unter Kontrolle sei, die Zinssorgen erneut in den Vordergrund. Die im April unverändert bei 7,4 Prozent liegende Euro-Inflation trug ihr Übriges dazu bei. Die Schweizer Börse legte infolgedessen wieder den Rück-wärtsgang ein – dies zeigt, dass es für eine nachhaltige Erholung nicht Hoffnung, sondern positive Wirtschaftsdaten benötigt.
Berichtssaison neigt sich dem Ende zu
Die Berichtssaison neigt sich derweil ihrem Ende zu. Diese Woche rapportierten vor allem Unter-nehmen aus der zweiten Reihe. Der Schuhhersteller On ist im ersten Quartal deutlich gewachsen (Umsatz: +68 Prozent). Ebenfalls ein Umsatzplus hat der Hörgerätespezialist Sonova für sein Ende März abgelaufenes Geschäftsjahr 2021/22 ausgewiesen. Bei beiden Unternehmen stehen jedoch aufgrund steigender Produktionskosten die Margen unter Druck. Wenig erfreuliche Na-chrichten gab es von Dätwyler: Der Industriezulieferer hat aufgrund der anhaltenden Probleme in den globalen Lieferketten seine Prognosen für 2022 kassiert – die Aktie quittierte das mit einem Minus von bis zu 18 Prozent.
EU-Kommission senkt Wachstumsprognose
Angesichts des fortwährenden Ukraine-Krieges hat die EU-Kommission ihre Wachstumspro-gnosen für die Eurozone für 2022 von 4,0 Prozent auf 2,7 Prozent zurückgenommen. Zugleich hat sie ihre Vorhersage für die Jahresinflation mit 6,1 Prozent fast verdoppelt. Positive Nach-richten gab es immerhin in Sachen Verschuldung: Das Budgetdefizit im Währungsraum dürfte im laufenden Jahr von 5,1 Prozent auf 3,7 Prozent fallen – im Corona-Jahr 2020 lag dieses bei gut 7 Prozent.