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Jahresendprognosen 2020
Die Prognosen über die konjunkturellen Aussichten im 2020 treffen wie gewöhnlich zum Jahresende hin ein. Dabei ist besonders die Wall Street optimistisch gesinnt. Ein Überblick.
Auf Weniges können sich Anleger so sehr verlassen wie auf die jährlich wiederkehrenden Kurs-prognosen in der Vorweihnachtszeit. Dass Punktprognosen auf Sicht von zwölf Monaten einer Lotterie gleichen und bestenfalls als ein Signal für die erwartete Markttendenz herhalten kön-nen, sollte dabei jedem Investor bewusst sein. Ob zweckdienlich oder nicht – die Nachfrage nach Prognosen aller Art ist da. Und so machen bekanntlich auch wir regelmässig Vorhersagen zu Wachstum, Inflation, Zinsen und Währungen.
Positive Aussichten für das 2020
Besonders verlässlich sind in puncto Prognosen die Analysten an der Wall Street. Jahr für Jahr prognostizieren sie für den US-Leitindex S&P500 eine knapp zweistellige Rendite. Sind die Ame-rikaner einfach nur unverbesserliche Optimi-sten? In diesem Fall kann man ihnen dies sicher nicht vorwerfen, denn die Prognose kommt nicht von ungefähr – in den letzten 30 Jahren lag der Gesamtertrag (Kursgewinn plus Dividende) für den Blue-Chip-Index nämlich bei 9.9% pro Jahr. Aus Sicht von mehreren Jahren liegt man mit der Formel 8 + x also zumindest nicht so weit daneben. Auch in diesem Jahr sind die Banken beim Aktienausblick aufs nächste Jahr positiv gestimmt. Gemessen an den Kurs-prognosen für den S&P500 in 2020 hält sich der Optimismus aber in Grenzen. Diese reichen von 3‘000 Punkten (Morgan Stanley) bis 3‘425 Punkten (Credit Suisse) und sehen US-Aktien Ende nächsten Jahres damit im Durch-schnitt gerade einmal 3-4% höher als derzeit. Damit ist die durchschnittlich erwartete Rendite so tief wie zuletzt von 15 Jahren.
Falscher Optimismus?
Fehlt den Profis nach dem herausragend positiven Abschneiden der Börsen in diesem Jahr ein-fach nur die Vor-stellungskraft? Gründe für nicht noch höhere Ziele finden sich genug: Aktien sind inzwischen wieder stattlich be-wertet, die Konjunktur hat bisher noch keinen nachhaltigen Boden gefunden und mit der US-Präsidentschaftswahl steht bereits wieder das nächste poli-tische Grossereignis vor der Tür. Die lockere Geldpolitik ist einer der wenigen Pluspunkte, die auch 2020 bestehen bleiben. Macht also 3:1 in der Schnellabrechnung. Ob die überwältigende Mehrheit diesmal richtig liegt, werden wir wie immer erst in einem Jahr feststellen.
Oliver Hackel, Leiter Makro & Investment Strategy
((ZITAT))
« Gründe für nicht noch höhere Ziele finden sich genug: Aktien sind inzwischen wieder stattlich bewertet, die Konjunktur hat bisher noch keinen nachhaltigen Boden gefunden und mit der US-Präsidentschaftswahl steht bereits wieder das nächste politische Grossereignis vor der Tür. Die lockere Geldpolitik ist einer der wenigen Pluspunkte, die auch 2020 bestehen bleiben.»