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Klopf, Klopf – der Bär ist da... oder doch nicht?
Während Experten vor der wohl schwersten Rezession seit den 1930er Jahren warnen, galt bis vergangene Woche für die Börsen scheinbar «the sky is the limit».
So legte der Dow Jones zwischen seinem Jahrestief am 23. März und dem 9. Juni rund 47 Pro-zent zu – der Dax stieg gar über 52 Prozent. Und selbst dem Schweizer Leitindex (SMI) gelang es, trotz seines defensiven Charakters, ein Plus von 31 Prozent zu verbuchen. Auf den ersten Bl-ick mag dies paradox erscheinen, bei näherer Betrachtung spiegelt es aber zwei Grundregeln des Investierens wider. Zum einen denkt der Markt stets voraus. Zum anderen ist der Markt von Em-otionen getrieben. Angesichts der stetig sinkenden Corona-Neuinfektionen sahen die Anleger die Krise bereits gebannt und schalteten daher mental in den Vorwärtsgang. Trotz schlechter Fu-ndamentaldaten erwarteten viele eine rasche, V-förmige Erholung der Wirtschaft und so floss das Kapital wieder vermehrt in riskantere Anlagevehikel.
Wenig überraschende Kurskorrekturen
Lang lebe die Euphorie – oder eben doch nicht. Am 10. Juni verkündete die US-Notenbank den Leitzins unverändert zwischen 0 Prozent und 0.25 Prozent zu belassen. Dies war alles andere als eine Überraschung. Als Fed-Chef Jerome Powell aber überdeutlich vor den hohen Risiken der Corona-Krise für den mittelfristigen Konjunkturverlauf warnte, breitete sich Ernüchterung an den Märkten aus. Viele Anleger stiessen daraufhin Teile ihrer Portfolios ab. Sie reduzierten so Risiken und realisierten zugleich Gewinne. In Folge dessen gaben die Börsen innerhalb von zwei Handel-stagen zwischen 3 Prozent und 8 Prozent nach. Abseits aller Euphorie kam diese Kurskorrektur aber nicht wirklich überraschend. Die volkswirtschaftlichen Daten sind alles andere als rosig und auch die Charttechnik zeigte bereits seit längerem Anzeichen für eine bevorstehende Gegen-bewegung. Dass diese so deutlich ausfiel, ist in erster Linie der Emotionalität der Anleger und der daraus resultierenden hohen Marktvolatilität geschuldet.
Bären mit kurzen Gastspielen
Wir gehen davon aus, dass diese Volatilität weiter anhalten wird. Sollte eine zweite Welle des Coronavirus – so wie es derzeit den Anschein hat – ausbleiben, so werden die Bären wohl keine Dauerkarte für das Börsenparkett buchen, sondern es bei kurzen Gastspielen belassen.