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08.07.2019

Kompromisslösung mit Nebenwirkung

Nach tagelangen Diskussionen in den Brüsseler Hinterzimmern sind die Würfel im Pers-onalpoker um die Spitzenposten in der Europäischen Union gefallen. Wie so oft liegt nun ein Kompromiss auf dem Tisch.

Sollten das Europäische Parlament seinen Segen geben, so geht der Vorsitz der EU-Kommission an die Deutsche Ursula von der Leyen und der Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Französin Christine Lagarde.

Personalien überraschen

Weder die deutsche Verteidigungsministerin noch die Direktorin des Internationalen Währungs-fonds (IWF) hatte im Vorfeld jemand auf der Rechnung. Doch während von der Leyen in etwa den bisherigen Kurs ihres Vorgängers Jean-Claude Juncker weiterverfolgen dürfte, wird die Ver-gabe des EZB-Topjobs an Lagarde Nebenwirkungen haben: Die europäische Geldpolitik dürfte mindestens so locker bleiben wie unter dem Italiener Mario Draghi. Problematisch – zumindest aus Sicht der geldpolitischen Falken – sind nicht ihre mangelnde Notenbankerfahrung oder die vermeintlich fehlende fachliche Qualifikation. Ökonomen gibt es innerhalb der EZB genug. Sorgenfalten treiben den Anhängern einer stabilitätsorientierten Geldpolitik eher andere Eigen-schaften der Französin auf die Stirn: Sie ist eine höchst politische Person und hat sich in den let-zten Jahren den Ruf als Befürworterin einer extrem aktivistischen Geld- und Fiskalpolitik gem-acht.

Potenziell tiefer Fussabdruck von Lagarde

Schon im Jahr 2014 warnte sie vor dauerhaft tiefer Inflation, sie war starke Unterstützerin von Draghis «whatever it takes»-Ansatz und generell Verfechterin der unkonventionellen geldpolit-ischen Massnahmen. Auch in den letzten Monaten sprach sie sich in Anbetracht der schwächel-nden globalen Konjunktur wiederholt für Unterstützung seitens der Notenbanken aus.

Sollte Lagarde im Herbst tatsächlich in die Fussstapfen von Mario Draghi treten, dann dürfte sie an den Finanzmärkten einen mindestens ebenso grossen Fussabdruck hinterlassen. Einen Vorg-eschmack darauf konnte man diese Woche bekommen. Die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen fiel innerhalb kurzer Zeit um rund 40 Basispunkte auf ein Rekordtief von 1,56 Pr-ozent. Schon jetzt ist klar: Die am stärksten verschuldeten Staaten Europas sind die grössten Gewinner der Brüsseler Personalrochaden.