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Öl als Schmiermittel für die US-Innenpolitik
Die hohen Benzinpreise in den USA sind Donald Trump ein Dorn im Auge. Gut drei Monate vor den Halbzeitwahlen bewegen sich die Treibstoffpreise auf einem für die USA ungewohnt hohem Niveau.
Angesichts der vielfahrenden und nicht gerade auf sparsame Autos setzenden Amerikaner zeigen sich die gegenwärtigen Benzinpreise nicht unbedingt als eine ideale Wahlausgangslage für die regierenden Republikaner. Insofern überrascht es daher auch nicht, dass Präsident Trump zusehends bemüht ist, etwas dagegen zu unternehmen. So versuchte er anfangs Juli die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) unter Druck zu setzen, mehr Erdöl zu fördern und damit die Rohölnotierungen nach unten zu drücken. Das Vorgehen entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Dass insbesondere das amerikanische West Texas Intermediate (WTI) Rohöl zu Monatsbeginn auf dem höchsten Stand seit Ende 2014 handelte, ist zumindest teilweise auf Trumps Aussenpolitik zurückzuführen. Ein grosser Treiber des Anstiegs dürfte dabei hauptsächlich Trumps Iran-Politik gewesen sein, im Zuge derer dem Ölmarkt ein wesentlicher Anteil der iranischen Ölexporte entzogen wurde.
Werden nun die strategischen US-Ölreserven angezapft?
Ungeachtet dessen stösst Trumps Idee einer OPEC-Produktionsausweitung auf das Problem, dass auf die Schnelle nur geringfügige Ausweitungen gemacht werden könnten, da das Kartell bereits nahe an der Kapazitätsgrenze operiert. So liebäugelt Trump nun in Form der Freigebung eines Teils der strategischen US-Ölreserven (SPR) mit einem aussergewöhnlichen Mittel. Es wäre erst das zweite Mal in der Geschichte, dass auf die SPR ohne Not zurückgegriffen würden. Das erste Mal zapfte Bill Clinton 2000 die Reserven an, um damit – allzu durchsichtig – als Winterhilfe kaschierte Wahlkampfunterstützung für Al Gore zu leisten.
Kein drastischer Preiszerfall erwartet
Tatsächlich sanken die Benzinpreise damals leicht und auch aktuell bringt nur schon das Bekanntwerden von Trumps Überlegungen sowohl die Rohöl- als auch die Treibstoffpreise ins Rutschen. Wir glauben jedoch nicht, dass uns damit ein drastischer Preiszerfall wie 2014 bevorsteht. Erstens liegt im Vergleich zu damals am globalen Ölmarkt keine strukturelle Überversorgung vor und zweitens dürfte Trump höchstens einen Bruchteil der rund 650 Mio. Fass umfassenden Reserven auf den Markt bringen. Trotz unserer insgesamt skeptischen Einschätzung zu den Ölnotierungen, erachten wir ein Öl-Engagement gerade über strukturierte Produkte mit ausreichend tiefer Barriere für den ausgewogenen Anleger weiterhin als angebracht.