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15.07.2019

Probleme mit der Glaubwürdigkeit

Die Hoffnung war da, dass die Türkei den Weg aus der Wirtschaftskrise findet. Doch mit der Entlassung des Notenbank-Chefs hat sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdo-gan keinen Dienst getan. Derweil bleibt auch die Organisation erdölexportierender Länder unter Druck.

Wer eine weitere Politisierung der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Christine Lagarde befür-chtet, der darf gar nicht erst in die Türkei schauen. Dort hat Staatspräsident Erdogan den Chef der Notenbank Murat Cetinkaya an-fangs der Woche vor die Tür gesetzt, weil dieser nicht in seinem Sinne handelte.

Türkischer Notenbank droht Reputationsverlust

Gerne lässt Erdogan aber unter den Tisch fallen, dass die Zinserhöhungen von Cetinkaya – im letzten Jahr erhöhte er den Leitzins innerhalb weniger Wochen von 8 auf 24 Prozent – mass-geblich zur Stabilisierung der türkischen Lira beigetragen hatten. Für den Präsidenten sind die hohen Zinsen aber für stark gestiegene Preise und die schwächel-nde Wirtschaft verant-wortlich. Ob die bisherige Nummer 2 der Notenbank, Murat Uysal, auf dem Chefposten mehr Glück hat, ist fraglich. Sollten die Zweifel an einer unabhängigen Geldpolitik genährt werden, so droht die türkische Notenbank endgültig ihren seriösen Ruf zu verspielen. Die Lira würde dann erneut unter Druck kommen. Und ebenso die Unternehmen und Haushalte, die sich in US-Dollar und Euro verschuldet haben.

 

 

OPEC unter Druck

An Glaubwürdigkeit verloren hat auch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Zumindest hat das Ölkartell in den letzten Jahren stark an Einfluss eingebüsst und kann den Ölpreis schon seit Längerem nicht mehr nach Belieben manipulieren. Beim OPEC-Meeting in Wien Anfang des Monats sah man sich nun nicht nur dazu gezwungen, die Produktionskürz-ungen um weitere neun Monate zu verlängern. Auch hat man die Absicht kund-getan, die «Ko-ordination» der Förderpolitik mit Russland und weiteren Ländern – auch als OPEC+ bekannt – zu institutionalisieren. Dass dies ausreicht, um an glorreiche Zeiten anzuknüpfen, bezweifeln wir. Die Schieferöl-Kon-kurrenz aus den USA wird ihre Produktion in den nächsten Jahren weiter er-höhen und dürfte die OPEC auch zukün-ftig unter Druck setzen. Eine Preisspanne von 60 bis 80 US-Dollar für ein Fass der Rohöl-Sorte Brent ist in den kom-menden Monaten wohl das höchste der Gefühle, dürfte einige Förderländer budgettechnisch aber bereits unter er-heblichen Druck setzen. Abgesehen von möglichen kurzfristigen Preisspitzen infolge geopolitischer Entwicklung-en liegen die längerfristigen Risiken beim Ölpreis auf der Unterseite.