News
SNB-Negativzinsen gehen ins fünfte Jahr
Nach der jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB steht fest: Die Notenbank wird an der expansiven Geldpolitik festhalten. Damit hätte vor ein paar Jahren noch nicht einmal SNB-Präsident Jordan gerechnet.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bleibt sich treu und hält auch im kommenden Jahr am Negativzins von -0,75 Prozent fest. Beim Mediengespräch der Nationalbank gab selbst SNB-Präsident Jordan zu, dass vor fünf Jahren wohl kaum jemand an eine solch lange Phase nega-tiver Zinsen geglaubt hätte. Doch nun ist diese hier – und sie dürfte uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Die Nationalbank betrachtet den Schweizer Franken weiterhin als hoch be-wertet und erachtet negative Zinsen als das beste Instrument um diesem Schweizer «Problem» zu begegnen.
Tiefgreifende Konsequenzen
Wie problematisch der starke Franken ist, lässt sich nicht zuletzt aus den neuen Inflations-prognosen der SNB ablesen. Die zuletzt ins Minus gedrehte Teuerung soll 2020 hierzulande im Schnitt gerade einmal auf 0,1 Prozent steigen. Der zunehmenden Kritik an der Geldpolitik der Nationalbank stellte sich Jordan entgegen und betonte, dass der Nutzen des Negativzinses für die Schweizer Volkswirtschaft als Ganzes klar überwiege. Die SNB sieht die negative Zinsland-schaft also weniger problematisch und redet sich die Lage damit wohl auch etwas schön.
Aus Notlösung wird die neue Strategie
Im Vergleich zur Schweizer SNB ist die US-Notenbank mit Blick auf die Erreichung ihres Infla-tionsziels von 2 Prozent in einer relativ komfortablen Lage. Immerhin betrug diese in den USA zuletzt rund 1,6 Prozent. Dennoch ist sie damit im zehnten Jahr des Wirtschaftsaufschwungs und trotz rekordloser Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr leicht gesunken. Die Fed steht damit vor einem Rätsel, was auch Notenbankchef Jerome Powell offen zugibt. Die drei Zinssenkungen 2019, welche lange Zeit als Versicherung gegen einen Wirtschaftsabschwung betrachtet wur-den, werden nun zur neuen Strategie. Im Gremium herrschte diesmal jedenfalls Einigkeit dar-über, dass die Leitzinsen auf längere Zeit tief bleiben werden. Noch beim September-Meeting der Fed erwarteten sieben Mitglieder für 2020 Leitzinsen oberhalb von 2 Prozent. Am Mittwoch war man nun einstimmig der Meinung, dass die 2 Prozent-Marke im kommenden Jahr nicht überschritten würde.
Lösung oder Nebenwirkung
Die Fed will nun versuchen, den offenbar noch nicht ausreichend überhitzten Arbeitsmarkt mit unbefristet tiefen Zinsen weiter anzufeuern. Ob das Experiment gelingt, wird die Zeit zeigen. Eher absehbar sind dessen Nebenwirkungen: Die Bewertungen am Aktienmarkt dürften sich weiter aufblasen.