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SNB überrascht mit Zinserhöhung
Für einen Paukenschlag sorgte diese Woche die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie hob den Leitzins am Donnerstag – erstmals seit 2007 – an: von -0,75 Prozent auf -0,25 Prozent. Dies soll verhindern, dass die Inflation in der Schweiz (Mai: +2,9 Prozent) breiter auf Waren und Dienstleistungen übergreift.
Die Währungshüter um Präsident Thomas Jordan priorisieren damit die Preisstabilität nun klar über der Schwächung des Schweizer Frankens – die SNB schliesst jedoch explizit nicht aus, auch künftig am Devisenmarkt zu intervenieren. Darüber hinaus wagen sie sich aus dem langjährigen Fahrwasser der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser mutige Schritt läutet offiziell die Zinswen-de in der Schweiz ein, die Zeit der Negativzinsen ist allerdings noch nicht vorbei.
Auch die US-Notenbank Fed fährt in ihrem Kampf gegen die hartnäckige Inflation – die Erzeu-gerpreise in den USA ziehen weiterhin mit kaum verminderter Kraft an (Mai: +10,8 Prozent) – zunehmend härtere Geschütze auf. An ihrer Juni-Sitzung haben die Währungshüter erwartungs-gemäss den grössten Zinsschritt seit 1994 (+75 Basispunkte) beschlossen. Das Zielband liegt damit neu zwischen 1,50 Prozent und 1,75 Prozent. Die EZB hat derweil zu Wochenmitte eine Dringlichkeitssitzung einberufen, um zu zeigen, dass sie die Bedrohung durch die steigenden Renditen in den Peripherieländern ernst nehmen.
Trübe Börsenstimmung
Die Stimmung an den Börsen ist derweil weiterhin trüb. Die straffere Geldpolitik der Noten-banken befeuert die Rezessionsängste der Anleger. Darüber hinaus häufen sich unternehmens-seitig die negativen Neuigkeiten. So ist die Grossbank Credit Suisse offenbar auf einer Beobacht-ungsliste der britischen Finanzmarktaufsicht FCA gelandet. Der Vermögensverwalter Bellevue warnte vor einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr und der Autozulieferer Autoneum senkte seine Margenprognosen für 2022. Für zusätzliche Volatilität sorgte der am Freitag anstehende grosse Verfallstag für Aktienindex-Optionen und -Futures («Hexensabbat»). Der Swiss Market Index (SMI) tendierte entsprechend dieser Tage erneut schwächer.
Gewinnschätzungen bergen Enttäuschungspotenzial
Mit der bevorstehenden Berichtssaison droht den Aktienmärkten nun denn bereits neues Ung-emach. Angesichts des hohen Preisdrucks und der anhaltenden Probleme in den Lieferketten sind die Gewinnschätzungen unseres Erachtens vielfach zu optimistisch. Dies birgt Enttäusch-ungspotenzial. Wir raten Anlegern, einen kühlen Kopf zu bewahren und an ihrer langfristigen Anlagestrategie festzuhalten.