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Stagflationäre Tendenzen
Gebetsmühlenartig erklärt der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, nun seit Monaten, dass der Teuerungsanstieg in den USA nur ein vorübergehendes Phänomen sei. Und seit Monaten liegt er damit falsch. Im September lag die Inflation mit 5,4 Pro-zent zum fünften Mal hintereinander über der 5-Prozent-Grenze.
Aufgrund der anhaltenden Lieferengpässen sowie steigenden Rohstoff- und Energiepreisen zei-chnet sich keine Trendwende ab. Dass die Notenbanken vor diesem Hintergrund noch immer jeden Monat Dutzende von Milliarden an Liquidität in das Finanzsystem pumpen, wirkt immer grotesker. Denn nicht nur die Konsumentenpreise bewegen sich nach oben, sondern auch die vorgelagerten Produzentenpreise gehen durch die Decke. So stiegen die Erzeugerpreise in China im September um satte 10,7 Prozent. Diese werden sich zwangsläufig in den Gewinnmargen vieler Unternehmen bemerkbar machen. Nur wenige Firmen sind in der Lage, die höheren Kosten 1:1 an die Konsumenten weiterzugeben.
Gewinnsaison im dritten Quartal
In diesem Zusammenhang blicken die Anlegerinnen und Anleger mit Spannung auf die nun anst-ehenden Gewinnzahlen zum dritten Quartal. Dabei wird sich zeigen, ob bereits erste Brems-spuren auszumachen sind. Bereits gestartet ist die Gewinnsaison in den USA. Die Grossbanken JPMorgan, Wells Fargo und Citigroup haben ihre Bücher geöffnet. Alle drei konnten den Gewinn zwar deutlich steigern – allerdings vor allem dank der Auflösung von Rückstellungen im Zusam-menhang mit möglichen Kreditausfällen. Vor allem das Kreditgeschäft hat sich bei allen Banken zuletzt spürbar abgeschwächt. Dies verdeutlicht, dass die Konjunkturdynamik auch in den USA an Schwung verloren hat. Damit steigen die Sorgen vor einer möglichen Stagflation.
Dürfte Gold bald wieder glänzen?
Ein schwächeres Wirtschaftswachstum gepaart mit hoher Inflation wäre für Investoren in der Tat ein anspruchsvolles Umfeld. In einer solchen Phase gehört typischerweise Gold zu den Gewin-nern. Zuletzt verlief die Preisentwicklung beim Edelmetall allerdings eher enttäuschend. Seit dem Rekordhoch bei 2'060 US-Dollar pro Unze im August 2020 ging es mit dem Preis steil bergab. Aktuell notiert der Unzenpreis bei knapp unter 1'800 Dollar. Sollten sich die stagflationären Tendenzen verstärken, dürfte Gold aber bald wieder glänzen.