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08.10.2018

US-Halbzeitwahlen – (k)ein Risiko für die Finanzmärkte?

 

Mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks verzerrt Donald Trump regelmässig die Wahrheit. So auch Mitte September als er damit prahlte, dass die Wachstumsrate der US-Wirtschaft nun erstmals seit 100 Jahren über der Arbeitslosenquote läge. Eine gewagte Aussage.

 

 

 

Dass Donald Trump bei dieser Erfolgsmeldung, die natürlich allein auf seiner guten Wirtschaft-spolitik beruhe, der richtigen Zahl mal eben eine «0» zu viel angehängt hatte, fällt dem geübten Fakten-Checker natürlich sofort auf. Auch den Aktienaufschwung in den USA – seit Kurzem die längste Hausse aller Zeiten – schreibt sich Trump auf die eigene Fahne.

 

 

 

Doch profitieren kann er vom Doppelboom nicht. Ganz im Gegenteil: Die ohnehin tiefen Zustim-mungswerte für seine Politik befinden sich zuletzt wieder auf dem absteigenden Ast. Und auch generell sind die Republikaner der-zeit im Hintertreffen. Bei den für den 6. November 2018 angesetzten Zwischenwahlen droht der Grand Old Party mit erhöhter Wahrscheinlichkeit der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus. Selbst eine Eroberung des Senats durch die Demo-kraten ist gemäss Wahlumfragen nicht mehr gänzlich auszuschliessen. Doch wie wichtig sind die Midterm Elections aus Anlegersicht?

 

 

 

Trumps Wirtschaftsagenda kaum zu stoppen

 

Mögliche Gedankenspiele, die zu einer eher bärischen Erwartungshaltung Anlass geben kön-nten, sind zur Genüge vorhanden. So könnten die siegreichen Demokraten die unternehmer-freundliche Politik von Donald Trump konter-karieren und ihm ein Amtsenthebungsverfahren aufhalsen. Ersteres hätte direkt einen negativen Einfluss auf die Unternehmensgewinne, einen der Haupttreiber des Aktienbullenmarktes. Derweil könnte letzteres den in die Enge getriebenen US-Präsidenten dazu animieren, seine weitgehend freie Hand in globalen Belangen weiter aus-zureizen – in Form einer noch aggressiveren Aussen- und Handelspolitik.

 

 

 

An derlei Bedenken ist aber eher weniger etwas dran. Selbst wenn die Demokraten im Rep-räsentantenhaus die Mehrheit übernehmen, werden sie Trumps Wirtschaftsagenda kaum stop-pen können: Die Deregulierung würde fortgesetzt, da Regulierungsfragen weitgehend in der Hoheit der Staatsführung liegen. Auch die Steuersenkungen könnten nicht rückgängig gemacht werden, da den Demokraten die dafür nötige politische Schlagkraft fehlen wird. In puncto Stim-ulus schliesslich ist es ebenfalls höchst unwahrscheinlich, dass die Partei des 15-Dollar-Mindest-lohns und der Parole «Medicaire für alle» plötzlich Haushaltsdisziplin an den Tag legt. Vielmehr ist (wieder einmal) pol-itischer Stillstand zu erwarten.

 

 

 

Geringes Risiko für eine Amtsenthebungsklage

 

Was eine mögliche Amtsenthebungsklage anbelangt, so erachten wir das Risiko einer Verur-teilung des Präsidenten durch den Senat aktuell als gering. Noch aggressiver kann ein ange-stachelter Trump aussenpolitisch ohnehin kaum werden. Nach der Androhung eines Atomkriegs gegen Nordkorea, der Wiedereinführung des Ölembargos gegen den Iran und den Strafzöllen auf potenziell alle chinesischen Importe benötigt man für weitere (Un)taten schon viel Fantasie. Doch auch wenn wir das Eventrisiko der Halbzeitwahlen als gering einschätzen, sehen wir die Entwick-lungen jenseits des Atlantiks nicht durch die rosarote Brille. Denn für den Aktienmarkt ist ein Patt im Kongress ein-deutig die negativste der drei möglichen Varianten. Zudem bleibt der weiter eskalierende Handelskrieg mit China ein Risikofaktor. Im Negativszenario resultiert aus diesem für US-Unternehmen im kommenden Jahr eine Gewin-nflaute, was den Bullenmarkt ernsthaft auf die Probe stellen würde.