News

12.08.2019

Vom Handelskrieg zum Währungskrieg?

An der Pressekonferenz nach der jüngsten Zinssenkung sprach Jerome Powell noch davon, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China derzeit auf Sparflamme koche. Doch da hatte der Fed-Vorsitzende die Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht.
 

Donald Trump drohte über seinen «Haussender» Twitter Strafzölle an. Damit zündete er eine neue Eskalationsstufe in der Auseinandersetzung zwischen den zwei weltgrössten Volkswirt-schaften. Die Antwort der Chinesen folgte prompt.
 

Eskalation weiter verschärft


Zum einen wurden chinesische Staatsunternehmen angewiesen, kein US-Agrarprodukte mehr zu kaufen. Zum anderen liess die chinesische Notenbank den Renminbi unter die magische Marke von sieben Yuan pro US-Dollar fallen. Den vorläufigen Höhepunkt des Schlagabtauschs setzte dann erneut der US-Präsident, indem er China den Stempel eines «Währungsmanipulators» auf-drückte. Für die Finanzmärkte war der Fall klar: Eine sich weiter drehende Zollspirale, die nun iPhones, Laptops und Turnschuhe beträfe, könnte den Konsum als bisher noch verlässliche Stütze der US-Konjunktur ernsthaft ins Wanken bringen. Der Weg in die Rezession wäre dann nicht mehr weit. Entsprechend verzeichneten Aktien Anfang Woche deutliche Kursabschläge.

 

Manipulationsvorwurf nicht begründet

 

Die beiden Streitparteien haben sich mit den jüngsten Entwicklungen erst recht in eine Sack-gasse manövriert, aus der es keinen schnellen Ausweg gibt. Aus dem Handelskrieg droht gar ein Währungskrieg zu werden. Trump hat seine Präferenz für eine absichtliche Schwächung des US-Dollar bereits mehrfach kundgetan. Und tatsächlich hätte das US-Schatzamt dafür begrenzte Mi-tel zur Verfügung. Der Erfolg einer solchen Intervention ist allerdings stark anzuzweifeln. In der Historie haben diese jedenfalls nur dann funktioniert, wenn sie in Koordination mit der Geld-olitik und idealerweise auch zusammen mit anderen Ländern durchgeführt wurden. Die Recht-fertigung der US-Administration ist so oder so nicht gegeben. Denn zwar kann man China vieles vorwerfen – eine Manipulation des chinesischen Renminbi aber nicht. In den letzten Jahren war die Notenbank ganz im Gegenteil oft damit beschäftigt, eine Abwertung der Währung zu verhindern, teils unter erheblicher Aufwendung von Devisenreserven.