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Was bringt die Berichtsaison?
Die Zahlen der Unternehmen sprechen eine andere Sprache wie die Prognosen der Analysten. Einmal mehr werden tiefe Erwartungen übertroffen, was auch dieses Quartal zu schönen Überraschungen führt.
Die Berichtssaison für das vierte Quartal 2019 hat diese Woche weiter an Fahrt gewonnen. In den kommenden zwei Wochen erreicht der vierteljährliche Zahlenreigen seinen Höhepunkt. Und eine Tendenz lässt sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt feststellen: Auch diesmal wird wieder eine Vielzahl von Unternehmen die Prognosen der Analysten schlagen. Damit wiederholt sich ein Muster, das schon in den Vorquartalen zu beobachten war – zunächst werden die Analysten-erwartungen sukzessive gesenkt, dann werden diese reihenweise übertroffen. Für das letzte Qu-artal 2019 sind die Prognosen mit -1 Prozent in den USA und in Europa nun erneut so tief, dass positive Überraschungen fast zwangsläufig sind.
Aktienmärkte mit ambitionierten Gewinnerwartungen
Ob die Gewinnüberraschungen die Aktienmärkte kurzfristig noch weiter nach oben treiben kön-nen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Gemessen an der Kursentwicklung der jüngsten Zeit scheint eine gehörige Portion an Vorschusslorbeeren bereits eingepreist zu sein. Neben guten Zahlen für die Vergangenheit werden die Investoren daher vor allem auf die Ausblicke der Un-ternehmen achten. Angesichts der vorläufigen Beruhigung an der Handelskriegsfront und der leichten Stabilisierung bei den Konjunkturvorlaufindikatoren dürften diese mehrheitlich positiv ausfallen. Um den Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr 2020 gerecht zu werden, ist eine solche Trendwende auch zwingend notwendig. Wie so oft sind die Gewinnerwartungen auf Jahresbasis mit einem Plus von 9 Prozent nämlich recht ambitioniert.
Optimismus am Aktienmarkt
Aber auch wenn die Erwartungen für dieses Jahr, dem typischen Muster folgend, bald wieder nach unten korrigiert werden – für den Aktienmarkt muss dies nicht zwangsläufig ein Hindernis sein. Seit 2011 wurden die Gewinn-schätzungen für den Weltaktienmarkt im Jahresverlauf im Schnitt um 7 Prozent nach unten revidiert. Trotzdem ist der Aktienmarkt, entsprechend seiner langfristigen Tendenz, in sechs von neun Fällen gestiegen. Was – zumindest kurzfristig – jedoch ein Hindernis für weitere unmittelbare Kursgewinne sein könnte, sind die gute Anlegerstimmung und die heissgelaufene Charttechnik. Die Privatanleger und Börsenbriefschreiber sind momentan überaus opti-mistisch. Und insbesondere bei den Technologieaktien notieren die Momentum-Indikatoren derzeit im roten Bereich.
Oliver Hackel, Leiter Makro & Investment Strategy