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01.04.2019

Was will uns die US-Zinskurve sagen?

Auf dem Börsenparkett lag das Hauptaugenmerk in den letzten Tagen auf den US-Zinsen, genauer gesagt auf der Zinsstrukturkurve. Denn vergangenen Freitag lag der langfristige Zinssatz für zehn Jahre erstmals seit 2007 tiefer als die kurzfristigen 3-Monats-Zinsen.

Üblicherweise ist es umgekehrt, da sich Anleger das Risiko längerer Laufzeiten mit höheren Zinsen entschädigen lassen. Nun ist die Kurve aber über weite Teile «invers». Und das Thema Zinskurve ist Gesprächsstoff der Stunde.

Doch warum ist die Krümmung der Zinskurve so interessant? In der Vergangenheit war eine Umkehrung der Zins-struktur ein zuverlässiger Vorwarnindikator für eine bevorstehende Rezes-sion. Seit Anfang der 1960er-Jahre hatte dieser bei insgesamt acht Signalen eine Trefferquote von 87,5 Prozent, lag damit also nur einmal daneben. Allerdings war stets auch die Differenz zwischen den 10- und 2-Jahres-Zinsen negativ, was heute (noch) nicht der Fall ist. Doch das ist nicht das einzige Aber bei diesem letztlich doch etwas überbewerteten Indikator.

 

 

Zeitpunkt noch offen

 

Denn auch wenn eine Rezession bisher recht zuverlässig angezeigt wurde, bleibt noch die Timing-Frage. Über den Zeitpunkt sagt die Umkehrung der Zinskurve jedoch nichts aus. Bisher lag die Vorwarnzeit zwischen sechs Monaten und mehr als zwei Jahren. Gerade in der letzten Phase eines Wirtschaftsaufschwungs legen die Aktienmärkte aber meist nochmals kräftig zu. Und so würden Anleger diese Kursgewinne in der Regel verpassen, wenn sie blindlings dem Signal der Zinsstruktur folgten.

 

 

 Nicht alle Zeichen auf Abschwung

 

Dazu kommt, dass die Zinsen mehr denn je von den Notenbanken beeinflusst werden. Dadurch sind die Renditen auch in den USA über alle Laufzeiten hinweg tiefer als es normalerweise der Fall wäre und eine Umkehrung der Kurve leichter. Zudem sind andere Rezessionsindikatoren wie beispielsweise die Kreditaufschläge und die Kon-junkturvorlaufindikatoren derzeit nur im gelben Bereich. Auch wäre das Realzinsniveau für einen unmittelbaren Wirtschaftsabschwung unge-wöhnlich tief. Kurzfristig sollte man nun erst einmal abwarten, wie nachhaltig die Kurvendre-hung ist. Und selbst wenn sie sich manifestiert, könnte sich die auf dem Kopf stehende Kurve diesmal als besonders frühe Warnung herausstellen.