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11.06.2019

Wenig Überraschendes von der Europäischen Zentralbank

US-Notenbankchef Powell undandere Fed-Mitglieder haben die Tür für eine baldige Zinssenkung in den USA inder abgelaufenen Woche ein Stück weit geöffnet. Der Europäischen Zentralbank(EZB) blieb da-her nicht viel anderes übrig, als in den taubenhaften Tenor derKollegen aus Übersee einzustimmen.

Der inzwischen an mehreren Fronten tobende Handelskrieg, ein unerwartetdeutlicher Rückgang der Teuerung im Mai sowie die sich nicht bessernden Datenaus der Industrie liessen allerdings auch nichts anderes erwarten. Die gutenWachstumsdaten im ersten Quartal wurden vom EZB-Gremium berechtigterweise nichtüberinterpretiert. Die konjunkturellen Risiken überwiegen und so fielen auchdie Konditionen für die neuen Langfristkredite, die sogenan-nten TLTROs, für dieeuropäischen Banken relativ grosszügig aus. Das Mittel einer Zinssenkung hatMario Draghi angesichts eines Einlagezinssatzes von -0,4 Prozent nicht (mehr).Er behalf sich daher damit, den Ausblick zur Zins-wende weiter nach hinten zuverschieben. Nun soll es frühestens im Sommer 2020 so weit sein. DieseEinschätzung könnte sich aber als zu optimistisch erweisen.

Geldpolitische Lockerungswellein Sicht?
 

Den Notenbankern in Zürich, die am kommenden Donnerstag zu ihrervierteljährlichen Sitzung zusammenkommen, bleiben ebenfalls wenige Optionen.Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist mit -0,75 Prozent sotief wie nirgendwo sonst in der Welt. Ein noch höherer Negativzins wäre nichtnur in der Bevölkerung unpopulär, sondern würde langsam auch einige Banken inarge Bedrängnis bringen. Ob das geldpolitische Instrument damit ta-tsächlichschon ausgereizt wurde, ist aber nicht gesagt. Zumindest verbal hatSNB-Präsident Jordan in den letzten Wochen schon einmal vorgespurt. In Bezugauf den Schweizer Leitzins zeigen die Terminmarktkurven mittlerweile auchbereits eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für eine Zinssenkung bis März2020 an. Einer weiteren glob-alen geldpolitischen Lockerungswelle würde sich dieSNB letztlich wahrscheinlich nicht komplett entziehen. Noch ist es für das nochvor Kurzem undenkbare Szenario aber zu früh. Nächste Woche dürfte es erst einmalheissen, dass die SNB den Schweizer Franken weiterhin für überbewertet hält.