Märkte & Meinungen

Ist die Welt aus den Fugen geraten?

Handelskrieg, Brexit, Gelbwesten-Proteste, Syrien und Iran – ein globalpolitisches Ereignis jagt das nächste. In der Tat hat die messbare wirtschaftspolitische Unsicherheit deutlich zugenommen. Eine immer tiefer gespaltene Gesellschaft sowie schwindendes Vertrauen in das «Establishment» sind das Ergebnis. Gerade in solchen Zeiten lautet der Schlüssel zum Erfolg: Diversifikation.

Die Globalisierung ist ein Erfolgsmodell – alte Wirtschaftsgrossmächte Europa und USA fallen ab

Die Globalisierung und der freie Handel haben der Welt zu einem deutlichen Wachstumsschub verholfen. Vor allem der rasante Aufstieg Chinas (und im Sog davon vieler Schwellenländern) brachte neue Arbeitsplätze für Millionen von Menschen. Noch vor rund 25 Jahren war China ein relativ «unbedeutendes» Schwellenland. Heute beträgt Chinas Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt rund 18 Prozent und das Reich der Mitte dürfte die USA in rund zehn Jahren als stärkste Wirtschaftsmacht ablösen. 

Matthias Geissbühler, CIO Raiffeisen Schweiz, erläutert wie sich Anleger im aktuellen Umfeld der wirtschaftspolitischen Unsicherheit positionieren sollen.

Matthias Geissbühler, CIO Raiffeisen Schweiz, erläutert wie sich Anleger im aktuellen Umfeld der wirtschaftspolitischen Unsicherheit positionieren sollen.

Auch die Industrieländer und die Konsumenten profitierten von diesem Aufschwung. Einerseits in Form von sinkenden Güterpreisen und andererseits von einem starken Exportwachstum. Wenn man den globalen Gini-Koeffizienten – ein Mass für die Verteilungsgerechtigkeit – betrachtet, zeigt sich, dass die Globalisierung auf aggregierter Basis den weltweiten Wohlstand signifikant erhöht und die Einkommensungleichgewichte reduziert hat. Natürlich hat aber auch die Globalisierung eine Kehrseite. Obwohl die Mehrheit der Weltbevölkerung profitieren konnte, gibt es auch Globalisierungsverlierer. Vor allem die Industriesektoren in Europa und den USA haben global betrachtet Marktanteile verloren. So sind beispielsweise in der deutschen Stahlindustrie seit 1980 über 200‘000 Stellen verlorengegangen.

Das Ungleichgewicht verstärkt sich durch die anhaltend expansive Geldpolitik

Im Nachgang an die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 sind die Bilanzen der wichtigsten Notenbanken von rund drei Billionen auf über 16 Billionen US-Dollar förmlich explodiert. Die Geldschwemme – zusammen mit Null- beziehungsweise Negativzinsen – hat zu einem deutlichen Preisanstieg vieler Vermögenswerte geführt. Diejenigen Bevölkerungsschichten, welche über ein entsprechendes Finanzvermögen (Aktien, Immobilien) verfügen, konnten entsprechend stark von der Geldpolitik profitieren. Die arbeitende Bevölkerung hingegen sieht sich seit Jahren mit stagnierenden Reallöhnen konfrontiert. Die expansive Geldpolitik hat somit das Ungleichgewicht verstärkt.

Diese Faktoren dürften einen massgeblichen Einfluss auf das politische Abstimmungs- und Wahlverhalten haben. Leider ist anzunehmen, dass sich diese Entwicklungen zumindest kurzfristig nicht wesentlich verbessern werden.

 

Gut gemixt ist halb gewonnen

«Das (geo-)politische Umfeld bleibt für Anleger also anspruchsvoll und die Volatilität dürfte entsprechend hoch bleiben», erläutert Matthias Geissbühler, CIO Raiffeisen Schweiz. «Gerade in solchen Zeiten lautet der Schlüssel zum Erfolg: Diversifikation. Da wir in Europa und in der Schweiz von anhaltend tiefen Zinsen ausgehen, ist das Korrekturrisiko bei Immobilienanlagen aber auch bei den Obligationen begrenzt. Profitieren sollte auch Gold: Einerseits aufgrund der nicht vorhandenen Opportunitätskosten, andererseits aber auch als Absicherung vor möglichen Turbulenzen. Alle drei Anlageklassen weisen zudem eine tiefe oder gar negative Korrelation zu Aktien auf und helfen deshalb mit, das Portfolio zu stabilisieren. Um solide, bilanz- und dividendenstarke Aktien kommen Anleger aus Renditeüberlegungen zudem nicht herum.» Auch hier gilt: der gute Mix (geografisch und branchenmässig) macht es aus.

 

 

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