News
Börsenjahr 2026: Wenig Wachstum, viel Unsicherheit – die Chance für Sachwerte?
Das neue Jahr wird für Anlegerinnen und Anleger anspruchsvoll: Sie müssen sich auf volatile Aktienmärkte und erhöhte Risiken durch eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik einstellen. Ein kritischer Blick auf das eigene Portfolio ist deshalb unerlässlich.
2025 war ein überraschend starkes Börsenjahr: Trotz Handelskonflikten, geopolitischer Krisen und steigender Verschuldung legten die Finanzmärkte kräftig zu. Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? «Wir hatten in praktisch allen Anlageklassen eine sehr erfreuliche Entwicklung – dabei gerät aber leicht in Vergessenheit, wie gross die kurzfristigen Einbussen in der ersten Jahreshälfte waren», sagt Marco Schlatter, Leiter Vermögensberatung bei der Raiffeisenbank Regio Uzwil.
Als US-Präsident Donald Trump im April höhere Handelszölle ankündigte, brachen die Märkte ein. Erst die Übergangsfristen und Nachverhandlungen sorgten für Entspannung. «In Kombination mit der expansiveren Geldpolitik der Zentralbanken führte dies zu einer kräftigen Erholung und letztlich zu einem starken Börsenjahr», erklärt der Raiffeisen-Experte.
Die Folgen der US-Zollpolitik werden auch 2026 zu spüren sein. Da die höheren Zölle in Form steigender Preise an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergereicht werden, dürfte die Inflation in den USA von derzeit 3 Prozent weiter zunehmen. Gleichzeitig wird die US-Industrie wohl weiter an Dynamik verlieren.
Schweiz und Europa: durchwachsene Aussichten
Auch Schweizer KMU werden 2026 durch die Zölle weiterhin beeinträchtigt, selbst wenn diese mittlerweile auf 15 Prozent gesunken sind. Zusätzlich belastet die Abwertung des Dollar. Seit Anfang 2025 hat die Währung gegenüber dem Franken 10 Prozent an Wert eingebüsst. Produkte von Unternehmen , die in der Schweiz produzieren und in die USA liefern, verteuern damit um gut 25 Prozent.
«Die Ausgangslage für die Schweizer Industrie bleibt 2026 schwierig. Wir rechnen mit einem BIP-Wachstum von nur 1 Prozent», erklärt Marco Schlatter. Ebenso durchwachsen dürfte auch das Wachstum im übrigen Europa ausfallen. Eine Unbekannte bleibt der Krieg in der Ukraine. Ein Ende würde die Stimmung an der Börse stark verbessern.

«Ein Vermögens-Check zum Jahresanfang ermöglicht es, die Balance wiederherzustellen und die Chancen im neuen Jahr zu nutzen.»
Künstliche Intelligenz: Ist der Boom bald vorbei?
Entscheidend für die weitere Entwicklung ist auch die Dynamik beim Wachstumstreiber KI. 2026 muss langsam aber sicher klar werden, ob und wie sich damit Geld verdienen lässt, sonst könnte die Luft schnell draussen sein. Tatsächlich gibt es Anzeichen einer Blase: KI-Firmen nehmen vermehrt Kapital auf. Die Verschuldung steigt – und damit auch das Risiko.
Für Technologiewerte bedeutet das: Da die Firmen sehr hoch bewertet sind und ihr Gewicht rund 40 Prozent des S&P-500 ausmacht, hätte ein Kursrückgang spürbare Auswirkungen auf den gesamten US-Markt. «Es lohnt sich deshalb, bei US-Aktien vorsichtiger zu sein und defensivere Märkte und Sektoren zu bevorzugen», rät Marco Schlatter.
Sachwerte bleiben attraktiv
Im Nullzinsumfeld sind Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen interessant, insbesondere aus der Schweiz. Generell ist der Heimmarkt spannend, dank Sektoren wie Pharma und Medtech. Marco Schlatter empfiehlt ausserdem, auf Aktien aus rohstoffreichen Schwellenländern zu setzen.
Bei Obligationen ist 2026 kaum mit Kursaufwertungen zu rechnen, da in der Schweiz für 2026 keine weiteren Zinssenkungen absehbar sind. «Gleichwohl tragen Obligationen zur Stabilität eines Portfolios bei und sollten deshalb nicht ausser Acht gelassen werden», wie Schlatter betont. Auch hier bieten Schwellenländer Chancen.
Darüber hinaus bleiben Sachwerte wie Immobilien und Gold attraktiv: Schweizer Immobilienfonds schütten gut 2 Prozent aus und bieten zusätzliches Wertsteigerungspotenzial. Beim Gold, das 2025 neue Höchststände erreicht hat, wird für 2026 eine weitere Preissteigerung erwartet – wenn auch nicht mehr im Ausmass des Vorjahres.
Das Portfolio wieder ins Lot bringen
Alles in allem wird 2026 eine breite Diversifikation von grosser Bedeutung sein. Auch angesichts der starken Marktbewegungen im vergangenen Jahr lohnt es sich, die Verteilung der eigenen Anlagen zu prüfen: «Turbulente Börsenjahre können das Portfolio aus dem Gleichgewicht bringen», weiss der Anlageexperte. «Es kann sinnvoll sein, einen Teil der Gewinne zu realisieren und gewisse Umschichtungen vorzunehmen.»