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Die Schweiz als Fels in der Brandung

Die Bewältigung der Coronasituation stellt die Staaten weltweit vor grosse Herausforderungen. Die Schweiz hat aber beste Voraussetzungen, um diese Krise gut zu meistern. Dank den typischen Schweizer Werten und Tugenden.

Schweizer Leitindex unter Einbezug der Dividenden leicht im Plus

Ein Blick auf den Swiss Market Index (SMI) lässt nicht darauf schliessen, dass wir uns weltweit in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen befinden. Während die Weltwirtschaft im zweiten Quartal zweistellig eingebrochen ist, notiert der Schweizer Leitindex unter Einbezug der Dividenden seit Jahresanfang gar leicht im Plus – und stellt damit die europäischen Aktienindizes deutlich in den Schatten. Ist die Schweiz also ein Fels in der Brandung?

Der SMI steht bereits wieder auf den Niveaus vom Jahresanfang

Der SMI steht bereits wieder auf den Niveaus vom Jahresanfang

Quellen: IWF, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Tatsächlich hat die Schweiz beste Voraussetzungen, um die Coronasituation (vergleichsweise) gut zu meistern. Die politische und wirtschaftliche Stabilität, eine hohe Innovationskraft, ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein, solide Finanzen und ein hervorragendes Bildungssystem sind Eigenschaften, die allesamt für die Schweiz sprechen. 

Breit diversifizierte und wettbewerbsfähige Wirtschaft

Die Schweiz gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften und liegt gemessen an ihrem Bruttoinlandsprodukt weltweit an zehnter Stelle. Wenn man das relevantere Bruttoinlandsprodukt pro Kopf heranzieht, sogar auf dem zweiten Platz.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in US-Dollar

Die kleine Schweiz ganz gross – Zweithöchste Wirtschaftsleistung pro Kopf

Quellen: IWF, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Ein grosser Vorteil gegenüber vielen anderen europäischen Staaten ist die Struktur der Wirtschaft beziehungsweise die breite Branchendiversifikation. Hauptarbeitgeber ist der Dienstleistungssektor mit seinem starken Handels- und Finanzplatz. Einen wesentlichen und sehr stabilen Teil der Wertschöpfung macht zudem die Pharmabranche aus. Aber auch der Tourismus und die Industrie sind von grosser Bedeutung. Neben den weltweit bekannten Grosskonzernen bilden die vielen KMU das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Dabei gehören viele zu den Weltmarktführern in ihren Nischen. Das Prädikat «Swiss Made» steht dabei für Top Qualität und ist im Ausland besonders begehrt. Die hohe Innovationskraft der Schweizer Unternehmen basiert auf einem hervorragenden Bildungssystem. Gemäss aktuellster Analyse des International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne belegt die Schweiz weltweit Rang 4 unter den wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt; knapp hinter Singapur, Hongkong und den USA. All diese Faktoren dürften dazu beitragen, dass die Schweiz auch aus der aktuellen Krise gestärkt herausgehen wird.

Keine Volkswirtschaft ist allerdings immun gegen unerwartete und exogene Schocks. Wenn dann sogar – wie jetzt während der Corona-Pandemie – ganze Wirtschaftszweige staatlich verordnet lahmgelegt werden, trifft das auch die innovativsten Firmen hart. Daher ist es auch folgerichtig, dass die Schweizer Regierung entsprechende Unterstützungsmassnahmen ergriffen hat. Das Corona-Hilfspaket in der Grössenordnung von 67 Milliarden Schweizer Franken ist enorm, macht es doch fast 10 % des jährlichen BIP aus. Dies wird zukünftig zu einem deutlichen Schuldenanstieg führen. Im Vergleich zum Ausland ist aber auch diesbezüglich die Ausgangslage für die Eidgenossenschaft sehr gut. Dank der Schuldenbremse und einer sehr konservativen Fiskalpolitik beliefen sich die Staatsschulden in der Schweiz per Ende 2019 auf «nur» rund 40 % des BIP. Im weltweiten Vergleich ist das ein Spitzenwert. Hinzu kommt, dass aufgrund der sehr stabilen Finanzlage die Eidgenossenschaft weiterhin über ein AAA-Rating verfügt und somit international als Hort der Stabilität gilt. Ein sorgsamer Umgang mit den Finanzen ist allerdings nicht nur eine Tugend des Bundes, sondern auch vieler Firmen sowie Privatpersonen. Die Sparquote in der Schweiz ist sehr hoch und belief sich in den vergangenen Jahren konstant auf über 20 % des verfügbaren Bruttoeinkommens. Auch dieser Umstand trägt zur guten Ausgangslage bei, um eine solch schwierigere Phase gut zu überstehen.

Silberstreifen am Horizont

Zuletzt gab es aber auch bei der Entwicklung der Coronasituation Silberstreifen am Horizont. Die Neuinfektionszahlen bewegen sich auf relativ tiefem Niveau. Die Spitäler können nun zusätzliche Vorsorge treffen und sich für eine allfällige zweite Welle rüsten. Weltweit wird mit hohen Anstrengungen und massiven Investitionen an Impfstoffen sowie Medikamenten geforscht. Wobei auch hier Schweizer Firmen massgeblich mitwirken. Die schrittweisen Lockerungsmassnahmen führen zu einer Stabilisierung der Wirtschaft und werden eine langsame Erholung einläuten. Das zweite Quartal wird unserer Meinung nach somit den Tiefpunkt der Konjunkturentwicklung markieren. Es geht nun langsam wieder aufwärts – auch wenn der Weg steinig bleibt. Die Schweiz hat die besten Voraussetzungen um auch diese Krise zu meistern. Dank den typischen Schweizer Werten und Tugenden. Und davon sollte letztlich auch der Schweizer Aktienmarkt profitieren.